Helmut Theodor Rohner | PORTRÄT

Leserbriefe

In den Leserbriefen hat der Autor jahrelang Stellung bezogen zu Fragen, die in den Medien gestellt wurden. Mit der Zeit wählte er jedoch die Themen immer stärker selber aus.

Leserbriefe 2020

Tut sich wirklich etwas?

Die katholischen Reformbewegungen sind es seit Jahrzehnten gewohnt, dass sie von den Bischöfen ignoriert oder gerügt werden. Ein echter Dialog kommt von Seiten der Bischöfe einfach nicht zustande. Es gab eine Ausnahme: Nach dem „Kirchenvolksbegehren“ vor 25 Jahren initiierten die Bischöfe den sog. „Dialog für Österreich“. Doch als dieser sehr fortschrittliche Ergebnisse brachte, wurde er von einigen Bischöfen schnell wieder abgewürgt. Doch jetzt gibt es Anzeichen, dass einzelne Bischöfe ihre Haltung ändern wollen. Als der Innsbrucker Bischof Glettler den Pfingsthirtenbrief der Bischofskonferenz vorstellte, sagte er, die Bischöfe möchten nun einen “Dialog für Österreich“ anregen. Viele österreichische Katholiken verfolgen den „Synodalen Weg“ der Kirche in Deutschland sehr genau, da er sicher auch Konsequenzen bei uns haben wird. Es ist sehr erfreulich, dass der neue Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz ein gutes Zugpferd für Reformen ist. Das bewies er vor kurzem in einem Interview in Publik Forum in vieler Hinsicht. In diesem Gespräch sagte er u.a. auch, Reform-Initiativen wie „Maria 2.0“ (rebellische Frauen) und „Wir sind Kirche“ seien „Teil der Kirche“. Und er fügte hinzu: „Das sind unsere Leute!“ Das zeugt von einer ganz neuen Haltung. Doch die Reformer sind frustriert von vielen schönen Worten und glauben daher erst, wenn sie Taten sehen.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 5. Juni 2020 (Einsendedatum)


Gaben des Geistes

Nach den Worten unserer Bischöfe sollten wir nach Corona nicht in den alten Trott zurückkehren, sondern versuchen, zu einer „geistvoll erneuerten Normalität“ zu gelangen. Dazu brauchen wir alle nach ihrer Ansicht folgende Gaben des Pfingstgeistes:
  1. Den Geist der Dankbarkeit
  2. „Dankbare Menschen sind befreit von der Angst, zu kurz zu kommen.“.
  3. Den Geist der Verbundenheit.
    Wir sollen die in der Krise neu gewachsene Verbundenheit nicht aufgeben.
  4. Den Geist der Solidarität.
    Wir sollen alle Menschen sozial absichern.
  5. Den Geist der Wertschätzung.
    Ein wertschätzendes Miteinander, besonders in der Politik und in den sozialen Medien.
  6. Den Geist der Achtsamkeit und Entschlossenheit für die Bewahrung der Schöpfung.
  7. Den Geist der Lebensfreude.
    Entschleunigung, „damit wir nicht als Getriebene und Gehetzte zugrunde gehen.“
  8. Den Geist des Vertrauens und der Zuversicht.
    Er „gibt uns den langen Atem und die Ausdauer für den vor uns liegenden Weg.“
Zum Glück predigen die Bischöfe diesmal nicht nur den Andern, sondern auch sich selber, indem sie feststellen: „Wir arbeiten weiterhin an einer lern-und erneuerungsbereiten Kirche, die ebenso gefordert ist, sich geistvoll auf eine ‚erneuerte Normalität‘ einzustellen.“

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 27. Mai 2020 (Einsendedatum)


Aktive Mitfeier

Das II. Vatikankonzil empfahl und förderte schon vor 55 Jahren die aktive Mitfeier der Gläubigen bei der Eucharistie. Vieles geschah in diese Richtung. Doch vielen war es zu wenig, weil eine Kluft zwischen Priestern und Laien und besonders zwischen nur männlichen Priestern und gläubigen Frauen erhalten blieb. Scheinbar brauchte es die Corona-Krise, um in diesem Punkte wirklich voranzukommen. Die Pastoralassistentin von Feldkirch-Tisis Maria Ulrich-Neubauer berichtet im Kirchenblatt vom 21. 5.: „Wir freuen uns, dass es wieder Messen gibt. Beim Eingangsbereich ist ein Willkommensdienst eingerichtet. Die Eintretenden nehmen das Brot auf einem Teller mit in die Bank, wo sie zur Konsekration - wie Vikar Biondi am Altar - die Hände im Gebet um den Hl. Geist ausbreiten. Zur Kommunion nehmen alle gleichzeitig am Platz den Leib Christi zu sich.“ Wirklich eine sehr schöne Art der aktiven Mitfeier aller Anwesenden. Und alle Schwierigkeiten der überaus strengen Richtlinien für die Kommunion-Austeilung sind elegant überwunden.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 21. Mai 2020 (Einsendedatum)


Gerechter für Frauen

Die größten Frauenorganisationen sind die katholischen. Auf internationaler Ebene ist der Zusammenschluss der Ordensschwestern mit regelmäßigen Versammlungen der Generaloberinnen die weitaus mitgliederstärkste Frauenorganisation. Auf nationaler Ebene ist es die kfbö, die Katholische Frauenbewegung Österreichs. Sie wurde 1947 in Maria Plain in Salzburg gegründet und zählt heute rund 100.000 Mitglieder. Beide Organisationen sind – zumindest in ihren Leitungen - bewusst parteiisch für Frauen und kirchlich gesehen sehr progressiv. Wenn wir das bedenken, könnten wir erwarten, dass die Katholische Kirche auf dem Gebiet der Geschlechtergerechtigkeit oder der Frauenemanzipation eine Vorreiterrolle einnehme. Wir alle wissen, dass das Gegenteil der Fall ist. Doch das hängt nicht so sehr an den Frauen, sondern an der Jahrhunderte, nein, beinahe zwei Jahrtausende gewachsenen Männerherrschaft in unserer Kirche. An dieser Eisenbetonwand zerschellten bisher alle Versuche, Männer und Frauen in der Kirche einander gleichzustellen. Ein Haupthindernis ist laut Kirchengesetz die zölibatären Männern vorbehaltene Weihe, die vom Diakon bis zum Papst keine einzige Frau zulässt. Die kfbö hat soeben in Frau Angelika Ritter-Grepl eine neue Vorsitzende gewählt, die sich in und mit dieser Bewegung vorgenommen hat, auf der Basis christlicher Werte die Gesellschaft und die Kirche „für Frauen gerechter zu machen“. Wir wünschen ihr trotz vieler Widerstände guten Erfolg.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 1. Mai 2020 (Einsendedatum)


Nach Corona

Die Angehörigen der sognannten Volksbewegungen (Movimentos populares) sind für viele von uns Unbekannte. Nicht so für Papst Franziskus. In den vergangenen Jahren hat er sie öfters im Vatikan empfangen und einmal in Bolivien getroffen. An sie hat er heuer an Ostern einen dreiseitigen Brief gesandt, in dem er die Arbeitnehmer-Vertreter als Vorbilder lobte und sie zu weiterem Einsatz ermutigte. Was jedoch großes Aufsehen erregte, war, dass er in dem Schreiben explizit die Idee eines Grundeinkommens für arbeitende Arme in prekären oder informellen Situationen unterstützte. Weltweit gibt es nach Angaben der ILO jetzt schon etwa zwei Milliarden Menschen, die ohne jede Absicherung für Krankheit, Unfall, Arbeitslosigkeit oder Pension leben müssen. Für sie ist es schwer, schwierige Zeiten wie die jetzige zu überleben. Zahllose unter ihnen werden durch die Corona-Krise in verschiedenen Ländern ihren Job verlieren und keinen mehr bekommen. Deswegen bittet der Papst verschiedene Regierungen, über ein universelles Grundeinkommen ernsthaft nachzudenken. Der Madrider Weihbischof José Cobo und mehrere spanisch-sprachige US-Bischöfe begrüßen den Vorstoß des Papstes, weil sie an Millionen Menschen denken, die von einem Tag auf den andern ihre Arbeit verlieren und ihre Familien nicht mehr ernähren können.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 15. April 2020 (Einsendedatum)


„Bischof von Rom“

Von seiner Wahl an hat Papst Franziskus sich gerne selbst als „Bischof von Rom“ bezeichnet. Niemand dachte, dass er damit die andern Papsttitel geringachte. Doch jetzt erschien das neue Päpstliche Jahrbuch für 2020 mit folgender Neuerung: Unter dem Namen Francesco steht tatsächlich nur „Bischof von Rom“. Die andern Titel, die da sind „Stellvertreter Jesu Christi, Nachfolger des Fürsten der Apostel, Pontifex Maximus der universalen Kirche, Primas von Italien, Erzbischof und Metropolit der Provinz Rom, Souverän des Staates der Vatikanstadt“ stehen alle auf der nächsten Seite unter einem Strich mit der kursiv geschriebenen Überschrift „Historische Titel („Titoli storici“). Die Bezeichnung „Historische Titel“ lässt natürlich zwei Deutungen zu: 1. Sie sind dem Bischof von Rom in der Geschichte zugewachsen, gelten aber immer noch. 2. Sie sind historisch im Sinne von vergangen. Sie gelten jetzt nicht mehr. Das hätte natürlich gravierende dogmatische und rechtliche Konsequenzen. Wenn von Franziskus selbst verordnet, käme das einer Selbstentmachtung gleich. Der Papst wäre dann wie in den ersten drei Jahrhunderten der Bischof von Rom, der „Erste in der Liebe“, ohne jede juridische Kompetenz über Rom hinaus. Das Päpstliche Jahrbuch hat überhaupt keinen rechtlich oder lehramtlich verbindlichen Charakter. Doch was stimmt nun wirklich? Eine folgenschwere Frage.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 4. April 2020 (Einsendedatum)


Glücklich im Unglück

Immer noch klingt es unglaublich, dass eine Welt, in der alle nur noch rannten, plötzlich beinahe stille steht. Die Einschränkungen, die das mit sich brachte, sind für viele recht unangenehm. Und es ist nicht verwunderlich , dass manche wenigstens innerlich murren. Doch durch die Informationen unserer Politiker und der Medien wissen wir, warum wir das oder jenes tun müssen. Und wenn wir angesteckt werden, wissen wir, dass die Verantwortlichen eines gut organisierten Gesundheitssystems alles tun werden, um uns zu helfen. In Brasilien ist das zur Zeit nicht so. Das Gesundheitssystem weist in normalen Situationen für uns unverständliche Defizite auf. Und der Präsident Bolsonaro sagt dem Volk, Corona sei nur eine einfache Grippe und die wirtschaftlichen Folgen seien schlimmer als die vom Virus verursachten Schäden. Die Pressestelle der Regierung startete eine Kampagne „Brasilien darf nicht stillstehen.“ Bolsonaro ermunterte das Volk auf die Straßen zu gehen und seine Anhänger veranstalteten Autokross in verschiedenen Städten. In einem offenen Brief schrieben nun die katholische Bischofskonferenz, die Anwaltskammer, die Wissenschaftsakademie und Menschenrechtsgruppen: „Die Desinformationskampagne des Präsidenten ist eine schlimme Bedrohung der Gesundheit aller Brasilianer.“ und “Das Gebot der Stunde lautet, der Pandemie mit Klarheit, Verantwortlichkeit und Solidarität zu begegnen.“

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 2. April 2020 (Einsendedatum)


Zurück zum Ursprung!

Die Gedanken zum Funkensonntag von Pfarrer Trentinaglia finde ich ausgezeichnet und köstlich. Mit echtem Humor behandelt er ernste Probleme unserer Kirche in nah und fern. Da werden ganz simple Fragen gestellt, z. B.: Was ist mehr wert, die Eucharistie oder der Zölibat? Ist die Frau weniger wert als der Mann? Ist es laut Kirchenrecht nicht Aufgabe des Bischofs, (wenn nötig durch mutige Entscheidungen) dafür zu sorgen, dass die Gemeinden zu ihrer sonntäglichen Eucharistiefeier kommen? Zur Lösung all dieser Probleme stellt Pfr. Trentinaglia die Frage: Wer soll die eucharistische Zusammenkunft der Gemeinde leiten? Und er gibt die einfache Antwort: „Jemand aus der Gemeinde.“ Warum sehen wir das nicht alle so? Was steht bei vielen von uns dieser einfachen Antwort im Wege? Es ist eine viele Jahrhunderte alte Tradition, nach der nur ein männlicher und zölibatärer Priester die Eucharistie der Gemeinde leiten darf. Diese Tradition ist uns in Fleisch und Blut übergegangen und erscheint uns deshalb unumstößlich. Wir vergessen dabei eines – und das ist der springende Punkt - diese Tradition geht sehr weit zurück, aber nicht bis zum Ursprung. Ganz am Anfang war es anders. Warum soll es heute nicht wieder so ähnlich werden, wie es am Anfang war?

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 29. Februar 2020 (Einsendedatum)


Herbe Enttäuschung

Mit Spannung haben wir auf das päpstliche Schreiben zur Amazonas-Synode gewartet. Groß waren unsere Erwartungen. Und die waren berechtigt, denn die Bischöfe hatten mit einer 2/3-Mehrheit bei der Abstimmung in der Kirche Amazoniens eine kleine Lockerung des Pflichtzölibats empfohlen. Die Bischöfe waren also einmal entsprechend den dauernden Aufforderungen des Papstes mutig in ihrer Entscheidung. Es war zu erwarten, dass der Papst ihren Mut selbst mutig unterstütze. Doch das tat er nicht. Warum nicht? Weil er eine lautstarke und scharfe Reaktion der Konservativen fürchtete? Oder weil er in dieser Frage auch selber konservativ denkt? Wir wissen es nicht. Jedenfalls hat er uns, die wir versuchen, die Hand am Puls unserer Zeit zu haben, arg enttäuscht. Nach unserer Ansicht hätte der Papst so viel Sensibilität haben sollen, um wenigstens ein kleines Zeichen in diese Richtung zu geben. Das Fehlen eines solchen Zeichens entmutigt auch viele kirchlich engagierte Frauen, weil es aufzeigt, dass die offizielle Kirche nicht merkt, wie sehr sie der Entwicklung der Gesellschaft nachhinkt. Das wird sich rächen, indem die Kirche weiter an Bedeutung verliert. Und das wird voraussichtlich schnell gehen. Mir und vielen andern Frauen und Männern, denen die Kirche immer noch sehr viel bedeutet, tut das im Herzen weh.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 14. Februar 2020 (Einsendedatum)


Papst gegen Papst

Als der heute 92-jährige Papst Benedikt in Pension ging, versprach er öffentlich, sich nicht in das Tun seines Nachfolgers einzumischen. Doch er ging nicht ganz in Pension. Er blieb im Vatikan, trägt immer noch die päpstlichen Gewänder und ließ von Zeit zu Zeit etwas von sich hören. Doch nun hat er eindeutig gegen seine Versprechen in einer sehr heiklen Frage und in einem sehr entscheidenden Moment verstoßen.
Wir warten alle gespannt auf das verpflichtende nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus und die einen hoffen, die andern fürchten, dass darin das Zölibatsgesetz in Ausnahmesituationen gelockert wird und auch verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden dürfen. Die Entscheidung wird Papst Franziskus von einer Gruppe von Gegnern in und außerhalb des Vatikans sowieso schwer gemacht. Doch bevor dieser Stellung zu der Frage bezogen hat, fällt ihm Benedikt in den Rücken, indem er in einem Artikel behauptet, Ehe und Priestertum würden das ganze Leben eines Mannes in Anspruch nehmen, und könnten daher nicht gleichzeitig gelebt werden. Will er damit den amtierenden Papst in die Enge treiben oder gar zwingen, sich seiner Meinung anzuschließen? Jedenfalls ist zu wünschen, dass wenn in Zukunft ein Papst in Pension geht, er das zur Gänze tut.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 4. Februar 2020 (Einsendedatum)


Interessantes KirchenBlatt

Immer wieder staune ich, wie interessant unser Kirchenblatt gestaltet ist. Nicht nur ich, auch viele andere freuen sich darüber. Ich kann hier natürlich nicht alles aufzählen, was mir in der letzten Nummer interessant erschien. Ich wähle deshalb aus: Ingrid Penner macht uns Mut, auf die innerkirchlichen prophetischen Stimmen zur Erneuerung und Veränderung der Kirche zu hören und das Neue vertrauens- und hoffnungsvoll anzupacken. Irmi Heil von der Buchhandlung „Arche“ stellt uns ein Buch vor, in dem 80 engagierte katholische Frauen davon schreiben wie „Frauen Kirche machen“. Marina Moosbrugger von der Krankenhausseelsorge macht uns neugierig, wie die „Frohe Botschaft“ manchmal nicht nur in unserm Mund, sondern auch in unsern Händen liegen kann. Wegen des dem Wort Gottes gewidmeten Sonntags lesen wir viel von der Bibel. Die Leiterin des Bibelwerkes Österreich gibt uns sogar mit einem Augenzwinkern eine „Anleitung zur biblischen Inkompetenz“. Der Kommentar zu den Sonntagstexten stammt von einer griechisch-orthodoxen Religionslehrerin in Österreich. Neben vielem anderen wird berichtet, dass das mit Spannung erwartete Papstschreiben zur Amazonien-Synode bevor steht.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief fürs KirchenBlatt, 24. Jänner 2020 (Einsendedatum)


Geschwisterliche Kirche

Die Regensburger Theologin und Kirchenrechtlerin Sabine Demel hat sich kürzlich Gedanken gemacht, wie eine Kirche, die sich bemüht, geschwisterlich zu sein, ausschauen müsste. Was würde diese Ausrichtung für unsere katholische Kirche theologisch und kirchenrechtlich bedeuten? Alle maßgeblichen Ämter mit Verantwortung und Gestaltungsspielraum müssten Klerikern und Nicht-Klerikern gleichermaßen offen stehen. „Warum ist zum Beispiel bis heute in der Regel das Amt des Caritasdirektors oder des Generalsekretärs der Bischofskonferenz mit einem Kleriker besetzt?“ fragt Demel. Die rechtliche Perspektive verlange strukturelle Gleichheit im Zugang zu den Diensten und Ämtern. Es dürfe keine Einschränkungen wegen des Geschlechts, der sexuellen Orientierung oder des Lebensstandes geben. Das Machtgefälle zwischen Klerikern und Laienkatholiken müsse abgebaut werden. Weiter sprach sich die Theologin für eine gegenseitige Kontrolle der Machthaber aus. Wichtige Entscheidungen wie Personalfragen sollten nach ihrer Ansicht demokratisch in Form einer Wahl mit repräsentativer Beteiligung aller getroffen werden. Papst Franziskus wünscht sich von allen, aber ganz besonders von den Bischöfen, Mut zur Veränderung. Wir hoffen also, dass unsere Bischöfe in nicht allzu ferner Zukunft den Mut finden zu den oben erwähnten oder ähnlichen Veränderungen.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 22. Jänner 2020 (Einsendedatum)


Alle können irren

(Zum Leserbrief von Sylvia Albrecht und Bernhard Kaufmann)

Als Kind dachte ich wie ein Kind, als Erwachsener denke ich wie ein Erwachsener. Als Kind glaubte ich alles, was mir über Eucharistie und Priestertum gesagt wurde. Meine katholische Kirche hatte immer recht. Daran zu zweifeln, wurde bereits als Sünde deklariert. Als Erwachsener denke ich: Alle können in einer bestimmten Frage recht haben, aber auch alle können irren. Wie weiß ich in Glaubensfragen, wer recht hat und wer irrt? In Fragen, zu denen Jesus Stellung nahm, vertraue ich ihm. In andern Fragen, die es zur Zeit Jesu gar nicht oder in dieser Form nicht gab, frage ich: Welche Lösung entspricht am ehesten dem Geiste Jesu? Manchmal kann also ein einzelner Gläubiger oder eine Gläubige, manchmal eine Gruppe von Menschen und manchmal eine Kirche recht haben. Angewendet auf die Frage des Priestertums: Im Einsetzungsbericht der Eucharistie sehe ich kein einziges Wörtchen einer Priesterweihe. „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ sagte Jesus wohl zu der Gemeinschaft, die er vor sich hatte. Dieser Auftrag gilt für alle im Namen Jesu sich versammelden Gemeinden. - Ist die katholische Lehre vom Priestertum im Geiste Jesu? Mit vielen andern sage ich: Nein, denn sie schafft eine Ungleichheit unter den Gläubigen, die diesem Geiste widerspricht.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 4. Jänner 2020 (Einsendedatum)


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