Helmut Theodor Rohner | PORTRÄT

Leserbriefe

In den Leserbriefen hat der Autor jahrelang Stellung bezogen zu Fragen, die in den Medien gestellt wurden. Mit der Zeit wählte er jedoch die Themen immer stärker selber aus.

Leserbriefe 2020

Zurück zum Ursprung!

Die Gedanken zum Funkensonntag von Pfarrer Trentinaglia finde ich ausgezeichnet und köstlich. Mit echtem Humor behandelt er ernste Probleme unserer Kirche in nah und fern. Da werden ganz simple Fragen gestellt, z. B.: Was ist mehr wert, die Eucharistie oder der Zölibat? Ist die Frau weniger wert als der Mann? Ist es laut Kirchenrecht nicht Aufgabe des Bischofs, (wenn nötig durch mutige Entscheidungen) dafür zu sorgen, dass die Gemeinden zu ihrer sonntäglichen Eucharistiefeier kommen? Zur Lösung all dieser Probleme stellt Pfr. Trentinaglia die Frage: Wer soll die eucharistische Zusammenkunft der Gemeinde leiten? Und er gibt die einfache Antwort: „Jemand aus der Gemeinde.“ Warum sehen wir das nicht alle so? Was steht bei vielen von uns dieser einfachen Antwort im Wege? Es ist eine viele Jahrhunderte alte Tradition, nach der nur ein männlicher und zölibatärer Priester die Eucharistie der Gemeinde leiten darf. Diese Tradition ist uns in Fleisch und Blut übergegangen und erscheint uns deshalb unumstößlich. Wir vergessen dabei eines – und das ist der springende Punkt - diese Tradition geht sehr weit zurück, aber nicht bis zum Ursprung. Ganz am Anfang war es anders. Warum soll es heute nicht wieder so ähnlich werden, wie es am Anfang war?

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 29. Februar 2020 (Einsendedatum)


Herbe Enttäuschung

Mit Spannung haben wir auf das päpstliche Schreiben zur Amazonas-Synode gewartet. Groß waren unsere Erwartungen. Und die waren berechtigt, denn die Bischöfe hatten mit einer 2/3-Mehrheit bei der Abstimmung in der Kirche Amazoniens eine kleine Lockerung des Pflichtzölibats empfohlen. Die Bischöfe waren also einmal entsprechend den dauernden Aufforderungen des Papstes mutig in ihrer Entscheidung. Es war zu erwarten, dass der Papst ihren Mut selbst mutig unterstütze. Doch das tat er nicht. Warum nicht? Weil er eine lautstarke und scharfe Reaktion der Konservativen fürchtete? Oder weil er in dieser Frage auch selber konservativ denkt? Wir wissen es nicht. Jedenfalls hat er uns, die wir versuchen, die Hand am Puls unserer Zeit zu haben, arg enttäuscht. Nach unserer Ansicht hätte der Papst so viel Sensibilität haben sollen, um wenigstens ein kleines Zeichen in diese Richtung zu geben. Das Fehlen eines solchen Zeichens entmutigt auch viele kirchlich engagierte Frauen, weil es aufzeigt, dass die offizielle Kirche nicht merkt, wie sehr sie der Entwicklung der Gesellschaft nachhinkt. Das wird sich rächen, indem die Kirche weiter an Bedeutung verliert. Und das wird voraussichtlich schnell gehen. Mir und vielen andern Frauen und Männern, denen die Kirche immer noch sehr viel bedeutet, tut das im Herzen weh.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 14. Februar 2020 (Einsendedatum)


Papst gegen Papst

Als der heute 92-jährige Papst Benedikt in Pension ging, versprach er öffentlich, sich nicht in das Tun seines Nachfolgers einzumischen. Doch er ging nicht ganz in Pension. Er blieb im Vatikan, trägt immer noch die päpstlichen Gewänder und ließ von Zeit zu Zeit etwas von sich hören. Doch nun hat er eindeutig gegen seine Versprechen in einer sehr heiklen Frage und in einem sehr entscheidenden Moment verstoßen.
Wir warten alle gespannt auf das verpflichtende nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus und die einen hoffen, die andern fürchten, dass darin das Zölibatsgesetz in Ausnahmesituationen gelockert wird und auch verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden dürfen. Die Entscheidung wird Papst Franziskus von einer Gruppe von Gegnern in und außerhalb des Vatikans sowieso schwer gemacht. Doch bevor dieser Stellung zu der Frage bezogen hat, fällt ihm Benedikt in den Rücken, indem er in einem Artikel behauptet, Ehe und Priestertum würden das ganze Leben eines Mannes in Anspruch nehmen, und könnten daher nicht gleichzeitig gelebt werden. Will er damit den amtierenden Papst in die Enge treiben oder gar zwingen, sich seiner Meinung anzuschließen? Jedenfalls ist zu wünschen, dass wenn in Zukunft ein Papst in Pension geht, er das zur Gänze tut.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 4. Februar 2020 (Einsendedatum)


Interessantes KirchenBlatt

Immer wieder staune ich, wie interessant unser Kirchenblatt gestaltet ist. Nicht nur ich, auch viele andere freuen sich darüber. Ich kann hier natürlich nicht alles aufzählen, was mir in der letzten Nummer interessant erschien. Ich wähle deshalb aus: Ingrid Penner macht uns Mut, auf die innerkirchlichen prophetischen Stimmen zur Erneuerung und Veränderung der Kirche zu hören und das Neue vertrauens- und hoffnungsvoll anzupacken. Irmi Heil von der Buchhandlung „Arche“ stellt uns ein Buch vor, in dem 80 engagierte katholische Frauen davon schreiben wie „Frauen Kirche machen“. Marina Moosbrugger von der Krankenhausseelsorge macht uns neugierig, wie die „Frohe Botschaft“ manchmal nicht nur in unserm Mund, sondern auch in unsern Händen liegen kann. Wegen des dem Wort Gottes gewidmeten Sonntags lesen wir viel von der Bibel. Die Leiterin des Bibelwerkes Österreich gibt uns sogar mit einem Augenzwinkern eine „Anleitung zur biblischen Inkompetenz“. Der Kommentar zu den Sonntagstexten stammt von einer griechisch-orthodoxen Religionslehrerin in Österreich. Neben vielem anderen wird berichtet, dass das mit Spannung erwartete Papstschreiben zur Amazonien-Synode bevor steht.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief fürs KirchenBlatt, 24. Jänner 2020 (Einsendedatum)


Geschwisterliche Kirche

Die Regensburger Theologin und Kirchenrechtlerin Sabine Demel hat sich kürzlich Gedanken gemacht, wie eine Kirche, die sich bemüht, geschwisterlich zu sein, ausschauen müsste. Was würde diese Ausrichtung für unsere katholische Kirche theologisch und kirchenrechtlich bedeuten? Alle maßgeblichen Ämter mit Verantwortung und Gestaltungsspielraum müssten Klerikern und Nicht-Klerikern gleichermaßen offen stehen. „Warum ist zum Beispiel bis heute in der Regel das Amt des Caritasdirektors oder des Generalsekretärs der Bischofskonferenz mit einem Kleriker besetzt?“ fragt Demel. Die rechtliche Perspektive verlange strukturelle Gleichheit im Zugang zu den Diensten und Ämtern. Es dürfe keine Einschränkungen wegen des Geschlechts, der sexuellen Orientierung oder des Lebensstandes geben. Das Machtgefälle zwischen Klerikern und Laienkatholiken müsse abgebaut werden. Weiter sprach sich die Theologin für eine gegenseitige Kontrolle der Machthaber aus. Wichtige Entscheidungen wie Personalfragen sollten nach ihrer Ansicht demokratisch in Form einer Wahl mit repräsentativer Beteiligung aller getroffen werden. Papst Franziskus wünscht sich von allen, aber ganz besonders von den Bischöfen, Mut zur Veränderung. Wir hoffen also, dass unsere Bischöfe in nicht allzu ferner Zukunft den Mut finden zu den oben erwähnten oder ähnlichen Veränderungen.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 22. Jänner 2020 (Einsendedatum)


Alle können irren

(Zum Leserbrief von Sylvia Albrecht und Bernhard Kaufmann)

Als Kind dachte ich wie ein Kind, als Erwachsener denke ich wie ein Erwachsener. Als Kind glaubte ich alles, was mir über Eucharistie und Priestertum gesagt wurde. Meine katholische Kirche hatte immer recht. Daran zu zweifeln, wurde bereits als Sünde deklariert. Als Erwachsener denke ich: Alle können in einer bestimmten Frage recht haben, aber auch alle können irren. Wie weiß ich in Glaubensfragen, wer recht hat und wer irrt? In Fragen, zu denen Jesus Stellung nahm, vertraue ich ihm. In andern Fragen, die es zur Zeit Jesu gar nicht oder in dieser Form nicht gab, frage ich: Welche Lösung entspricht am ehesten dem Geiste Jesu? Manchmal kann also ein einzelner Gläubiger oder eine Gläubige, manchmal eine Gruppe von Menschen und manchmal eine Kirche recht haben. Angewendet auf die Frage des Priestertums: Im Einsetzungsbericht der Eucharistie sehe ich kein einziges Wörtchen einer Priesterweihe. „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ sagte Jesus wohl zu der Gemeinschaft, die er vor sich hatte. Dieser Auftrag gilt für alle im Namen Jesu sich versammelden Gemeinden. - Ist die katholische Lehre vom Priestertum im Geiste Jesu? Mit vielen andern sage ich: Nein, denn sie schafft eine Ungleichheit unter den Gläubigen, die diesem Geiste widerspricht.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 4. Jänner 2020 (Einsendedatum)


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