Helmut Theodor Rohner | PORTRÄT

Leserbriefe

In den Leserbriefen hat der Autor jahrelang Stellung bezogen zu Fragen, die in den Medien gestellt wurden. Mit der Zeit wählte er jedoch die Themen immer stärker selber aus.

Leserbriefe 2019


„Aufstehen“

In der Kar- und Osterwoche erklären uns viele Vertreter der christlichen Religion, wie sie das Osterfest inhaltlich deuten. Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler spricht von „Aufstehen“ mit und für die andern. „Aufstehen“ mit den andern meint z.B. den Einsatz mit der jungen Schwedin Greta Thunberg und mit vielen Jugendlichen weltweit gegen den drohenden Klimawandel. „Wir müssen vom vielen Reden zum Handeln kommen.“ „Es braucht einen Zusammenschluss aller Hirne, Herzen und Hände, um das Ruder noch herumzureißen“. „Aufstehen“ für die andern bedeutet, seine Stimme gegen Unrecht zu erheben. Bischof Glettler zählt eine Reihe von politischen Maßnahmen der letzten Zeit auf, z.B. die „beschämenden“ 1,50 Euro Stundenlohn für Asylbewerber, das „permanente Gerede von der Bedrohung durch Asylwerber und Fluchtreisende“, die mit Leistungskürzungen verbundene Reform der Mindestsicherung oder wenn „Armutsgefährdete nur als Last für Tüchtige dargestellt werden“. Glettler glaubt, dass Jesus, der Auferstandene, überall erfahrbar ist,“ gerade dort, wo es ganz und gar nicht österlich ausschaut.“ Er wünscht sich, dass sich gegen die heute beobachtbare „Unkultur des Anklagens und Verurteilens“ die zentrale Botschaft des bevorstehenden Osterfestes, nämlich Versöhnung durchsetzt.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 17. April 2019 (Einsendedatum)


Blick über den Zaun

Mit manchen mutigen gesellschaftspolitischen Stellungnahmen sprach der amtierende evangelische Bischof Österreichs Michael Bünker vielen Katholiken immer wieder aus dem Herzen. Ende August geht er in Pension. Als Nachfolger stehen inzwischen 3 Kandidaten fest: Langjähriger Diakonie-Direktor Michael Chalupka, Pfarrer Andreas Hochmeir (45 Jahre) und Superintendent Manfred Sauer. Voraussetzung für die Nominierung war eine akademische Ausbildung, die geistliche Ordination, die österreichische Staatsbürgerschaft, die Vollendung des 40. Lebensjahres und die Bereitschaft, sich der Bischofswahl zu stellen. Diese findet am 4. Mai durch die Synode A.B. in Wien statt und erfordert eine Zweidrittelmehrheit der Stimmen, wobei der Bischof für 12 Jahre gewählt wird und wiedergewählt werden kann.
Dazu ein paar persönliche Anmerkungen. Es geht nicht darum, die evangelische Struktur zu kopieren, aber aus ihr zu lernen. Im August geht Bünker und im Mai wird der Neue gewählt. Katholische Diözesen hingegen müssen oft ungebührlich lange nach der Pensionierung oder dem Tod eines Bischofs auf einen neuen warten. Auch in der katholischen Kirche wäre es gut, wenn die Bischöfe relativ jung gewählt werden könnten, eine beschränkte Amtszeit hätten und wiedergewählt werden könnten. Die Synode A.B., die die Wahl vornimmt, ist ein Gremium, das sich aus Gläubigen und Ordinierten zusammensetzt und die ganze Landeskirche/Ortskirche repräsentiert.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 1. April 2019 (Einsendedatum)


Verbindlich synodaler Weg

Die deutschen Bischöfe haben vor kurzem zusammen mit dem „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ beschlossen, die Frage der Macht, der Sexualmoral und des Zölibats und die damit verbundene Erneuerung de Kirche auf dem verbindlichen Weg einer Synode in Angriff zu nehmen. Das ist zu begrüßen und nach meiner Ansicht den österreichischen Bischöfen auch zu empfehlen. Deutschland und Österreich haben in der Vergangenheit mit Synoden die Erfahrung gemacht, dass sich dadurch neue Wege eröffneten. Kardinal Marx sagte, die jetzige Situation sei so dramatisch, dass die Zeit vorbei sein müsse, in der heiße Fragen nicht gestellt werden durften. Wichtig ist bei einer Synode unter anderem:
  • dass die Bischöfe das Kirchenvolk aktiv einbeziehen,
  • dass wirklich alle Fragen ganz offen behandelt werden können,
  • dass nichts von vornherein oder hierarchisch unterbunden wird,
  • dass es in der Diskussion keine roten Linien gibt, die von niemandem überschritten werden dürfen.
Kardinal Marx sagte, alle Bischöfe hätten mittlerweile bemerkt, „dass es so nicht weitergeht und dass die Gläubigen da nicht mehr mitmachen.“ Hoffen wir, dass das auch die österreichischen Bischöfe spüren und daraus den Mut schöpfen, die notwendenden Maßnahmen zu ergreifen, z. B. evtl. eine Synode auf die Beine zu stellen.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief an die Kirchenzeitungen, 12. März 2019 (Einsendedatum)


Frauenquote

In unsern Gesellschaften kennen wir die oft heißen Debatten um die Einführung oder Nicht-Einführung einer Quote für den Anteil der Frauen in Führungspositionen. Doch in der Katholischen Kirche? „Da sind wir noch meilenweit davon entfernt“, höre ich sofort viele klagen. Doch das stimmt nicht in allen Bereichen und nicht in allen Ländern. Im Bereich der Diözesanverwaltungen hat sich die Katholische Kirche Deutschlands in diesem Frühjahr bereits eine Frauenquote verordnet. 2013 gab es in Deutschland in neun Diözesen überhaupt noch keine Frau auf oberer Ebene der Diözesanverwaltung. Eine Studie zeigt auf, dass der Frauenanteil von 2013 bis heute auf der oberen Ebene von 13 auf rund 19 Prozent und auf der mittleren Ebene von 19 auf 23 Prozent gestiegen ist. Bischof Bode von Osnabrück, der den Vorsitz in der Unterkommission Frauen innehat, meint dazu: Dieser Zuwachs “ist nicht nichts, aber längst nicht zufriedenstellend“. Deshalb gibt es jetzt eine neue Zielvorgabe, eine Frauenquote für die nächsten vier Jahre. Bis 2023 soll der Frauenanteil in Leitungspositionen der Diözesen Deutschlands auf mindestens ein Drittel angehoben werden. Seit 2016 werden führungswillige Frauen von einer Mentorin oder einem Mentor begleitet und in zentralen Veranstaltungen fortgebildet. Bis 2020 sollen auf diese Weise etwa 100 weibliche Nachwuchskräfte ausgebildet werden.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 21. März 2019 (Einsendedatum)


Taten sind gefordert

Der Missbrauch-Skandal hat nun doch einige Bischöfe aus der Reserve gelockt, sodass sie es wagten, mutige Vorschläge z machen. Beispiele: Der Mainzer Bischof Kohlgraf sagt, dass er mittelfristig eine Abkehr vom Pflichtzölibat in Deutschland für denkbar halte. Der Ruhrbischof Overbeck meint, die Kirche solle Homosexualität nicht mehr mit Krankheit in Verbindung bringen. Der Osnabrücker Bischof Bode ist dafür, homosexuelle Paare zu segnen. Und schließlich wendet sich der Magdeburger Bischof Feige dagegen, die Priesterweihe von Frauen „rigoros abzulehnen und lediglich mit der Tradition zu argumentieren.“ Kardinal Schönborn forderte in seinem aufsehenerregenden Interview in Fernsehen andere dazu auf, Missbrauchsopfern zu glauben und ging mit dem guten Beispiel selber voran. Der Wiener Fundamentaltheologe Trettler war schon vor dem Anti-Missbrauchs-Gipfel davon überzeugt, dass dieser das Problem nicht lösen kann. „Es muss um eine wirklich grundlegende Umkehr gehen, die auch die Amtsfrage, die Gehorsamsfrage und die Zölibatsfrage mit einschließt.“ Eine so tiefgreifende Umkehr könnte nur ein neues allgemeines Konzil zustande bringen, meint Trettler. Evtl. mit einem solchen Konzil am Horizont müssen – nach meiner Ansicht - Papst und Bischöfe sofort Wege finden, die drei angeführten Grundfragen nicht in Worten, sondern in Taten in Angriff zu nehmen. Die Reformgruppen stehen schon seit langem zur aktiven Mithilfe bereit.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 1. März 2019 (Einsendedatum)


Kirche soll schweigen

Als der Vatikan erklärte, das „Hören auf die indigenen Völker und auf alle Gemeinschaften, die in Amazonien leben,“ werde im Zentrum der Amazonas-Synode im Herbst d.J. stehen, schrillten wohl sofort die Alarmglocken beim neuen Präsidenten Jair Bolsonaro und seinem Sicherheitschef Augusto Heleno. Nun wurde öffentlich, dass sie sich Sorgen machen, die Synode könnte sich zu sozialen und Umweltproblemen sowie zu ihrer Politik im allgemeinen kritisch äußern. Sie wollen daher alles unternehmen, um es zu verhindern. Augusto Heleno gibt sich zuversichtlich, dass das gelingen werde. „Es wird keine Probleme geben.“ Der Vatikan soll bearbeitet werden, die italienische Regierung soll behilflich sein, Gouverneure, Bürgermeister und auch Kirchenvertreter müssen „mobilisiert“ werden, um die politischen Aktivitäten der Kirche zu „neutralisieren“. Die brasilianische Regierung bestehe darauf, auch eigene Vertreter bereits für das Vorbereitungstreffen der Synode zu entsenden. Mit dieser Art von Kontrolle will die Regierung die Teilnehmer einschüchtern, weil die Intervention eines jeden vom Sicherheitsdienst wörtlich registriert werden kann. Zudem werde man, so die Regierung, im September (im Monat vor Beginn der Synode) ein eigenes Symposium veranstalten und eigene Projekte für den Amazonas präsentieren. Über die himmelschreienden Probleme der indigenen Völker und der Umwelt soll die Kirche schweigen, bzw. zum Schweigen gebracht werden.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 12. Februar 2019 (Einsendedatum)


Meilenstein

Der Besuch des Papstes in Abu Dhabi war ein Meilenstein im Dialog zwischen Christen und Muslimen. Franziskus und der Großimam der Kairoer Al Azhar-Moschee Ahmad al-Tayyeb, die sich bereits zum 5. Mal trafen, nannten sich gegenseitig „Bruder und guter Freund“. Ihre gemeinsame religiöse Erklärung hat in dieser arabischen Region eine enorme politische Bedeutung. Die wichtigste sunnitische Lehrautorität und der Papst plädierten mit außergewöhnlicher Klarheit für Religionsfreiheit, Frauenrechte und Nachhaltigkeit. Sie verurteilten jegliche Gewalt und Extremismus im Namen Gottes und ebenso den amoralischen Individualismus. Franziskus erklärte: Wahre Religionsfreiheit beschränkt sich „nicht nur auf die Ausübung der Religion, sondern sieht im andern wirklich einen Bruder und eine Schwester… derselben Menschheit, denen Gott Freiheit gewährt.“ Doch daneben sagte der Papst auch etwas, was sich unsere jetzige österreichische Bundesregierung dick hinter die Ohren schreiben sollte. „Eine Gerechtigkeit, die nur für Familienmitglieder, Landsleute und Gläubige desselben Glaubens gilt, ist eine hinkende Gerechtigkeit; sie ist (in Wahrheit) verschleierte Ungerechtigkeit.“
In Abu Dhabi gelobten die höchsten Autoritäten der Katholischen Kirche und des sunnitischen Islam sich für eine Pluralität im Glauben und für ein friedliches Miteinander der Kinder des einen Schöpfers einzusetzen. Das ist ein Meilenstein, viel mehr als man erwarten konnte.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 6. Februar 2019 (Einsendedatum)


Voneinander lernen

Im letzten KirchenBlatt war zu lesen: „Was den Weltjugendtag vor allem ausmacht, ist die Begegnung unterschiedlicher Kulturen, das Lernen voneinander und miteinander.“ Gerade in dieser Hinsicht gibt es beim Weltjugendtag diese Woche in Panama eine wichtige Neuigkeit. Die für die Pastoral der indigenen Völker zuständigen Bischöfe machen es heuer etwa 1000 jugendlichen Ureinwohnern aus aller Welt möglich, an dieser Internationalen Versammlung Jugendlicher mit Papst Franziskus teilzunehmen. Diese Jugendlichen werden ihren Altersgenossen aus unterschiedlichen Kulturgebieten veranschaulichen, dass auch von ihren in der Vergangenheit oft als „primitiv“ bezeichneten Kulturen für die Zukunft der Menschheit und der Erde Überlebenswichtiges gelernt werden kann. Dadurch werden „Völker am Rande“, die Papst Franziskus ein besonderes Anliegen sind, aufgewertet. Anschauungsmaterial bietet während des Weltjugendtages auch eine in einem Park nachgebaute Indigenen-Siedlung.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für das KirchenBlatt, 17. Jänner 2019 (Einsendedatum)


Indigene Jugendliche

Die Weltjugendtage der katholischen Kirche kann man verschieden beurteilen. Aber jedes Mal nehmen viele Tausende von Jugendlichen daran teil und sind - jedenfalls im Moment - zum großen Teil begeistert davon. In diesen Tagen in Panama ist ein bemerkenswerter Fortschritt der Weltjugendtage festzustellen. Zum ersten Mal sieht man dort auch etwa 1000 indigene junge Menschen aus aller Welt, die ihre eigene Lebensrealität darstellen werden. Das Großereignis, an dem auch Papst Franziskus teilnehmen wird, findet vom 22.-27. Jänner statt. Die jugendlichen Ureinwohner versammeln sich vom 17.-21. Jänner zu einem Vortreffen und schließen sich dann geschlossen den andern Teilnehmern an, um das Programm mit eigenen Initiativen zu bereichern. In einem Park wird ein nachgebautes Indigenendorf errichtet, in dem die jungen Ureinwohner ihren Altersgenossen aus aller Welt die nachhaltige Lebensweise der Indigenen und ihre oft mit schweren Problemen belastete Situation nahe bringen. So können die „zivilisierten“ Jugendlichen anschaulich sehen, dass sie von ihren „primitiven“ Geschwistern Dinge lernen können, die für die Zukunft der Menschheit und der Erde wichtig sind.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 15. Jänner 2019 (Einsendedatum)


Orthodoxer Diakon

Als ich unter dem „Wort zum Sonntag“ das Foto vom orthodoxen Mönchdiakon Bartholomäos sah, hüpfte mein Herz in der Brust. Sicher freuten sich auch viele andere darüber. Die orthodoxe Kirche und die östlichen Kirchenväter sind für viele von uns leider ein verschlossenes Buch. Und als ich daneben las, dass auch noch andere Kirchen in der Gebetswoche für die Einheit zu Worte kommen, freute ich mich noch einmal. Eine prima Idee. Sie alle haben uns etwas zu sagen. Es lohnt sich, die Vielfalt dieser Schätze zu heben. Schön, dass uns die Kirchenzeitungen dabei behilflich sind.

1959 im byzantinisch-slawischen Ritus geweihter Priester Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief für die Kirchenzeitungen, 6. Jänner 2019 (Einsendedatum)


Leonardo Boff

Er ist Brasilianer, Enkel von eingewanderten Italienern und einer der weltweit bekanntesten Befreiungstheologen. Ratzinger verurteilte ihn als Kardinal und als Papst. Ich traf Leonardo zum ersten Mal in Brasilien auf einer großen Versammlung der Prostituierten. Schmunzelnd erzählte er mir: „Eigentlich bin ich dieser Tage wieder nach Rom zu einem Verhör geladen, doch ich teilte ihnen mit, dass ich nicht kommen könne, weil ich zu dieser so wichtigen Prostituierten-Versammlung gehen müsse.“
Als ich schon aus Brasilien zurück war, hielt Leonardo Boff einen Vortrag in Frastanz. Er sollte erklären, was die Europäer von den Brasilianern lernen könnten. Doch er sprach zuerst von Hilfen der Europäer an die Brasilianer und erwähnte dabei auch mich, den „Pater Theodor“, der in der „Pastoral der Marginalisierten Frauen“ tätig gewesen sei. Humorvoll behauptete er in der überfüllten Frastanzer Kirche: „In Brasilien warten Tausende von Frauen auf die Rückkehr von Pater Theodor.“
Vor kurzem wurde Leonardo 80 Jahre alt und Papst Franziskus schrieb ihm einen kurzen Glückwunsch-Brief, in dem er ihn als „Bruder“ ansprach und ihm für seine Unterstützung dankte. Die brasilianischen Medien werteten dies als eine späte römische Anerkennung des verdienten und mit Recht weltberühmten Befreiungstheologen, der auch eindeutig mit Bischof Erwin Kräutler geistesverwandt ist.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 1. Jänner 2019 (Einsendedatum)


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