Helmut Theodor Rohner | PORTRÄT

Leserbriefe

In den Leserbriefen hat der Autor jahrelang Stellung bezogen zu Fragen, die in den Medien gestellt wurden. Mit der Zeit wählte er jedoch die Themen immer stärker selber aus.

Leserbriefe 2020

Darf nicht verstummen

Eine von vielen sehr geschätzte katholische Stimme, nämlich die der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe) darf auf keinen Fall verstummen. Warum meinen viele, dass diese Gefahr bestehe? Weil die Bischofskonferenz, nachdem die ksoe wegen Ausfall der Veranstaltungen in der Corona-Zeit in Geldschwierigkeiten geraten war, beschloss, die ksoe „inhaltlich und personell neu aufzustellen“. Die ksoe ist heute eine Laienorganisation. Die Schwierigkeiten sind finanzieller Natur. Das bestätigen auch die Bischöfe. Die logische Folgerung wäre doch, Geld zuzuschießen. Nein, es soll eine radikale Umstellung werden. Ganz schlimm scheint vielen, dass die Bischöfe auch von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verlangen, dass sie ihre Posten von vornherein zur Verfügung stellen. Jetzt haben eine Frau und zwei Männer, die an der ksoe- Forschungsstelle für Sozialethik arbeiten, einen Offenen Brief an die Bischöfe geschrieben, dem sich inzwischen 130 Wissenschafter und 39 Initiativen solidarisch angeschlossen haben. In dem Offenen Brief wird festgestellt, dass die ksoe in 60 Jahren sehr erfolgreich den Beweis erbracht hat, “dass sie die kirchliche Expertise in diesem Bereich zeitgemäß bündelt, vertieft und in einem ökumenisch offenen Dialog mit den staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen umsetzt“. „Diese wichtige, unabhängige und kritische Stimme“ darf nicht verloren gehen!

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 19. September 2020 (Einsendedatum)


Nachbar-Bistum Chur

In der Schweiz ist das Ringen um die Erneuerung unserer Kirche genau so zäh wie bei uns. Speziell das Bistum Chur kommt seit Jahren nicht zur Ruhe. Als das Kirchenvolk Bischof Haas nicht mehr ertragen konnte, schuf der Vatikan eigens für ihn das Erzbistum Liechtenstein. Sein Nachfolger in Chur wurde für 81/2 Jahre der französischsprachige Bischof Amadée Grab und dann für 12 Jahre Vitus Huonder, ein Gesinnungsgenosse von Haas. Seit über einem Jahr ist die Diözese provisorisch besetzt durch den Apostolischen Administrator Bürcher, der im Dezember 75 Jahre alt wird und folglich dem Papst seinen Rücktritt anbieten muss. Die Leitungskrise von Chur hat die Katholiken über die Grenzen des Bistums hinaus polarisiert. Außerdem sorgen zur Zeit in der Schweiz die jüngsten Richtlinien der Kleruskongregation im Vatikan über Pfarreireformen zu Kontroversen. Der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz , der Basler Bischof Gmür hatte den Mut, zu sagen, die Sichtweisen der am 20 Juli veröffentlichten Instruktion seien wirklichkeitsfremd sowie „theologisch defizitär und klerikalistisch verengt“. Ende August hatte Bischof Gmür im Vatikan eine Unterredung mit dem Papst, bei der es vermutlich um diese zwei Engpässe ging. Wir hoffen, dass er in beiden Fragen Positives erreicht hat.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 1. September 2020 (Einsendedatum)


Christliche Taufformel

Die Glaubenskongregation lehrt uns: Die genaue christliche Taufformel lautet: „Ich taufe dich im Namen des Vater und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Ein mit der Formel „Wir taufen dich im Namen….“ ist ungültig. Derjenige muss noch einmal getauft werden. Die Glaubenskongregation führt zwei Begründungen an: 1. Jesus Christus ist der eigentliche Taufspender. 2. Das Sakrament ist nur gültig, wenn das vom Herrn Empfangene wortgetreu weitergegeben wird. Diesen Begründungen kann ich beim besten Willen nicht folgen, weil mir die Experten Folgendes sagen:1. Nach dem Zeugnis des Neuen Testaments ist anzunehmen, dass zwar Jesu Jünger tauften, er selbst jedoch nicht und 2. scheint historisch festzustehen, dass die ersten Christen nicht im Namen der Dreifaltigkeit, sondern im Namen Jesu tauften.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die Kirchenzeitungen , 13. August 2020 (Einsendedatum)


Am Anfang die Vielfalt

Erst an der Wende des zweiten zum dritten Jahrhundert entstand der Beruf des hauptamtlichen Klerikers (Bischof, Priester)für die Leitung der christlichen Gemeinde. Bis dahin gab es eine breite Vielfalt von Leitungsmodellen, sagen uns die Experten und Expertinnen (Neutestamentler/innen und Kirchenhistoriker/innen) in der letzten Nummer der Zeitschrift „Welt und Umwelt der Bibel“ des Stuttgarter Katholischen Bibelwerks. So gab es Gemeinden, in denen die Versammlung aller Getauften Entscheidungen traf oder es eine Art Ältestenrat gab. Andere Gemeinden orientierten sich an der Struktur des antiken, römischen Großhaushaltes mit einem „pater familiae“ („Familienvater“) an der Spitze. Besonders interessant für uns heute –damals jedoch nichts Besonderes - ist, dass vielfach auch Frauen, nämlich Witwen wichtige Führungsrollen übernahmen. Sie alle leiteten die Gemeinden neben ihrer Berufsarbeit, wenn sie eine solche hatten. Wie anfangs erwähnt erst am Ende des 2. Jahrhunderts tauchten die ersten Kleriker auf, die die Gemeindeleitung hauptamtlich übernahmen und zu ihrem Beruf machten. Wir können also keineswegs sagen, die Vorschrift, dass jede Pfarrgemeinde letztlich durch einen Priester geleitet werden müsse, gehe auf Jesus selbst zurück. Es stehen uns deshalb auch heute verschiedene Varianten der Gemeindeleitung als Möglichkeiten zur Verfügung.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 11. August 2020 (Einsendedatum)


Verbote von ano dazumal

Pfarrgemeinderäte dürfen nur beratende Funktion haben. Niemand von den Nichtgeweihten darf in der Messe predigen. Eine kollegiale Leitung der Pfarrgemeinden durch Priester und Laien ist verboten. Viele von uns kennen solche und ähnliche Verbote aus Texten vor dem Konzil oder aus Verordnungen von römischen Dikasterien noch vor 40-50 Jahren. Kein Wunder, wenn eine Instruktion der Kleruskongregation, die diese Verbote erneut einzuschärfen versucht, in vielen Diözesen Europas auf Widerstand und Unverständnis stößt. Die Pfarrer-Initiative Österreichs meint dazu: „Wenn wir unsere Pfarrgemeinden mit diesem angemahnten monarchistichem Klerikalismus leiten, verlören wir gerade jene mitverantwortlichen Christinnen und Christen, die das Salz und das Licht einer den Menschen zugewandten Pfarrgemeinde sind.“ Da die Entwicklung der Lokalkirchen in den letzten Jahrzehnten nicht zurückgeschraubt werden kann, zwingt die neue Instruktion unsere Bischöfe sowie Priester und auch die Laien aus pastoraler Not zu einer Art Ungehorsam gegenüber Rom. Zur Überwindung des Priestermangels erfolgte an vielen Orten bereits eine Aufwertung der Taufberufenen inklusive der Frauen. Da ist ein Zurück unmöglich. Die Pfarrer-Initiative fügt noch eine wichtige Entdeckung hinzu: „Wir sehen auch, dass durch die Überhöhung des Priesteramtes Gott selbst, Jesus Christus und das Wirken des Heiligen Geistes aus der Mitte des kirchlichen Lebens gedrängt werden.“

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 3. August 2020 (Einsendedatum)


Klerikalismus von vorgestern

Es gibt einen Klerikalismus in der Lehre der katholischen Kirche, der besagt: Der Geweihte ist ein Mensch, der sich wesentlich von allen andern unterscheidet. Im schulden die Nichtgeweihten Gehorsam. Daran hat sich in letzter Zeit nichts geändert und wird sich auch noch lange nichts ändern. Daneben gibt es den Klerikalismus der kirchlichen Praxis. Da brachte der Priestermangel und die Bemühungen zu seiner Überwindung einen beträchtlichen Wandel. Gläubige, Männer und Frauen, Verheiratete und Nichtverheiratete wurden aufgewertet. In den Seelsorgeräumen und Pfarrverbänden erhielten sie leitende Funktionen. Sie wurden den Priestern an die Seite gestellt, nicht mehr untergestellt. Und da wird im Vatikan von der Kongregation des Klerus eine Instruktion herausgegeben, die Folgendes neu einzuschärfen versucht: Die Pfarrgemeinderäte haben nur beratendes Stimmrecht. Nichtgeweihte dürfen in der Messe nicht predigen. Ein „Team“ oder eine „Equipe“ von Priestern und Laien zur Leitung einer Pfarrgemeinde ist verboten. Laien sollen nicht „Pfarrverantwortliche“ oder „Moderatoren“, sondern „diakonale Mitarbeiter“ oder „pastorale Mitarbeiter“ oder „pastorale Assistenten“ genannt werden, damit die Unterschiede nicht verwischt werden und keine Verwirrung entsteht. Das soll für heutige Gläubige, die großen Wert auf Mitbestimmung und auf die gleiche Würde jeder Person legen, annehmbar sein? Danach sollen sich unsere Bischöfe und kirchlichen Gremien in Zukunft ausrichten? Das geht doch gar nicht mehr! Man kann die Entwicklung doch nicht einfach zurückdrehen!

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die Kirchenzeitungen, 30. Juli 2020 (Einsendedatum)


Zweierlei Dialog

Vor kurzem entdeckte ich, dass es zweierlei Dialog in unserer Kirche gibt. Die eine Art ist ergebnisorientiert, sie bemüht sich, eine Lösung im Geiste Jesu zu finden. Die andere Art strebt nicht nach einem Ergebnis, sie lässt alle Meinungen, auch entgegengesetzte, nebeneinander stehen. Alles hat, Platz in der einen Kirche. Den ergebnisorientierten Dialog lieben die Laien und die Menschen mit Hausverstand mehr. Die andere Art ist eher bei der Hierarchie zu finden. Dialog ist immer sympathisch. Doch der ergebnisorientierte Dialog bringt uns weiter, Jesu Haltung näher. Er fordert uns heraus. Die zweite Art lässt alles beim Alten. Sie ist die dialogförmige Waffe der ewigen Bremser. Ich möchte kurz zwei Beispiele anführen. 1. Einigen Bischöfen gefallen manche kantige und herausfordernde Positionen der Katholischen Sozialakademie nicht. Durch Corona geriet die ksoe in finanzielle Schwierigkeiten. Die Bischöfe nützen das nun, um sie total „umzugestalten.“ „Wissenschaftlicher“ und „dialogoffener“ soll sie werden. 2. Der Papst hat Schwierigkeiten mit der Weihe von Frauen. Was tut er? Er setzt Kommissionen ein, um zu erforschen, ob es in der frühen Kirche Diakoninnen gegeben habe. Diese Kommissionen kommen nie zu einem einstimmigen Ergebnis, was bedeutet: Nichts muss getan werden. Die Frauen kann man weiterhin warten lassen.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 14. Juli 2020 (Einsendedatum)


Gemeinsamer Tisch

Die frühere Ratspräsidentin der Evangelischen Kirche Deutschlands Margot Käßmann hofft, dass es bald gemeinsame Abendmalfeiern zwischen Evangelischen und Katholiken geben werde. „Ich weiß, dass manche sagen: Das tun wir ja längst. Aber ich möchte es ganz frei und offen tun können, weil ich finde, das ist die Einladung von Jesus an diesen gemeinsamen Tisch.“ Vor 30 Jahren habe sie einmal gesagt, dass dieser Schritt auf jeden Fall in ihrer Lebenszeit passiere. „Jetzt bin ich schon 62. Jetzt müssen sie sich langsam ein bisschen beeilen.“ „Ich denke aber nicht an eine Einheitskirche.“ Im Dialog der Kirchen gibt es zu Recht die Formel von der Versöhnten Verschiedenheit. In diesem Zusammenhang sagt Käßmann: „Nach katholischer Auffassung ist Jesus real in den Zeichen von Brot und Wein gegenwärtig.“ Viele Katholiken sagen das heute etwas anders: Wenn wir das Brot essen und den Wein trinken, verbindet uns Christus mit sich und mit allen andern ganz innig und wir sagen Ja zu dieser Verbindung. Diese Formulierung ist offener als der seit Jahrhunderten konfliktbesetzte Begriff von der Realpräsenz. Wieso wissen das so viele Katholiken und Evangelische nicht? Weil darüber nicht offen geredet wird. Man frägt immer nach der offiziellen Lehre, ganz selten nach dem Glaubenssinn der einfachen Gläubigen.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 11. Juli 2020 (Einsendedatum)


Notger Wolf wird 80

Einer der bekanntesten deutschen Ordensmänner, Notger Wolf, wurde am 21. Juni 1940, also vor 80 Jahren, in unserer Nachbarschaft, in Bad Grönenbach im Allgäu geboren. Mit 21 Jahren trat Wolf in die Benediktinerabtei Sankt Ottilien ein. Er studierte Philosophie, Theologie und Naturwissenschaften. 1968 wurde er zum Priester geweiht. 2000 wurde er zum Abtprimas der Benediktiner gewählt und blieb dies durch zweimalige Wiederwahl bis zum Jahre 2016. Als solcher war er Repräsentant von über 20.000 Mönchen und Nonnen. Um sie zu besuchen, legte er jährlich etwa 300.000 Flugkilometer zurück. Regelmäßig meldet er sich zu kirchenpolitischen und gesellschaftlichen Themen zu Wort. Seine Bücher über Spiritualität, Glauben und Lebensführung sind Bestseller.
Er liebt Klassik und Rockmusik und greift auch gerne selber zur E-Gitarre oder Querflöte. In seinem bisher letzten Buch behandelt er die zunehmende Vereinsamung vieler Menschen in der modernen Gesellschaft und in der Corona-Krise. Den „Synodalen Weg“ der deutschen Kirche findet er richtig. In der Schule des hl. Benedikt rät er, vor allem auch auf die Jüngeren zu hören, denn Gott gebe oft ihnen ein, was das Bessere sei.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, veröffentlicht von den VN am 17. 6. 2020


Auf Augenhöhe?

In der Schweiz gibt es keinen „Synodalen Weg“, dafür aber einen “Gemeinsamen Weg zu Erneuerung der Kirche“. Auf diesem Weg wollen die Bischöfe auch mit wichtigen Partnerorganisationen vertiefte Gespräche führen. Heuer im September ist zur Herbstversammlung der Bischofskonferenz der Schweizerische Katholische Frauenbund eingeladen. Die Präsidentin des Frauenbundes Simone Curau-Aepli betont, dass es noch nie da war, dass elf engagierte Frauen mit elf Mitgliedern der Bischofskonferenz einen ganzen Tag lang auf Augenhöhe über die Frauenfrage - also die Partizipation und die Ämterfrage – miteinander redeten. Man könnte sagen: ein historisches Ereignis. Unter geradezu idealen Bedingungen. Ich wünsche allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen einen fruchtbaren Dialog. Wenn ich allerdings an das denke, was den Bischöfen über ihre Weihe gelehrt wurde, so bilde ich mir ein: Die können mit Frauen, die nicht geweiht sind und nicht alle Theologie studiert haben, gar nicht auf Augenhöhe reden. Die Frauen gehören nicht zur kirchlichen Hierarchie und die Bischöfe stehen strukturell (unabhängig davon, wo oder wie sich jeder Bischof persönlich sieht) auf der zweithöchsten Stufe derselben. Das verunmöglicht doch jedes Gespräch auf gleicher Augenhöhe. Lassen sich beide Seiten von der guten Atmosphäre täuschen oder hoffen sie alle auf etwas in sich Widersprüchliches?

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 15. Juni 2020 (Einsendedatum)


Antwort auf diesen Leserbrief

Obiger Leserbrief „Auf Augenhöhe?“ stützt sich auf öffentliche Aussagen der Präsidentin des Katholischen Schweizerischen Frauenbundes Simone Curau-Aepli. Ihr schickte ich den Leserbrief und bat sie um eine kurze Stellungnahme. Sie ging darauf ein und sandte mir folgende Antwort:

Herzlichen Dank, Herr Rohner, für Ihre so offene und unverblümte Beurteilung der aktuellen Perspektiven in der katholischen Kirche. Ich nehme ihre Einladung gerne an, mich kurz zu ihren Aussagen zu äussern.

Zum einen lebe ich den Paradigmen-Wechsel bereits: Ich denke die Kirche nicht in Hierarchien, weil dieses Bild für mich nicht glaubwürdig ist. Daher ist ihre Erklärung zum patriarchalen Selbstverständnis der Bischöfe zwar wahr, aber ich ignoriere dieses Kastendenken und kommuniziere mit ihnen als Getaufte, die unterschiedliche Rollen und Aufgaben wahrnehmen.

Zum anderen glaube ich an die individuelle und an die kollektive Schöpfungskraft von uns Menschen. Ich glaube daher zu tiefst, dass wir selbst die Veränderung sind, die wir uns zu sehr wünschen. Indem ich sage, wir sprechen auf Augenhöhe, gebe ich die Botschaft zu mir selbst und zu meinen Kolleginnen im Frauenbund und ich sende diese auch in das Universum – also auch zu den Vertretern der Amtskirche, im konkreten zu den Schweizer Bischöfen. Und die Botschaft lautet: Wir begegnen uns auf Augenhöhe.

Soweit kurz und knackig – ich hoffe für Sie verständlich – bei aller Widersprüchlichkeit.

Herzliche Grüsse nach Vorarlberg
Simone Curau-Aepli


Von dieser Antwort war ich begeistert und mailte ihr Folgendes:

Liebe Frau Simone Curau-Aepli,

Ihre Antwort übertrifft alle meine Erwartungen. Es sind für mich neue Gedanken und dafür bin ich sehr dankbar. Ich wusste nicht, dass ich einen Paradigmenwechsel, den meine Kirche noch nicht vollzogen hat, als Mitglied bereits leben kann. Und ich bewundere die Überzeugung, dass ich die Veränderung, die ich mir sehr wünsche, selber bin. Ich bewundere auch Ihre Fähigkeit, mir das in wenigen Worten klar zu machen. Ich freue mich, dass Sie eine so große katholische Frauenorganisation leiten.

Mit recht herzlichen Grüßen und den besten Wünschen für sehr viel Erfolg, besonders beim Dialog mit den Bischöfen im September, begleite ich Ihr Bemühen.

Helmut Rohner


Tut sich wirklich etwas?

Die katholischen Reformbewegungen sind es seit Jahrzehnten gewohnt, dass sie von den Bischöfen ignoriert oder gerügt werden. Ein echter Dialog kommt von Seiten der Bischöfe einfach nicht zustande. Es gab eine Ausnahme: Nach dem „Kirchenvolksbegehren“ vor 25 Jahren initiierten die Bischöfe den sog. „Dialog für Österreich“. Doch als dieser sehr fortschrittliche Ergebnisse brachte, wurde er von einigen Bischöfen schnell wieder abgewürgt. Doch jetzt gibt es Anzeichen, dass einzelne Bischöfe ihre Haltung ändern wollen. Als der Innsbrucker Bischof Glettler den Pfingsthirtenbrief der Bischofskonferenz vorstellte, sagte er, die Bischöfe möchten nun einen “Dialog für Österreich“ anregen. Viele österreichische Katholiken verfolgen den „Synodalen Weg“ der Kirche in Deutschland sehr genau, da er sicher auch Konsequenzen bei uns haben wird. Es ist sehr erfreulich, dass der neue Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz ein gutes Zugpferd für Reformen ist. Das bewies er vor kurzem in einem Interview in Publik Forum in vieler Hinsicht. In diesem Gespräch sagte er u.a. auch, Reform-Initiativen wie „Maria 2.0“ (rebellische Frauen) und „Wir sind Kirche“ seien „Teil der Kirche“. Und er fügte hinzu: „Das sind unsere Leute!“ Das zeugt von einer ganz neuen Haltung. Doch die Reformer sind frustriert von vielen schönen Worten und glauben daher erst, wenn sie Taten sehen.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 5. Juni 2020 (Einsendedatum)


Gaben des Geistes

Nach den Worten unserer Bischöfe sollten wir nach Corona nicht in den alten Trott zurückkehren, sondern versuchen, zu einer „geistvoll erneuerten Normalität“ zu gelangen. Dazu brauchen wir alle nach ihrer Ansicht folgende Gaben des Pfingstgeistes:
  1. Den Geist der Dankbarkeit
  2. „Dankbare Menschen sind befreit von der Angst, zu kurz zu kommen.“.
  3. Den Geist der Verbundenheit.
    Wir sollen die in der Krise neu gewachsene Verbundenheit nicht aufgeben.
  4. Den Geist der Solidarität.
    Wir sollen alle Menschen sozial absichern.
  5. Den Geist der Wertschätzung.
    Ein wertschätzendes Miteinander, besonders in der Politik und in den sozialen Medien.
  6. Den Geist der Achtsamkeit und Entschlossenheit für die Bewahrung der Schöpfung.
  7. Den Geist der Lebensfreude.
    Entschleunigung, „damit wir nicht als Getriebene und Gehetzte zugrunde gehen.“
  8. Den Geist des Vertrauens und der Zuversicht.
    Er „gibt uns den langen Atem und die Ausdauer für den vor uns liegenden Weg.“
Zum Glück predigen die Bischöfe diesmal nicht nur den Andern, sondern auch sich selber, indem sie feststellen: „Wir arbeiten weiterhin an einer lern-und erneuerungsbereiten Kirche, die ebenso gefordert ist, sich geistvoll auf eine ‚erneuerte Normalität‘ einzustellen.“

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 27. Mai 2020 (Einsendedatum)


Aktive Mitfeier

Das II. Vatikankonzil empfahl und förderte schon vor 55 Jahren die aktive Mitfeier der Gläubigen bei der Eucharistie. Vieles geschah in diese Richtung. Doch vielen war es zu wenig, weil eine Kluft zwischen Priestern und Laien und besonders zwischen nur männlichen Priestern und gläubigen Frauen erhalten blieb. Scheinbar brauchte es die Corona-Krise, um in diesem Punkte wirklich voranzukommen. Die Pastoralassistentin von Feldkirch-Tisis Maria Ulrich-Neubauer berichtet im Kirchenblatt vom 21. 5.: „Wir freuen uns, dass es wieder Messen gibt. Beim Eingangsbereich ist ein Willkommensdienst eingerichtet. Die Eintretenden nehmen das Brot auf einem Teller mit in die Bank, wo sie zur Konsekration - wie Vikar Biondi am Altar - die Hände im Gebet um den Hl. Geist ausbreiten. Zur Kommunion nehmen alle gleichzeitig am Platz den Leib Christi zu sich.“ Wirklich eine sehr schöne Art der aktiven Mitfeier aller Anwesenden. Und alle Schwierigkeiten der überaus strengen Richtlinien für die Kommunion-Austeilung sind elegant überwunden.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 21. Mai 2020 (Einsendedatum)


Gerechter für Frauen

Die größten Frauenorganisationen sind die katholischen. Auf internationaler Ebene ist der Zusammenschluss der Ordensschwestern mit regelmäßigen Versammlungen der Generaloberinnen die weitaus mitgliederstärkste Frauenorganisation. Auf nationaler Ebene ist es die kfbö, die Katholische Frauenbewegung Österreichs. Sie wurde 1947 in Maria Plain in Salzburg gegründet und zählt heute rund 100.000 Mitglieder. Beide Organisationen sind – zumindest in ihren Leitungen - bewusst parteiisch für Frauen und kirchlich gesehen sehr progressiv. Wenn wir das bedenken, könnten wir erwarten, dass die Katholische Kirche auf dem Gebiet der Geschlechtergerechtigkeit oder der Frauenemanzipation eine Vorreiterrolle einnehme. Wir alle wissen, dass das Gegenteil der Fall ist. Doch das hängt nicht so sehr an den Frauen, sondern an der Jahrhunderte, nein, beinahe zwei Jahrtausende gewachsenen Männerherrschaft in unserer Kirche. An dieser Eisenbetonwand zerschellten bisher alle Versuche, Männer und Frauen in der Kirche einander gleichzustellen. Ein Haupthindernis ist laut Kirchengesetz die zölibatären Männern vorbehaltene Weihe, die vom Diakon bis zum Papst keine einzige Frau zulässt. Die kfbö hat soeben in Frau Angelika Ritter-Grepl eine neue Vorsitzende gewählt, die sich in und mit dieser Bewegung vorgenommen hat, auf der Basis christlicher Werte die Gesellschaft und die Kirche „für Frauen gerechter zu machen“. Wir wünschen ihr trotz vieler Widerstände guten Erfolg.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 1. Mai 2020 (Einsendedatum)


Nach Corona

Die Angehörigen der sognannten Volksbewegungen (Movimentos populares) sind für viele von uns Unbekannte. Nicht so für Papst Franziskus. In den vergangenen Jahren hat er sie öfters im Vatikan empfangen und einmal in Bolivien getroffen. An sie hat er heuer an Ostern einen dreiseitigen Brief gesandt, in dem er die Arbeitnehmer-Vertreter als Vorbilder lobte und sie zu weiterem Einsatz ermutigte. Was jedoch großes Aufsehen erregte, war, dass er in dem Schreiben explizit die Idee eines Grundeinkommens für arbeitende Arme in prekären oder informellen Situationen unterstützte. Weltweit gibt es nach Angaben der ILO jetzt schon etwa zwei Milliarden Menschen, die ohne jede Absicherung für Krankheit, Unfall, Arbeitslosigkeit oder Pension leben müssen. Für sie ist es schwer, schwierige Zeiten wie die jetzige zu überleben. Zahllose unter ihnen werden durch die Corona-Krise in verschiedenen Ländern ihren Job verlieren und keinen mehr bekommen. Deswegen bittet der Papst verschiedene Regierungen, über ein universelles Grundeinkommen ernsthaft nachzudenken. Der Madrider Weihbischof José Cobo und mehrere spanisch-sprachige US-Bischöfe begrüßen den Vorstoß des Papstes, weil sie an Millionen Menschen denken, die von einem Tag auf den andern ihre Arbeit verlieren und ihre Familien nicht mehr ernähren können.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 15. April 2020 (Einsendedatum)


„Bischof von Rom“

Von seiner Wahl an hat Papst Franziskus sich gerne selbst als „Bischof von Rom“ bezeichnet. Niemand dachte, dass er damit die andern Papsttitel geringachte. Doch jetzt erschien das neue Päpstliche Jahrbuch für 2020 mit folgender Neuerung: Unter dem Namen Francesco steht tatsächlich nur „Bischof von Rom“. Die andern Titel, die da sind „Stellvertreter Jesu Christi, Nachfolger des Fürsten der Apostel, Pontifex Maximus der universalen Kirche, Primas von Italien, Erzbischof und Metropolit der Provinz Rom, Souverän des Staates der Vatikanstadt“ stehen alle auf der nächsten Seite unter einem Strich mit der kursiv geschriebenen Überschrift „Historische Titel („Titoli storici“). Die Bezeichnung „Historische Titel“ lässt natürlich zwei Deutungen zu: 1. Sie sind dem Bischof von Rom in der Geschichte zugewachsen, gelten aber immer noch. 2. Sie sind historisch im Sinne von vergangen. Sie gelten jetzt nicht mehr. Das hätte natürlich gravierende dogmatische und rechtliche Konsequenzen. Wenn von Franziskus selbst verordnet, käme das einer Selbstentmachtung gleich. Der Papst wäre dann wie in den ersten drei Jahrhunderten der Bischof von Rom, der „Erste in der Liebe“, ohne jede juridische Kompetenz über Rom hinaus. Das Päpstliche Jahrbuch hat überhaupt keinen rechtlich oder lehramtlich verbindlichen Charakter. Doch was stimmt nun wirklich? Eine folgenschwere Frage.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 4. April 2020 (Einsendedatum)


Glücklich im Unglück

Immer noch klingt es unglaublich, dass eine Welt, in der alle nur noch rannten, plötzlich beinahe stille steht. Die Einschränkungen, die das mit sich brachte, sind für viele recht unangenehm. Und es ist nicht verwunderlich , dass manche wenigstens innerlich murren. Doch durch die Informationen unserer Politiker und der Medien wissen wir, warum wir das oder jenes tun müssen. Und wenn wir angesteckt werden, wissen wir, dass die Verantwortlichen eines gut organisierten Gesundheitssystems alles tun werden, um uns zu helfen. In Brasilien ist das zur Zeit nicht so. Das Gesundheitssystem weist in normalen Situationen für uns unverständliche Defizite auf. Und der Präsident Bolsonaro sagt dem Volk, Corona sei nur eine einfache Grippe und die wirtschaftlichen Folgen seien schlimmer als die vom Virus verursachten Schäden. Die Pressestelle der Regierung startete eine Kampagne „Brasilien darf nicht stillstehen.“ Bolsonaro ermunterte das Volk auf die Straßen zu gehen und seine Anhänger veranstalteten Autokross in verschiedenen Städten. In einem offenen Brief schrieben nun die katholische Bischofskonferenz, die Anwaltskammer, die Wissenschaftsakademie und Menschenrechtsgruppen: „Die Desinformationskampagne des Präsidenten ist eine schlimme Bedrohung der Gesundheit aller Brasilianer.“ und “Das Gebot der Stunde lautet, der Pandemie mit Klarheit, Verantwortlichkeit und Solidarität zu begegnen.“

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 2. April 2020 (Einsendedatum)


Zurück zum Ursprung!

Die Gedanken zum Funkensonntag von Pfarrer Trentinaglia finde ich ausgezeichnet und köstlich. Mit echtem Humor behandelt er ernste Probleme unserer Kirche in nah und fern. Da werden ganz simple Fragen gestellt, z. B.: Was ist mehr wert, die Eucharistie oder der Zölibat? Ist die Frau weniger wert als der Mann? Ist es laut Kirchenrecht nicht Aufgabe des Bischofs, (wenn nötig durch mutige Entscheidungen) dafür zu sorgen, dass die Gemeinden zu ihrer sonntäglichen Eucharistiefeier kommen? Zur Lösung all dieser Probleme stellt Pfr. Trentinaglia die Frage: Wer soll die eucharistische Zusammenkunft der Gemeinde leiten? Und er gibt die einfache Antwort: „Jemand aus der Gemeinde.“ Warum sehen wir das nicht alle so? Was steht bei vielen von uns dieser einfachen Antwort im Wege? Es ist eine viele Jahrhunderte alte Tradition, nach der nur ein männlicher und zölibatärer Priester die Eucharistie der Gemeinde leiten darf. Diese Tradition ist uns in Fleisch und Blut übergegangen und erscheint uns deshalb unumstößlich. Wir vergessen dabei eines – und das ist der springende Punkt - diese Tradition geht sehr weit zurück, aber nicht bis zum Ursprung. Ganz am Anfang war es anders. Warum soll es heute nicht wieder so ähnlich werden, wie es am Anfang war?

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 29. Februar 2020 (Einsendedatum)


Herbe Enttäuschung

Mit Spannung haben wir auf das päpstliche Schreiben zur Amazonas-Synode gewartet. Groß waren unsere Erwartungen. Und die waren berechtigt, denn die Bischöfe hatten mit einer 2/3-Mehrheit bei der Abstimmung in der Kirche Amazoniens eine kleine Lockerung des Pflichtzölibats empfohlen. Die Bischöfe waren also einmal entsprechend den dauernden Aufforderungen des Papstes mutig in ihrer Entscheidung. Es war zu erwarten, dass der Papst ihren Mut selbst mutig unterstütze. Doch das tat er nicht. Warum nicht? Weil er eine lautstarke und scharfe Reaktion der Konservativen fürchtete? Oder weil er in dieser Frage auch selber konservativ denkt? Wir wissen es nicht. Jedenfalls hat er uns, die wir versuchen, die Hand am Puls unserer Zeit zu haben, arg enttäuscht. Nach unserer Ansicht hätte der Papst so viel Sensibilität haben sollen, um wenigstens ein kleines Zeichen in diese Richtung zu geben. Das Fehlen eines solchen Zeichens entmutigt auch viele kirchlich engagierte Frauen, weil es aufzeigt, dass die offizielle Kirche nicht merkt, wie sehr sie der Entwicklung der Gesellschaft nachhinkt. Das wird sich rächen, indem die Kirche weiter an Bedeutung verliert. Und das wird voraussichtlich schnell gehen. Mir und vielen andern Frauen und Männern, denen die Kirche immer noch sehr viel bedeutet, tut das im Herzen weh.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 14. Februar 2020 (Einsendedatum)


Papst gegen Papst

Als der heute 92-jährige Papst Benedikt in Pension ging, versprach er öffentlich, sich nicht in das Tun seines Nachfolgers einzumischen. Doch er ging nicht ganz in Pension. Er blieb im Vatikan, trägt immer noch die päpstlichen Gewänder und ließ von Zeit zu Zeit etwas von sich hören. Doch nun hat er eindeutig gegen seine Versprechen in einer sehr heiklen Frage und in einem sehr entscheidenden Moment verstoßen.
Wir warten alle gespannt auf das verpflichtende nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus und die einen hoffen, die andern fürchten, dass darin das Zölibatsgesetz in Ausnahmesituationen gelockert wird und auch verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden dürfen. Die Entscheidung wird Papst Franziskus von einer Gruppe von Gegnern in und außerhalb des Vatikans sowieso schwer gemacht. Doch bevor dieser Stellung zu der Frage bezogen hat, fällt ihm Benedikt in den Rücken, indem er in einem Artikel behauptet, Ehe und Priestertum würden das ganze Leben eines Mannes in Anspruch nehmen, und könnten daher nicht gleichzeitig gelebt werden. Will er damit den amtierenden Papst in die Enge treiben oder gar zwingen, sich seiner Meinung anzuschließen? Jedenfalls ist zu wünschen, dass wenn in Zukunft ein Papst in Pension geht, er das zur Gänze tut.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 4. Februar 2020 (Einsendedatum)


Interessantes KirchenBlatt

Immer wieder staune ich, wie interessant unser Kirchenblatt gestaltet ist. Nicht nur ich, auch viele andere freuen sich darüber. Ich kann hier natürlich nicht alles aufzählen, was mir in der letzten Nummer interessant erschien. Ich wähle deshalb aus: Ingrid Penner macht uns Mut, auf die innerkirchlichen prophetischen Stimmen zur Erneuerung und Veränderung der Kirche zu hören und das Neue vertrauens- und hoffnungsvoll anzupacken. Irmi Heil von der Buchhandlung „Arche“ stellt uns ein Buch vor, in dem 80 engagierte katholische Frauen davon schreiben wie „Frauen Kirche machen“. Marina Moosbrugger von der Krankenhausseelsorge macht uns neugierig, wie die „Frohe Botschaft“ manchmal nicht nur in unserm Mund, sondern auch in unsern Händen liegen kann. Wegen des dem Wort Gottes gewidmeten Sonntags lesen wir viel von der Bibel. Die Leiterin des Bibelwerkes Österreich gibt uns sogar mit einem Augenzwinkern eine „Anleitung zur biblischen Inkompetenz“. Der Kommentar zu den Sonntagstexten stammt von einer griechisch-orthodoxen Religionslehrerin in Österreich. Neben vielem anderen wird berichtet, dass das mit Spannung erwartete Papstschreiben zur Amazonien-Synode bevor steht.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief fürs KirchenBlatt, 24. Jänner 2020 (Einsendedatum)


Geschwisterliche Kirche

Die Regensburger Theologin und Kirchenrechtlerin Sabine Demel hat sich kürzlich Gedanken gemacht, wie eine Kirche, die sich bemüht, geschwisterlich zu sein, ausschauen müsste. Was würde diese Ausrichtung für unsere katholische Kirche theologisch und kirchenrechtlich bedeuten? Alle maßgeblichen Ämter mit Verantwortung und Gestaltungsspielraum müssten Klerikern und Nicht-Klerikern gleichermaßen offen stehen. „Warum ist zum Beispiel bis heute in der Regel das Amt des Caritasdirektors oder des Generalsekretärs der Bischofskonferenz mit einem Kleriker besetzt?“ fragt Demel. Die rechtliche Perspektive verlange strukturelle Gleichheit im Zugang zu den Diensten und Ämtern. Es dürfe keine Einschränkungen wegen des Geschlechts, der sexuellen Orientierung oder des Lebensstandes geben. Das Machtgefälle zwischen Klerikern und Laienkatholiken müsse abgebaut werden. Weiter sprach sich die Theologin für eine gegenseitige Kontrolle der Machthaber aus. Wichtige Entscheidungen wie Personalfragen sollten nach ihrer Ansicht demokratisch in Form einer Wahl mit repräsentativer Beteiligung aller getroffen werden. Papst Franziskus wünscht sich von allen, aber ganz besonders von den Bischöfen, Mut zur Veränderung. Wir hoffen also, dass unsere Bischöfe in nicht allzu ferner Zukunft den Mut finden zu den oben erwähnten oder ähnlichen Veränderungen.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 22. Jänner 2020 (Einsendedatum)


Alle können irren

(Zum Leserbrief von Sylvia Albrecht und Bernhard Kaufmann)

Als Kind dachte ich wie ein Kind, als Erwachsener denke ich wie ein Erwachsener. Als Kind glaubte ich alles, was mir über Eucharistie und Priestertum gesagt wurde. Meine katholische Kirche hatte immer recht. Daran zu zweifeln, wurde bereits als Sünde deklariert. Als Erwachsener denke ich: Alle können in einer bestimmten Frage recht haben, aber auch alle können irren. Wie weiß ich in Glaubensfragen, wer recht hat und wer irrt? In Fragen, zu denen Jesus Stellung nahm, vertraue ich ihm. In andern Fragen, die es zur Zeit Jesu gar nicht oder in dieser Form nicht gab, frage ich: Welche Lösung entspricht am ehesten dem Geiste Jesu? Manchmal kann also ein einzelner Gläubiger oder eine Gläubige, manchmal eine Gruppe von Menschen und manchmal eine Kirche recht haben. Angewendet auf die Frage des Priestertums: Im Einsetzungsbericht der Eucharistie sehe ich kein einziges Wörtchen einer Priesterweihe. „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ sagte Jesus wohl zu der Gemeinschaft, die er vor sich hatte. Dieser Auftrag gilt für alle im Namen Jesu sich versammelden Gemeinden. - Ist die katholische Lehre vom Priestertum im Geiste Jesu? Mit vielen andern sage ich: Nein, denn sie schafft eine Ungleichheit unter den Gläubigen, die diesem Geiste widerspricht.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 4. Jänner 2020 (Einsendedatum)


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