Helmut Theodor Rohner | PORTRÄT

Aktuelles


Eine Übergangslösung

Synode bedeutet „Gemeinsamer Weg“. In den Anfängen bemühte sich die Kirche um einen von allen Mitgliedern gemeinsam erarbeiteten Weg. Später schrieben in der katholischen Kirche die Geweihten und noch später beinahe allein der Papst dem Kirchenvolk vor, welchen Weg es zu gehen habe. Die Bischöfe hatten wenig und das Volk beinahe gar keinen Einfluss mehr darauf.
Erst nach dem Konzil stellen wir zwei Schritte fest, die uns wieder zum gemeinsam erarbeiteten Weg zurückführen können. Den ersten Schritt tat Paul VI. Er führte die Bischofsynode ein und wertete die Bischöfe auf. Den zweiten Schritt vollzog Papst Franziskus. Auch ihm ging es um die bewusstere Verantwortung der Bischöfe, aber noch mehr um ein stärkeres Hören auf das Kirchenvolk. Dieses soll bei der Vorbereitung und bei der Umsetzung der Synoden unbedingt stärker einbezogen werden.
Doch auch nach Franziskus reden und entscheiden auf der Synode beinahe allein die Bischöfe. Das ist eine Zwischenlösung. Es braucht noch einen dritten Schritt: Der gemeinsame Weg darf nicht von den Bischöfen, sondern muss von allen Gläubigen gemeinsam erarbeitet werden. Das Volk muss nicht nur gehört werden, sondern es muss auch entsprechend seinen eigenen Möglichkeiten mitreden und mitbestimmen können.

Helmut T. Rohner
(Erstmals veröffentlicht in der November-Nummer 2018 von KIRCHE IN)


Mein Kirchenbild

Auf 1000 m Höhe, auf dem Bödele oberhalb von Dornbirn gibt es ein Hochmoor, das Foramoos.
Dort gibt es eine spektakuläre Quelle. (Siehe Bild). Ich habe an dieser Quelle 2 Kinder unserer Basisgruppe getauft. Dabei erklärte ich: Das ist das Bild, das ich mir mit der Zeit von der Kirche gemacht habe. In so eine Kirche möchte ich die Kinder oder Erwachsenen gerne taufen. (Offiziell hieß es: Taufe nur in einer Kirche oder Kapelle. Doch Jesus selbst ließ sich in freier Natur im Jordan taufen. In Freiheit, nicht eingemauert. Ganz falsch kann es also nicht sein.)
Mein Kirchenbild entstand so: Offene Fenster und Türen genügen nicht. Papst Johannes öffnete die Fenster, andere haben sie wieder zugemacht, ja sogar zugemauert. Die Kirche darf also keine Wände haben. Nur ein Dach für viele Gruppierungen/Kirchen/Religionen. Doch dann dachte ich: Das Dach behindert die Herabkunft des Hl. Geistes (wie das oft auch die Mitra der Bischöfe tut). Also auch kein Dach. Und trotzdem ein beonderer, ein heiliger Raum. Offen (ohne Grenzen wie das Reich Gottes) und doch geschützt, wie die Waldlichtung und in ihr die Quelle. Ein Ort, wo der Mensch ganz spontan zu meditieren beginnt und ungern von dort weggeht. Ein vom Geist erfüllter Ort, der die Besucher durch den Geist in seinen Bann zieht und sie begeistert von dannen ziehen läßt, um andere zu begeistern.

Helmut Rohner



In der Foramoosquelle sprudelt immer wieder an andern Stellen Gas und Wasser aus der Erde. Endlich ein Ort, wo der Geist von oben und unten kommt!

Näher am Leben

Das Apostolische Glaubensbekenntnis soll sicher im Gedächtnis der Christen erhalten bleiben. Aber es den heutigen Kirchenbesuchern, die z.T. große Schwierigkeiten damit haben, jeden Sonntag zuzumuten, ist wohl nicht ganz das Richtige. Viele von uns sehnen sich nach Formulierungen unseres Glaubens, die näher an unserem Leben, zeitgemäßer und abwechslungsreicher sind. Warum also soll nicht der PGR, der PKR, der Missionskreis oder die Bibelrunde unserer Pfarre ein Credo für den Sonntagsgottesdienst zusammenstellen? Warum nicht eine Schulklasse? Warum nicht die Frauen und die Männer separat? Könnte man nicht alle Generationen eigens zu Wort kommen lassen? Auch nach bestimmten Themen könnte man sich ausrichten: Unser Glaube an den Gott der Liebe, der Barmherzigkeit, der Lebendigkeit, usw. Mit einem Credo aus Latein-Amerika, Afrika oder Asien könnte man den Horizont erweitern. Ebenso mit einem Bekenntnis von Karl Rahner, Dorothee Sölle und andern großen christlichen Persönlichkeiten. Ich kannte einen Steyler Pater, der allen riet: Schreib doch dein eigenes Glaubensbekenntnis. Überlege, was für dich persönlich an deinem Glauben wirklich wichtig ist.

Helmut T. Rohner
(Erstmals veröffentlicht in der Oktober-Nummer von Kirche In)


Priesterliche Oma

Frau Sieglinde Fitz-Grabher (Jg 1925) aus Lustenau/Vbg. hat 5 Töchter, 13 Enkel und 22 Urenkel und von ihnen allen weiß sie auswendig den Geburtstag. Sieglinde weiß auch, wie die katholische Kirche den Priestermangel beheben könnte. Sie ist überzeugt, dass für Jesus Frauen alles können, was Männer können. Sie glaubt auch, dass wir alle priesterliche Menschen sein können. Die heutigen Priester mit übergroßen oder mehreren Pfarreien können ihre Gläubigen im alltäglichen Leben nicht mehr begleiten. Es sind einfach zu viele. Menschliche Nähe ist aber für die Seelsorge oder besser Heilssorge notwendig. Deshalb kann unter Umständen eine Oma an ihren Kindern und Enkeln manchmal besser priesterliche Dienste übernehmen, als das ein beamteter Priester könnte. Aus dieser Haltung heraus handelte Sieglinde, deren Enkel und Urenkel z. T. aus der Kirche ausgetreten sind, als sie 2013 vorschlug, mit ihnen ein österliches „Brotbrechen“ und 2018 die Einweihung des Hauses von Enkel Markus zu feiern. Alle waren mit Begeisterung dabei und erlebten etwas Unvergessliches. Wer die Texte der zwei Gottes- und Menschendienste kennt, wundert sich nicht darüber. Die Texte finden Sie auf der Seite „Aktuelles“ von www.helmut-theodor-rohner.eu

zum Text "Hauseinweihe"
zum Text "Unvergessliche Hauskirche in Vorarlberg"

Helmut T. Rohner
(Erstmals veröffentlicht als Blitzlicht in der September –Nummer 2018 von Kirche In)


Die ideale Kirche gibt es nicht

Eigentlich ist es eine Binsenwahrheit: Keine Kirche kann vollkommen sein. Sie besteht ja aus lauter unvollkommenen Menschen. Die einzelnen Mitglieder und auch die Organisation der Kirche entsprechen in keinem Augenblick der Geschichte in allem dem, was Jesus Christus wollte. Das sollten die Kirchen selber eingestehen, tun es aber meistens nicht. Doch wie soll sich der einzelne Gläubige dazu verhalten? Gläubige können an der Kirche verzweifeln und austreten. Entgegen dem Argument, Kirchen könnten nur von innen beeinflusst werden, ist dies doch auch von außen möglich. Man denke nur an die Veränderungen der katholischen Kirche seit der Aufklärung. Die Impulse zur Heutig-Werdung der Kirche kamen zum Großteil zunächst von außen. Freilich wären sie nicht wirksam geworden, wären sie nicht allmählich von innen übernommen worden.
Trotzdem halte ich es für besser, nicht auszutreten, sondern zu bleiben und im Geiste Jesu um die nötige Erneuerung - evtl. sogar mit endlos langem Atem - zu kämpfen. Im Moment möchte ich diesen Rat besonders den Frauen in der katholischen Kirche geben. Bitte geht nicht enttäuscht weg und lasst uns nicht allein auch in unserm Bemühen um die von Jesus bezeugte Gleichstellung der Frauen mit den Männern und der Verheirateten mit den Unverheirateten!!

Helmut T. Rohner
(Erstmals veröffentlicht als Blitzlicht in der August-Nummer 2018 von Kirche In)


Gerda Rosenauer, 31.7.2018

Sie starb ganz friedlich am Montag, den 30.7.18.

11 Tage früher, am 19.7. rief sie mich an und bat mich, etwas mitzubringen. Ich verstand nicht was und fragte nach. Doch meine Frage verstand sie wieder nicht. Sie sagte, der Besuch müsse kurz sein, denn sie sei schwach. Ich ging also hin und nahm ein Brot und eine Flasche Wein mit. Sie wollte die Kommunion und so zelebrierte ich eine Mini-Messe in 10 Minuten. Ich mache es lieber so (wie die Evangelischen) als eine konsekrierte Hostie aus dem Tabernakel zu holen. Dann sagte ich: „Jetzt bekommst du noch einen Segen von mir.“ Sie antwortete: „Und du von mir auch.“
Gerda wollte dann doch noch, dass ich etwas länger bleibe und sagte mir unter anderem, sie wolle ihren nächsten Geburtstag am 1.8. nicht mehr erleben. Ich dachte: So auf Knopfdruck sterben kann niemand, denn sie war noch nicht bettlägerig und ging täglich mit ihrem Hund über zwei hohe Treppen auf die Straße und zurück. Ich sagte jedoch nichts. Am Freitag, den 27.7. kam Gerda in das Hospiz in die Mehrerau. Am darauffolgenden Tag besuchte ich sie dort. Sie wollte an dem Tag mit ihrer Tochter noch einmal ein Gläschen Wein trinken und tat es auch. Sie hatte noch viel Programm vor sich: 10 Strahlentherapien und 8 Chemotherapien. Das wurde ihr zu viel und sie sagte alles ab. Im nachhinein bekam sie doch wieder Gewissensbisse, ob sie nicht Gott ins Handwerk gepfuscht habe. Sie fragte daher mich, ob das eine Sünde sei oder nicht. Ich verneinte. Sie war ganz ruhig und gelassen. Sie sagte auch, sie fühle sich geborgen. „Hast du Öl bei dir?“ Ich hatte keines. Sie dachte scharf nach. „Irgendwo habe ich doch Öl.“ Schließlich salbte ich sie mit Schmerzöl. Den Umständen entsprechend nicht, damit sie wieder gesund werde, sondern dass Gott sie auf dem letzten Stück ihres Weges begleite und ihr dann einen guten Übergang von diesem zum andern Leben schenke. Eine zeitlang bat sie mich, ihre Hand zu halten. Sie bat mich, für sie zu beten, dass sie schnell sterben könne. Diesen Wunsch hatte sie schon öfters geäußert. Zwei Tage später starb sie tatsächlich. Noch zwei Tage vor dem 1. August.

So etwas habe ich noch nie erlebt in meinem langen Leben.

Helmut Rohner


Gerda Rosenauer, 2.8.2018

Am Sonntag, den 29.7. war Tochter Karin noch einmal bei Gerda. Sie brachte die Ahnen (Bilder) mit, doch die wollte Gerda nicht. 11/2 Seiten über das Sterben aus einem Buch eines großen Mannes wollte sie auch nicht hören. Sie wollte nur die Zusammenfassung des Textes. Die lautete: Beim Sterben öffnet sich ein Portal jedoch nur ganz kurz. Dann muss man schnell hindurch, ohne lang zu zögern oder zu grübeln. „Hast du verstanden?“ „Ja, alles.“ Am Montag, als Gerda ein paar Minuten allein war, fand sie dieses Portal und schlüpfte rasch hindurch - zum Erstaunen aller.

Karin wollte Pflegeurlaub nehmen und fragte das Personal im Hospiz, wann sie das tun solle. Diese meinten, das habe keine Eile, denn Leute, die sterben möchten, hätten sie oft. Doch so schnell gehe das nicht.

Karin freute sich riesig über meinen Text (s.o. 31.7.) und fragte: „Dürfen wir ihn vorlesen?“ „Den bringe ich noch Pfr. Schwab. Wenn der ihn nicht vorliest, dann lese ich ihn selber vor. Da reiß ich mich zusammen, dann geht das schon.“

Pfr. Josef Schwab war gerne bereit, meinen Text in seine Predigt einzuarbeiten.


Unlösbares Problem?

Nach Ansicht von sehr vielen, kann das Problem des Priestermangels nur gelöst werden, indem die Weihe von verheirateten Männern und Frauen erlaubt wird. Doch wer kann und will in der jetzigen katholischen Kirche diese Änderung vollziehen? Ein einzelner Bischof kann es nicht, eine einzelne Bischofskonferenz genau so wenig und der Papst hat schon mehrmals gezeigt, dass er nicht allein entscheiden will. So schreckt alle die Angst einer Kirchenspaltung, es bleibt stets beim Alten und die Seelsorge leidet großen Schaden. us ihres EnkelsGibt es wirklich keinen Ausweg? Ich sehe einen kleinen Hoffnungsschimmer am Horizont. Im Jahre 2019 findet eine Amazonas-Synode statt. Diese könnte die Weihe von verheirateten Männern beschließen und der Papst könnte diesen Beschluss als zulässig auch für andere Regionen bestätigen. Die Lateinamerika-Kommission des Vatikans hat den Wunsch nach einer weltweiten Frauen-Synode geäußert. Diese könnte die Weichen für die Möglichkeit der Frauenweihe stellen. Die Hoffnung ist schwach, aber hoffentlich wird sie mit der Zeit stärker und wirkmächtig.

Helmut T. Rohner
(Erstmals veröffentlicht in der Juli-Nummer von Kirche In)


„Jugendliche beißen nicht.“

Papst Franziskus plädiert für einen unverkrampften Dialog zwischen den Generationen und er spricht das auf seine eigene Art halb scherzend aus. "Jugendliche beißen nicht, man kann sich ihnen nähern". So geschehen bei einer Marienandacht in den Abruzzen. Zugleich ermunterte Franziskus junge Menschen dazu, ihre Meinung zu sagen. Dabei sollten sie jedoch darauf achten, Brücken zu bauen statt Mauern. Die Andacht war Teil der Vorbereitung auf die Jugendsynode im Oktober in Rom. Per Video zugeschaltet waren Jugendliche in Panama City, im russischen Nowosibirsk, in Irland und Taiwan. Mit Blick auf die Jugendsynode warnte der Papst noch einmal davor, über Jugendliche zu reden, anstatt sie selber sprechen zu lassen. Über ihren Enthusiasmus hinaus besäßen junge Menschen den Schlüssel zur Zukunft. Und auch wenn sie sich aus Unwissenheit mitunter irrten, sollten sie sich "nicht den Mund verbieten lassen", so Franziskus, "weder von ihren Eltern noch von Priestern oder Lehrern". Die Kirche und die Welt bräuchten die Jugend, um sich selber verjüngen zu können. In dieser Andacht brach Papst Franziskus wieder einige Lanzen für die heutigen Jugendlichen, von denen viele Erwachsene wenig erwarten.

Helmut T. Rohner
(Glosse für die Juni-Nummer von Wir-sind-Kirche)


Hauseinweihe

Die (katholische) Oma weiht das neue Haus ihres Enkels

Hauseinweihe, Lustenau 19. März 2018 (.pdf Datei - 50 kB)

Gottes Geist ist grenzenlose Weite

Aus heutiger Sicht stellen wir sogar bei Jesus eine bestimmte Enge fest: Er betont als Jude, der er ist und bleibt, dass seine Sendung sich auf das Judenvolk beschränke. In ein paar Ausnahmefällen hilft er auch Nichtjuden, doch die Erfahrung lebendigen, echten Glaubens außerhalb des Judenvolkes führt ihn nie zu dem Entschluss: Von jetzt an breite ich meine Arbeit auch auf die „Heidenvölker“ aus. Doch der Geist zeigt am Pfingstfest, dass die Botschaft Jesu von allen Völkern in „ihrer eigenen Sprache“ verstanden werden kann, d. h. ihnen allen zugänglich ist. Beim Apostelkonzil und anderen Ereignissen bezeugt der Geist, dass Gott auch „Unbeschnittene“ voll akzeptiert. Bleibt also nur noch eine wichtige Abgrenzung: die der christlichen von den nichtchristlichen Religionen. Heute spüren jedoch viele gebildete und ungebildete Christen verschiedener Konfessionen, dass der Geist auch diese Mauer niederreißen will. Gott ist nicht nur in allen Völkern und Nationen, sondern auch in allen Religionen am Werk. Und Jesus hat nicht eine neue Religion oder Kirche, sondern, wie er es nannte, das „Reich Gottes“ verkündet. Wenn alle sich in den Dienst des „Reiches Gottes“ stellen, so können alle Religionen sich auf Augenhöhe treffen und voneinander lernen.

Helmut T. Rohner
(Blitzlicht für die Juni-Nummer von Kirche In)


Ein prima Zweigespann

Der aus Vorarlberg stammende Bischof Erwin Kräutler ist zwar offiziell in Pension, aber sein Bund mit dem brasilianischen Volk besteht weiter. Er und Papst Franziskus sind seelenverwandt. Als Kräutler dem Papst von den Nöten des Amazonasbeckens erzählte, lud ihn dieser ein, ihm bei seiner geplanten Umwelt-Enzyklika zu helfen, was Dom Erwin gerne tat. Beide sehen das Umweltproblem ganzheitlich, d. h. für sie steht die Ausbeutung der Erde und ihrer Ressourcen in einem innern Zusammenhang mit der Ausbeutung der Mitmenschen und der Eingeborenen-Stämme. Beide befürworten sie eine Synode der Bischöfe des ganzen Amazonasgebietes. Bei seinem Besuch in Peru hat Papst Franziskus diese Synode, die 2019 stattfinden soll, bereits eröffnet. In Bezug auf die Erneuerung der Pastoral gab Franziskus Dom Erwin den Auftrag an die andern Bischöfe, mutige Vorschläge zu machen. Wie an vielen andern Orten besteht auch im Amazonasbecken ein Notstand in Bezug auf die Feier der Eucharistie. Die jetzigen Regeln der katholischen Kirche hindern die dortigen Basisgemeinden daran, sich regelmäßig am Tisch des Abendmahles zu nähren. Die Amazonassynode könnte für die Priesterweihe von verheirateten Männern stimmen und der Papst könnte der Synode den Rücken stärken, meint Prof. Zulehner optimistisch. Eine solche Lösung wäre allerdings nur der Anfang der notwendigen Änderung in diesem Punkt, denn die meisten Basisgemeinden am Amazonas werden, das weiß Bischof Kräutler allzu gut, nicht von Männern, sondern von Frauen geleitet.

Helmut Rohner, Dornbirn
(Glosse für die März-Nummer 2018 von Wir-sind-Kirche)


Liebe Kirche!

Wenn du auf mich hören würdest, würde ich dir anraten, noch einmal gründlich über deinen Ursprung nachzudenken. „Ich wurde von Jesus Christus gegründet“, sagst du ganz großspurig. So ganz stimmt das nicht. Jesus war ein Jude und wollte die jüdische Religion erneuern. Dazu hat er eine Bewegung mit einem aktiven Kern auf die Füße gestellt. Da Jesus wie viele seiner Zeitgenossen mit dem baldigen Ende dieser Welt rechnete, hat er sich nicht oder kaum um die zukünftige Organisation seiner Bewegung gekümmert. Aus dieser Jesusbewegung bist du, Kirche, entstanden.
Deshalb rate ich dir:
  1. Richte dich bitte immer wieder neu nach dem aus, was du von Jesus weißt.

  2. Sei dir bewusst, dass du in Bezug auf deine Organisation sehr frei bist, weil Jesus dafür praktisch nichts festgelegt hat. Du kannst z.B. frei entscheiden, ob du ein Kirchenrecht brauchst, ob du einen Papst, Bischöfe und Priester haben möchtest oder wie viele Handlungen du als Sakramente bezeichnest.

  3. Jesus hat die Frauen den Männern nicht nachgeordnet, sondern sie als gleichwertig behandelt. Im Geiste Jesu darfst du also die Frauen nicht wegen ihres Geschlechts von irgendetwas ausschließen.

  4. Die allermeisten der Apostel und Jünger Jesu waren verheiratet. Wie kommst du zu der Behauptung, um Priester oder Bischof zu werden, müsse ein Mann unverheiratet sein und bleiben?


Helmut T. Rohner
(Erstmals veröffentlicht als Blitzlicht in der Märznummer 2018 von Kirche In)


Jugend und Kirche

Zum ersten Mal stehen die Jugendlichen im Oktober dieses Jahres im Mittelpunkt einer Weltbischofssynode in Rom. Der österreichische Jugendbischof Stephan Turnovsky legt Wert darauf, dass wir die „Gunst der Stunde“ in den Diözesen und Pfarreien durch verstärkte geistliche Begleitung der Jugendlichen, durch „Jüngerschaftsschulen“ und österreichweit durch eine dynamisierende Großveranstaltung nützen. In der kirchlichen Jugendarbeit sei es das „Um und Auf, Inhalt und Beziehung (Begleitung) in Zusammenhang zu bringen.“ Bei der „Jüngerschaft“ handle es sich um Erfahrungsräume, wo man erleben könne, was es heiße, zu beten und ein Leben aus dem Glauben zu führen. Es brauche eine neue Form der Glaubensunterweisung, bei der es „viele persönliche Zeugnisse“ gebe. Man müsse Jugendliche in ihrer Kompetenz, z. B. im Medienbereich, noch ernster nehmen. Für die kommende Synode wurden die Bischöfe und Experten, aber auch die Jugendlichen selbst befragt. Nach dem Jugendbischof bedarf es einer gemeinsamen Anstrengung aller, besonders aber der Väter, da sie den größten Einfluss auf die Jugendlichen haben.

Helmut T. Rohner
(Erstmals veröffentlicht als Blitzlicht in der Februar-Nummer 2018 von Kirche In)


Wirklich - nur das Sichtbare?

Ausschnitt aus dem Nachrichtenmagazin KircheIn 01/2018

Lieber Papst Benedikt, geh in Pension!

Ausschnitt aus dem Nachrichtenmagazin KircheIn 01/2018

Dynamik der Liebe

Papst Franziskus wünscht sich, dass im Weltkatechismus die Todesstrafe nicht wie bisher in extremen Fällen geduldet, sondern heute absolut verurteilt werde. Er erklärt dazu, es gebe eine „harmonische Entwicklung der Glaubenslehre“, die verlange, sich von Argumenten zu verabschieden, die heute „entschieden im Gegensatz zum neuen Verständnis der christlichen Wahrheit erscheinen“. Franziskus stellt bei seinen Vorgängern im Papstamt eine Lehrentwicklung, aber auch bei den Christen ein verändertes Bewusstsein in dieser Frage fest. Wenn die Kirche dieses neue Verständnis ignoriere, mache sie sich schuldig. Die Kirche müsse das Evangelium auf immer neue Weise verkündigen. Gottes Wort sei nämlich eine dynamische Wirklichkeit, die fortschreite und wachse. Schon der alte Römische Katechismus sage: „Die ganze Belehrung und Unterweisung muss auf die Liebe ausgerichtet sein.“

Helmut T. Rohner
(Erstmals veröffentlicht als Blitzlicht für die Dezember-Nummer von Kirche In)


Gute Politik

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein. Zumindest für Christen, die wissen, dass man Jesus Christus nach seinen eigenen Worten etwas Gutes tun kann, indem man es den „geringsten Brüdern (und Schwestern)“ tut. Doch auch für wahre Humanisten, denn auch für sie sind alle Menschen gleichwertig. Und doch war es in der Praxis nie selbstverständlich und wird es wohl auch in Zukunft nie sein. Heutzutage ist es selbst in der Theorie nicht mehr von allen anerkannt. Um kein Beispiel aus Österreich zu nehmen, erwähne ich Donald Tramp mit seinem „Das starke Amerika zuerst.“ Wovon ist die Rede? Ganz einfach: Von guter Politik. Gute Politik sagt der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios, bedeutet „Solidarität mit allen Menschen, die in Not sind.“ Jede Regierung müsse man daran messen, „wie sie mit den Schwächsten umgeht“, sagt der katholische Caritas-Präsident Landau. Und er fügt hinzu: Gerechtigkeit in der Gesellschaft nimmt „entscheidend Maß, wie mit den Menschen an den Rändern an der Gesellschaft umgegangen wird.“ Der evangelische Diakonie-Direktor Chalupka betont: „Wir brauchen eine Regierung für alle, die in Österreich leben“, ob sie nun einen österreichischen Pass haben oder nicht, „weil nur das die Qualität einer solidarischen Gesellschaft ausmacht.“ Gute Politik ist also die, die für alle, auch für die Ärmsten, Möglichkeiten eines guten Lebens schaffen will. Dazu braucht es nach den Erkenntnissen der lateinamerikanischen Kirche in der Praxis eine „Vorrangige Option für die Armen.“

Helmut Rohner
(Glosse, geplant für die November-Nummer 2017 von Wir–sind-Kirche)


Aktion der kirchlichen Reformgruppen Österreichs zum Ausklang des Reformationsjahres am 31.10.1917 (Vor 500 Jahren Tag des Thesen-Ansschlages von Martin Luther).


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Jahrhundertealte Spaltung

In der katholischen Kirche gibt es seit Jahrhunderten die Lehre, es gebe zweierlei Menschen in der Kirche: die Kleriker und die Laien. Wer das Weihepriestertum erhalten habe, heißt es, unterscheide sich wesentlich von den andern Gläubigen, die durch Taufe und Firmung das sogenannte allgemeine Priestertum erhalten haben. Die einen sind die Hirten, die andern die Schafe; die einen die Väter, die andern die Kinder; die einen können befehlen, die andern müssen gehorchen.
Jesus sagte, unter seinen Jüngern und Jüngerinnen gebe es nur einen Vater, nur einen Meister, nur einen Lehrer, alle andern seien Brüder (und Schwestern).
Papst Franziskus hat schon mehrmals durch Worte und Maßnahmen versucht, den Laien, Männern und Frauen, mehr Gewicht und Einfuß in der Kirche zu geben. Aber die geschilderte, dem Willen Jesu widersprechende Spaltung ist damit leider noch lange nicht aufgehoben.

Helmut Rohner
(Erstmals veröffentlicht als Blitzlicht in der Oktober-Nummer von Kirche In)


Mit Osteraugen angemerkt

Leben ist Liebe
und Liebe ist Leben.
Wer hasst,
der steht auf der Seite des Todes,
für die andern und für sich selbst.
Darum sagt Jesus: Liebet eure Feinde!
Nur so seid ihr Söhne und Töchter
des Gottes des Lebens und der Liebe.
Nur wer seinen Haß überwindet
ersteht zu neuem Leben.

Jerusalem bedeutet Stadt des Schalom, Stadt des Friedens. Auch dort muß der Friede und das Leben auferstehen. Für Israelis und Palästinenser ist es schier unmöglich, an das Leben im Frieden zu glauben. Doch die einzig mögliche Alternative ist der Tod aller oder der Krieg ohne Ende.
Selbst der IS ist nicht mit Waffen, Soldaten, Mauern und Polizei zu besiegen. Das wissen eigentlich alle. Was könnte Gott für Pläne damit haben, dass Christen und Muslime nicht mehr geographisch getrennt plötzlich zu Tausenden in denselben Ländern, Tür an Türe miteinander leben?
Vom Wohlstand verwöhnt, lau in ihrem Glauben, immer weniger solidarisch mit den Hungernden haben die Deutschen, die Schweden und die Österreicher ein Jahr lang gezeigt, wozu sie mit Offenheit, Liebe, Vertrauen und Zusammenstehen fähig sind.
Auferstehung, warum ließest du dich durch die Politik abwürgen?

Helmut Rohner
Glosse für die Oster-Nummer 2017 von Wir-sind-Kirche


Durchbruch in der Primatfrage

Wir Orthodoxe erwarten von Franziskus einen Durchbruch bei der Primatsfrage des Papstes. Diese Meinung vertritt der bekannte orthodoxe Theologe Larentzakis in Graz. Wie könnte eine für beide Seiten akzeptable Lösung dieser Streitfrage aussehen? Die Antwort lautet: Indem die katholische Kirche von der orthodoxen nur die Anerkennung der Primatslehre verlangt, wie sie im ersten Jahrtausend formuliert und gelebt wurde. Eine solche Antwort überreichte Papst Paul VI. 1967 in einem Kurzdokument (Breve) dem Ökumenischen Patriarchen Athenagoras. Und der Theologe Josef Ratzinger kam 1974 zu demselben Ergebnis. Ratzinger hat diese Meinung freilich nur als Professor, nicht als Präfekt der Glaubenskongregation oder als Benedikt XVI. vertreten. Aus dem bisherigen Verhalten von Franziskus, dem Bischof von Rom, schöpfen Larentzakis und andere Orthodoxe die Hoffnung, dieser könne einer solchen oder ähnlichen Lösung zustimmen.

Helmut T. Rohner
(Erstmals veröffentlicht als Blitzlicht in der September-Nummer von Kirche In)


Aktiver Papst – passive Bischöfe

Viele Bischöfe, unter ihnen auch die österreichischen, sind „Fans“ von Papst Franziskus und loben ihn bei jeder Gelegenheit, aber sie ahmen ihn nicht nach, sie tun es ihm nicht gleich. Deshalb ist von allen Seiten der Ruf nach aktiveren, mutigeren und dynamischeren Bischöfen zu hören. Worauf warten die Bischöfe noch? Darauf, dass ihnen der Papst genau vorkaut, was sie tun und was sie nicht tun dürfen. So sind sie es von der Vergangenheit her gewohnt. Und diese Gewohnheit aufzugeben, scheint ihnen offensichtlich riskant und gefährlich. Papst Franziskus hat aber schon mehrmals wiederholt, dass er diese Tradition nicht weiterführen will. Die Bischöfe sollen selber nachdenken und selber entscheiden, denn auch sie haben eine selbstständige Verantwortung in der konkreten Gestaltung der Kirche.
In einer Pressekonferenz hat sich nun auch die Pfarrer-Initiative laut und ausführlich dem Chor der Rufer nach aktiveren Bischöfen angeschlossen. Ihr Obmann, Helmut Schüller, sagt: „Wir wollen unsere Bischöfe aufwecken und ermutigen, die Bälle des Papstes aufzugreifen.“ Interessant, daß Schüller zu den Bällen, die der Papst den Bischöfen zuwirft, auch die Zulassung der Frauen zum Weiheamt sieht. Und er betont sehr richtig: „Und zwar nicht wegen des Priestermangels, sondern wegen der Gleichwertigkeit und der gemeinsamen Gottebenbildlichkeit von Mann und Frau.“ Gleichzeitig freut er sich, dass er ein ermutigendes Zeichen - wer hätte das in dieser Frage gedacht?! - aus der Orthodoxie anführen kann. In Afrika wurden nämlich vor kurzem sieben orthodoxe Frauen zu Diakoninnen geweiht.
(Erste Glosse für Wir sind Kirche 2017)

Helmut Rohner


Muslima gründet Moschee

Was ein Mann kann, das kann auch eine Frau, haben sich sicher schon viele Frauen gedacht, auch im Islam. Doch dass eine Frau eine Moschee gründen könnte, schien den meisten wohl unmöglich. In Berlin ist das im heurigen Sommer geschehen. Seyran Ates, eine türkisch-stämmige Rechtsanwältin gründete eine Moschee des liberalen Islam. Ist das nicht lebensgefährlich? Doch, die Polizei stellt Frau Ates rund um die Uhr Leibwächter zur Seite. Die Frau leitet nicht das Freitagsgebet, predigt dabei aber abwechselnd mit einem Mann.
Worum geht es Frau Seyram Ates?
Sie vertritt einen friedliebenden Islam und eine friedliebende Koran-Auslegung. Die Moschee in Berlin soll jenen Menschen eine spirituelle Heimat bieten, die keine Trennung zwischen den Geschlechtern oder den verschiedenen Strömungen des Islam oder zwischen den Muslimen und den vermeintlich Ungläubigen akzeptieren. Unter allen soll der Dialog möglich gemacht und gepflegt werden. Alle, die gegen Terror und Gewalt sind, sollen sich zusammentun und den Extremismus bekämpfen. Sie wollen sich nicht mehr vorschreiben lassen wie sie ihre Religion zu leben haben. Der Islam ist eine individualistische, demokratische und Basis-orientierte Religion und so soll er auch gelebt werden dürfen. Die Antwort nach der Ausrichtung der neuen Moschee ist sehr einfach: Wir sind Muslime, die bewusst im 21. Jahrhundert und somit anders als im 7. Jahrhundert leben. Die Verantwortung für unsere Religion zwingt uns, diese nicht den Extremisten zu überlassen.
(Zweite Glosse für Wir sind Kirche 2017)

Helmut Rohner


Wandel der Dogmenkongregation

Die Absetzung von Kardinal G.L Müller als Präfekt der Glaubenskongregation hätte ich nie für möglich gehalten. Doch nun ist sie eine Tatsache. Und alle sehen jetzt: Papst Franziskus kann trotz all seiner Barmherzigkeit und seinem Bemühen, alle mit auf den Weg zu nehmen, auch durchgreifen. Jesus lehrte nicht in Dogmen, sondern in Gleichnissen, nicht überstülpend, sondern hinführend, Menschen ermunternd, nicht verurteilend. Soll die Glaubenskongregation nun in ein der Botschaft Jesu und der Weltkirche besser dienendes Werkzeug umgestaltet werden? Papst Franziskus hat erste, entscheidende Schritte in diese Richtung gesetzt. Er hat drei Mitarbeiter des Kardinals fristlos entlassen. Er hat den hartherzigen, in der Tradition von Josef Ratzinger stehenden Dogmatiker G. L. Müller als Leiter durch einen „Mann der Mitte“ (hoffentlich ist er das, was er von sich selbst behauptet) ersetzt. Und er begrenzt die Amtszeit des Präfekten auf 5 Jahre.

Helmut T. Rohner
(Erstmals veröffentlicht als Blitzlicht in der August-Nummer von Kirche In.)


„Einheit in Verschiedenheit“

Einen passenderen‚Termin als den Pfingstsonntag hätte Papst Franziskus nicht aussuchen können für sein Plädoyer für die „Einheit in Verschiedenheit“ unter den Katholiken (innerkirchlich) und den Christen (ökumenisch). Es sei ja der Geist selbst, sagt er, der die Verschiedenheit und die Einheit schaffe. Vor mehreren zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz nannte es der Papst eine „Versuchung“, eine Einförmigkeit in der Kirche herstellen zu wollen. Dann gebe es keine Freiheit mehr. Gott lasse zu jeder Zeit neue und vielfältige Geistesgaben aufblühen. Die Kirche müsse ein „offenes und einladendes Haus“ sein. Zugleich warnte Franziskus vor der umgekehrten „Versuchung“, „Verschiedenheit ohne Einheit“ zu sehen und sich auf ausschließende Positionen zu versteifen. Diese Gefahr sieht er sowohl bei den unbeugsamen Bewahrern der Vergangenheit als auch bei den Avantgardisten der Zukunft. Christen sollen sich nicht als Rechte oder Linke, sondern als „Brüder und Schwestern in dem einen Heiligen Geist“ sehen. Auf Verurteilungen, Ausgrenzungen und einseitige Kritik sollten sie verzichten.

Helmut Rohner
(Erstmals veröffentlicht als Blitzlicht in der Juli-Nummer von Kirche In)


Arbeitslose, wir brauchen euch!

Die heutige Gesellschaft sagt zu vielen Menschen: „Wir können euch nicht brauchen. Ihr seid unnütz. Eine Last für die andern.“ Ein Projekt der Waldviertler Betriebsseelsorge wagt einen ganz neuartigen Zugang. Hier wird den jungen und alten, gebildeten und ungebildeten Langzeitarbeitslosen gesagt: „Unsere Gemeinde braucht das, was ihr könnt. Ihr dürft 18 Monate lang tun, was euren Fähigkeiten und Begabungen entspricht. Ihr bekommt weiterhin euer Arbeitslosengeld und eure Mindestsicherung. Bei euren eigenen Projekten z. B. in der Altenbetreuung, im Obstbau, als Musiker oder mit einem kleinen eigenen Geschäft bekommt ihr Begleitung und Wertschätzung und könnt so ein neues Selbstbewußtsein entwickeln. Manche werden einen Job oder eine Anstellung bekommen oder den Sprung in die Selbstständigkeit schaffen. Wichtig ist vor allem, dass ihr mit eurem Leben wieder etwas anfangen könnt. Unsere Gemeinde schaut auf eure Talente, nicht sosehr auf eure Defizite.“ Beim Projekt in Heidenreichstein können 40 Teilnehmer/innen ihr Glück versuchen. Herr Immervoll, der Initiator, ist kein Fantast, sondern ein erfolgreicher und erfahrener Sozialpionier.

Helmut T. Rohner
(Als Blitzlicht in der Juni-Nummer von Kirche In erstmals veröffentlicht.)


Reformation in Finnland

Wenige Österreicher wissen, wie in Finnland die Reformation abgelaufen ist. Seit dem 16. Jahrhundert ist Finnland das am stärksten evangelisch-lutherische Land der Welt. Woher diese Vorherrschaft der Lutheraner? In Finnland war die Reformation, genannt „Uskonpuhdistus“ (= Reinigung des Glaubens), kein Bruch, sondern ein ziemlich friedlicher Übergang. Die katholische Kirche vollzog damals eine Erneuerung des Glaubens, die einem kleinen Teil zu weit, einer anderen Minderheit nicht weit genug ging, aber von der Gesamtkirche akzeptiert, ja zum Großteil begrüßt wurde. In der Domkirche in der ehemaligen Hauptstadt Turku ist diese Tatsache im Bild festgehalten. In derselben Apsis sehen wir auf der einen Seite Bischof Heinrich aus Schweden, der den Finnen den katholischen Glauben brachte und auf der anderen Seite Mikael Agricola, den finnischen Reformator, der denselben Glauben erneuerte. Wäre die Reformation in Deutschland und Österreich ähnlich vor sich gegangen, so stünden wir heute vor einer total anderen Situation.

Helmut Th. Rohner
(Erstmals veröffentlicht als Kurzkolumne in der Mai-Nummer 2017 von Kirche In)


Priester und Priesterinnen

Jesus glaubte, dass das Ende dieser Welt bevorstehe (Naherwartung). Deswegen hat er keine Kirche gegründet. Aber ich glaube, dass man zurecht sagen kann, nachdem die Naherwartung nicht eingetroffen war, haben die Christen legitimerweise eine organisierte Glaubensgemeinschaft geschaffen. Sich auf Worte und Taten Jesu berufend, taten sie das im Geiste Jesu.
Eines jedoch ist nach den Evangelien klar: Jesus war kein Priester und hat auch keine Priester geweiht. Noch klarer müßte sein, dass Jesus keine Zweiklassengesellschaft (Laien und Klerus) wollte. Ihm war die Geschwisterlichkeit und die gleiche Würde aller Menschen vor Gott ein Hauptanliegen. Die Priesterweihe könnte man in dieser Sicht aufheben. Wenn dieses Amt in der katholischen Kirche einen dem Geiste Jesu entsprechenden Sinn haben soll, dann nur nach grundlegender Neudeutung. Dann muß es auch für Frauen geöffnet werden können. Also: Frauenpriesterinnen ja, aber nicht so, wie die jetzigen Männerpriester von der Kirche gesehen werden. Helmut Rohner, Dornbirn

In der April-Nummer 2017 von Kirche In als Kurzkolumne erstmals veröffentlicht.


Ausweitung der Befreiungstheologie

Ich erinnere mich gut daran, wie ich zum erstenmal diesen bärtigen und feschen brasilianischen Befreiungstheologen Leonardo Boff auf einer Nationalversammlung der „Pastoral der Marginalisierten Frauen“ traf. Er sagte mir: „Heute müsste ich eigentlich in Rom sein. Ich wurde wieder zitiert. Doch ich hab der Glaubensbehörde geschrieben: Ich kann leider zu dem Termin nicht, weil ich auf eine Versammlung der Prostituierten muß.“ Es tat ihm richtig wohl, dass er so antworten konnte und somit bezeugte, dass ihm in erster Linie nicht die lupenreine Lehre, sondern die an den Rand gedrängten Menschen am Herzen lagen. Heute haben wir einen Bischof von Rom, der ganz ähnlich denkt, schreibt und handelt. Leonardo kann jetzt sagen: „Franziskus ist einer von uns. Er hat die Befreiungstheologie zum Allgemeingut der Kirche gemacht. Und er hat sie ausgeweitet. Wer von den Armen spricht, muß heute auch von der Erde reden, weil auch sie ausgeplündert und geschändet wird.“ Boff ist stolz darauf, dass der jetzige Papst auch ihn zu Rate gezogen hat und den Öko-sozialen Ansatz seiner Theologie in der Enzyklika „Laudato si“ übernommen hat. Ein interessantes Detail: Der Papst bat, dass ihm Boff die Post nicht direkt schicke, sonst bekomme er sie vielleicht gar nicht. Er gab ihm einen verlässlicheren Weg für die persönliche Post an.
Helmut Teodoro Rohner

Unter dem Titel „Papstberater Boff“ in der Märznummer 2017 von Kirche In erstmals erschienen.


Heute vor 30 Jahren

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Eltern in Südafrika: Totgeborene kein "medizinischer Abfall"

Ärzte, die für Kinder unter 26 Wochen Totenschein ausstellen und sie Eltern übergeben, riskieren ihre Zulassung. Pretoria, 09.03.2017 (KAP/KNA).
In Südafrika fordert eine Gruppe von Eltern einen ethischeren Umgang mit totgeborenen Kindern. Die Eltern verlangten mit einer Demonstration vor dem Obersten Gerichtshof in Pretoria die Abschaffung eines Gesetzes, wonach fehlgeborene Föten vor der 26. Schwangerschaftswoche als "medizinischer Abfall" entsorgt werden müssen, wie die Zeitung "The Citizen" (Donnerstag) berichtet. Die Organisation "Voice of the Unborn Baby" (Stimme des ungeborenen Babys) reichte demnach einen entsprechenden Antrag beim Höchstgericht ein. "Die Angehörigen haben keine Chance, durch eine Beisetzung abzuschließen", wird eine Betroffene zitiert. Die Eltern müssten auch vor der 26. Woche die Wahl haben, die Kinder mit sich zu nehmen. Die Kapstädterin hatte ihre Zwillinge laut Bericht in der 23. Schwangerschaftswoche verloren. Die Föten seien als "Abfall" deklariert und verbrannt worden. Seitdem leide sie unter Depressionen. Örtlichen Medienberichten zufolge beschrieben südafrikanische Fachärzte die bisherige Regelung als "grob unmenschlich". Viele Ärzte seien dazu übergegangen, auch Kindern unter 26 Wochen einen Totenschein auszustellen, um sie den Eltern übergeben zu können. Damit riskierten sie jedoch ihre Zulassung.
Quelle: kathpress Tagesdienst vom 9.3.2017

Dank der Initiative von Daniela Bohle von unserer Basisgruppe Senfkorn gibt es in Vorarlberg schon einige Jahre einen eigenen Friedhof für Frühgeburten und zweimal im Jahr eine Totenfeier, bei der Katholiken und Muslime zusammen feiern. Daniela ist engagierte Krankenhausseelsorgerin. Das ist ein gutes Beispiel, wie wichtig es ist, Frauen in unsere Pastoral aktiv einzubinden. Die zölibatären männlichen Priester haben für manchen Fragen (ohne ihre Schuld) zu wenig Gespür.
Helmut Rohner


Drei Glossen für „Wir sind Kirche“

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Eigene Sommer-Auslese freudig angemerkt (.pdf Datei - 49 kB)

Persönlich erarbeitet und angemerkt (.pdf Datei - 49 kB)


Bin ich ein Rassist - ja oder nein? Frage und Antwort


FRAGE: Bin ich ein Rassist? (.pdf Datei - 48 kB)

Von N.N. zugesandter Text:

Bin ich ein Rassist?
Und diese Frage ist durchaus ernst gemeint!
Ich mag keine Chinesen die Hunden bei lebendigem Leibe das Fell abziehen und diese Hunde dann essen!
Ich mag keine weißen Amerikaner die schwarzen Menschen in den Rücken schießen und ich mag keine schwarzen Amerikaner die Weißen Menschen in den Rücken schießen!
Ich mag keine Menschen aus Afrika, aus den arabischen Ländern oder woher auch immer, die mit Drogen, Waffen und Menschen dealen!
Ich mag, keine schwarzen, Weißen, gelben, roten oder grünen Menschen, die, wenn sie besoffen sind, nicht mehr wissen was sie tun!
Ich mag keine Menschen denen ihre Religion über alles geht und die dafür sogar morden, vergewaltigen, quälen und brandschatzen!
Und ich mag Menschen nicht, die auf Kosten anderer Menschen ihre Schäfchen ins Trockene bringen wollen, auch da ist es mir egal welcher Couleur!
Ich mag aber Menschen die nett und höflich sind, Menschen die andere respektieren und keinen Unterschied zwischen Mann und Frau machen, Menschen mit denen man Spaß haben kann, denen egal ist ob ich hübsch oder hässlich, ob ich Katholik, ohne Glauben oder sogar Muslim bin!
Und ich mag Lügen, egal von wem auch immer, ums Verrecken nicht! Und ganz besonders nicht, von Politikern!!!
Noch einmal, bin ich Rassist?

ANTWORT: Bin ich ein Rassist? (.pdf Datei - 48 kB)


Bild zum Text von Heidegger

Je suis Jesus: Jesus-Selfies, die keine Selfies sind


Heidegger, Ich-bin-Worte-Jesu:
Bitte hier klicken >>
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Klaus Heidegger, zu den Sonntagsevangelien im Mai 2015


Unvergessliche Hauskirche in Vorarlberg

Eine Oma und Uroma (Jahrgang 1925) – sie weiß auswendig den Geburtstag aller ihrer zahlreichen Nachkommen - wusste, dass ein Teil ihrer Enkel und Urenkel an Ostern nicht in der Kirche waren. Deshalb feierte sie mit ihnen rund um ihren Stubentisch eine Hauskirche, von der alle Anwesenden begeistert waren. Freundlicherweise stellte sie mir den Ablauf für meine Website zur Verfügung.

Mai 2013   Pfr. Helmut Rohner

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Zeitungsausschnitt Kirchenblatt

Dynamisch nach vorne

Papst Franziskus sagt in bewegten Worten, der Heilige Geist gebe uns, der Kirche und dem Konzil eine dynamische Ausrichtung nach vorne, auch wenn viele von uns das als unangenehm empfinden. Der Heilige Geist ruft uns zu: Avanti! Vorwärts! Nicht stehen bleiben oder gar rückwärts gehen wollen!

Lästiger Heiliger Geist (.pdf Datei - 2 MB)


Katholische Hauskirche in Hessen / Deutschland

Einladung

Liebe Hauskirchen-Teilnehmer/innen,
wie bei unserm letzten Treffen vereinbart, lade ich Euch für Mittwoch, 8. Mai in mein Haus in Krofdorf, Kattenbachstr. 116, ein. Beginn 18 Uhr.
Ich werde Wein und Brot bereitstellen – sowie eine Suppe kochen. Bitte bringt nicht zu viel Essbares mit.
Als Reflexionstext werde ich Lukas 19, 12-27 (Das Gleichnis vom anvertrauten Geld) wählen und dabei die Frage stellen, ob man allen Worten von Jesus Glauben schenken sollte.
Ich bitte um kurzen Bescheid, wer vermutlich kommen wird.
Mit freundlichen Grüßen, Siegfried George

Begründung dieser Praxis (Grundlagenpapier) (.pdf Datei - 164 kB)


Zur Freiheit verpflichtet

Zur Freiheit verpflichtet (.pdf Datei - 76 kB)


Identität als Verbundenheit

Identität als Verbundenheit (.pdf Datei - 120 kB)


Hildegard Goss-Mayr, Jo Hanssens

Jean Goss
Mystiker und Zeuge der Gewaltfreiheit

Eine etwas ungewöhnliche Buchbesprechung - lesen Sie mehr >> (.pdf Datei - 72 kB)



Mit dem Schweizer Kapuziner Walbert Bühlmann war ich eng befreundet. Er hat, noch viel stärker als ich, einen Wandel von einer traditionellen zu einer modernen Theologie durchgemacht und sich dann sehr mutig für die neuen Erkenntnisse eingesetzt und sie in Vorträgen und Büchern verbreitet. Bei meinen Papieren fand ich nun einen Brief Bühlmanns an Kardinal Ratzinger über die Priesterweihe von Frauen in der katholischen Kirche. Bruder Walbert mit 80 Jahren schreibt mit seiner alten Schreibmaschine und bessert händisch die Fehler aus. Der Inhalt des Briefes ist, wie bei Br. Walbert immer, sehr höflich, aber auch klar.

Brief in gesamter Länge als .pdf Datei:
Priesterweihe für Frauen (.pdf Datei - 3,6 MB)


Reich Gottes und Kirche

Reich Gottes und Kirche (.pdf Datei - 112 kb)


Dornbirn, 4.4.2012

Sehr geehrter Herr Bischof Manfred Scheuer,

soeben habe ich das Interview zum Spagat der Einheit gelesen.
Sie sagen dort, die Frage des Amtes sei nicht partikularrechtlich geregelt.
Damit fragen sie nach der rechtlichen Regelung, nicht aber nach dem, was wir von Jesus aus den Evangelien wissen. Das müsste doch über den rechtlichen Regelungen stehen.
Schon lange suche ich jemand, der mir sagen kann, wo in den Evangelien eine Stelle sei, die uns von einer von Jesus vollzogenen Priesterweihe erzählt. Den Evangelien entsprechend hat Jesus keine Priester geweiht. Also hat die Kirche volle Freiheit das Amt so zu regeln wie es am besten den lokalen und zeitlichen Anforderungen entspricht.
Darf ich um eine kurze Antwort bitten?
Herzliche Grüße und gesegnete Ostern!

Helmut Rohner



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Eucharistie ohne Priester

Brief: Eucharistiefeier ohne priesterlichen Vorsitz (.pdf Datei - 76 kb)

Brief an Bischof Manfred Scheuer.pdf (.pdf Datei - 44 kb)

Hochgebet

Das zentrale Gebet einer Eucharistiefeier wird traditionell Hochgebet genannt. Im Absamer Gebetskreis lesen normalerweise alle zusammen den Einsetzungsbericht aus der Bibel. Die Gebete vor und nachher beten sie spontan, frei formuliert und reihum. Bei der Feier, die dann gefilmt wurde, haben die TeilnehmerInnen das unten aufgezeichnete Hochgebet vorher aufgeschrieben, um es dann gemeinsam lesen zu können. Als Hintergrund gilt den 6 Mitgliedern des Kreises immer das Jesuswort: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen.“(Mt 18,20)

Jesus, du hast uns aufgefordert, immer an dich zu denken, wenn wir miteinander essen und trinken.

Wenn wir das heute in dieser besonderen Form tun, dann bitten wir dich besonders:

Dein Geist komme jetzt auf uns und unsere Gaben. Lass uns diese Gaben zum Heil werden,
lass du uns, wenn wir nun das Brot essen und den Wein trinken, eins werden mit dir.
Wandle du Brot und Wein in die Gaben des Heiles,
die uns verwandeln und in innige Gemeinschaft mit dir bringen.

Du hast am Abend, als deine Passion begann,
das Brot genommen, deinem Vater im Himmel gedankt,
es geteilt und an deine Freunde und Feundinnen verteilt.
Dazu hast du gessagt: Nehmt und esst, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.

Dann hast du den Kelch mit Wein genommen, wieder deinem Vater gedankt und ihn dann verteilt mit den Worten:
Nehmt und trinkt. Das ist mein Blut,
für euch und für alle vergossen zur Vergebung der Sünden.
Das ist das Zeichen des Neuen Bundes.

Tut dies zu meinem Gedächtnis.

Ja, Jesus, diesen Auftrag nehmen wir ernst und wir danken dir dafür.

Wir nehmen das Brot und essen, wir nehmen den Wein und trinken.
Und wir wissen uns dabei eins mit dir.

Wir verkünden deinen Tod und preisen deine Auferstehung bis du wiederkommst in Herrlichkeit.


Katholische Priesterweihe für Frauen

Teil 1: Bischof Helmut Krätzl (.pdf Datei - 72 kb)

Teil 2: zur Frauenweihe (.pdf Datei - 40 kb)

Teil 3: Gehirnwäsche in Bezug auf Frauenweihe? (.pdf Datei - 88 kb)


Gesprächsprozesse, aber kein Reformdialog

Gesprächsprozesse, aber kein Reformdialog (.pdf Datei - 52 kb)