Helmut Theodor Rohner | PORTRÄT

Leserbriefe

In den Leserbriefen hat der Autor jahrelang Stellung bezogen zu Fragen, die in den Medien gestellt wurden. Mit der Zeit wählte er jedoch die Themen immer stärker selber aus.

Leserbriefe 2019


Kirche soll schweigen

Als der Vatikan erklärte, das „Hören auf die indigenen Völker und auf alle Gemeinschaften, die in Amazonien leben,“ werde im Zentrum der Amazonas-Synode im Herbst d.J. stehen, schrillten wohl sofort die Alarmglocken beim neuen Präsidenten Jair Bolsonaro und seinem Sicherheitschef Augusto Heleno. Nun wurde öffentlich, dass sie sich Sorgen machen, die Synode könnte sich zu sozialen und Umweltproblemen sowie zu ihrer Politik im allgemeinen kritisch äußern. Sie wollen daher alles unternehmen, um es zu verhindern. Augusto Heleno gibt sich zuversichtlich, dass das gelingen werde. „Es wird keine Probleme geben.“ Der Vatikan soll bearbeitet werden, die italienische Regierung soll behilflich sein, Gouverneure, Bürgermeister und auch Kirchenvertreter müssen „mobilisiert“ werden, um die politischen Aktivitäten der Kirche zu „neutralisieren“. Die brasilianische Regierung bestehe darauf, auch eigene Vertreter bereits für das Vorbereitungstreffen der Synode zu entsenden. Mit dieser Art von Kontrolle will die Regierung die Teilnehmer einschüchtern, weil die Intervention eines jeden vom Sicherheitsdienst wörtlich registriert werden kann. Zudem werde man, so die Regierung, im September (im Monat vor Beginn der Synode) ein eigenes Symposium veranstalten und eigene Projekte für den Amazonas präsentieren. Über die himmelschreienden Probleme der indigenen Völker und der Umwelt soll die Kirche schweigen, bzw. zum Schweigen gebracht werden.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 12. Februar 2019 (Einsendedatum)


Meilenstein

Der Besuch des Papstes in Abu Dhabi war ein Meilenstein im Dialog zwischen Christen und Muslimen. Franziskus und der Großimam der Kairoer Al Azhar-Moschee Ahmad al-Tayyeb, die sich bereits zum 5. Mal trafen, nannten sich gegenseitig „Bruder und guter Freund“. Ihre gemeinsame religiöse Erklärung hat in dieser arabischen Region eine enorme politische Bedeutung. Die wichtigste sunnitische Lehrautorität und der Papst plädierten mit außergewöhnlicher Klarheit für Religionsfreiheit, Frauenrechte und Nachhaltigkeit. Sie verurteilten jegliche Gewalt und Extremismus im Namen Gottes und ebenso den amoralischen Individualismus. Franziskus erklärte: Wahre Religionsfreiheit beschränkt sich „nicht nur auf die Ausübung der Religion, sondern sieht im andern wirklich einen Bruder und eine Schwester… derselben Menschheit, denen Gott Freiheit gewährt.“ Doch daneben sagte der Papst auch etwas, was sich unsere jetzige österreichische Bundesregierung dick hinter die Ohren schreiben sollte. „Eine Gerechtigkeit, die nur für Familienmitglieder, Landsleute und Gläubige desselben Glaubens gilt, ist eine hinkende Gerechtigkeit; sie ist (in Wahrheit) verschleierte Ungerechtigkeit.“
In Abu Dhabi gelobten die höchsten Autoritäten der Katholischen Kirche und des sunnitischen Islam sich für eine Pluralität im Glauben und für ein friedliches Miteinander der Kinder des einen Schöpfers einzusetzen. Das ist ein Meilenstein, viel mehr als man erwarten konnte.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 6. Februar 2019 (Einsendedatum)


Voneinander lernen

Im letzten KirchenBlatt war zu lesen: „Was den Weltjugendtag vor allem ausmacht, ist die Begegnung unterschiedlicher Kulturen, das Lernen voneinander und miteinander.“ Gerade in dieser Hinsicht gibt es beim Weltjugendtag diese Woche in Panama eine wichtige Neuigkeit. Die für die Pastoral der indigenen Völker zuständigen Bischöfe machen es heuer etwa 1000 jugendlichen Ureinwohnern aus aller Welt möglich, an dieser Internationalen Versammlung Jugendlicher mit Papst Franziskus teilzunehmen. Diese Jugendlichen werden ihren Altersgenossen aus unterschiedlichen Kulturgebieten veranschaulichen, dass auch von ihren in der Vergangenheit oft als „primitiv“ bezeichneten Kulturen für die Zukunft der Menschheit und der Erde Überlebenswichtiges gelernt werden kann. Dadurch werden „Völker am Rande“, die Papst Franziskus ein besonderes Anliegen sind, aufgewertet. Anschauungsmaterial bietet während des Weltjugendtages auch eine in einem Park nachgebaute Indigenen-Siedlung.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für das KirchenBlatt, 17. Jänner 2019 (Einsendedatum)


Indigene Jugendliche

Die Weltjugendtage der katholischen Kirche kann man verschieden beurteilen. Aber jedes Mal nehmen viele Tausende von Jugendlichen daran teil und sind - jedenfalls im Moment - zum großen Teil begeistert davon. In diesen Tagen in Panama ist ein bemerkenswerter Fortschritt der Weltjugendtage festzustellen. Zum ersten Mal sieht man dort auch etwa 1000 indigene junge Menschen aus aller Welt, die ihre eigene Lebensrealität darstellen werden. Das Großereignis, an dem auch Papst Franziskus teilnehmen wird, findet vom 22.-27. Jänner statt. Die jugendlichen Ureinwohner versammeln sich vom 17.-21. Jänner zu einem Vortreffen und schließen sich dann geschlossen den andern Teilnehmern an, um das Programm mit eigenen Initiativen zu bereichern. In einem Park wird ein nachgebautes Indigenendorf errichtet, in dem die jungen Ureinwohner ihren Altersgenossen aus aller Welt die nachhaltige Lebensweise der Indigenen und ihre oft mit schweren Problemen belastete Situation nahe bringen. So können die „zivilisierten“ Jugendlichen anschaulich sehen, dass sie von ihren „primitiven“ Geschwistern Dinge lernen können, die für die Zukunft der Menschheit und der Erde wichtig sind.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 15. Jänner 2019 (Einsendedatum)


Orthodoxer Diakon

Als ich unter dem „Wort zum Sonntag“ das Foto vom orthodoxen Mönchdiakon Bartholomäos sah, hüpfte mein Herz in der Brust. Sicher freuten sich auch viele andere darüber. Die orthodoxe Kirche und die östlichen Kirchenväter sind für viele von uns leider ein verschlossenes Buch. Und als ich daneben las, dass auch noch andere Kirchen in der Gebetswoche für die Einheit zu Worte kommen, freute ich mich noch einmal. Eine prima Idee. Sie alle haben uns etwas zu sagen. Es lohnt sich, die Vielfalt dieser Schätze zu heben. Schön, dass uns die Kirchenzeitungen dabei behilflich sind.

1959 im byzantinisch-slawischen Ritus geweihter Priester Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief für die Kirchenzeitungen, 6. Jänner 2019 (Einsendedatum)


Leonardo Boff

Er ist Brasilianer, Enkel von eingewanderten Italienern und einer der weltweit bekanntesten Befreiungstheologen. Ratzinger verurteilte ihn als Kardinal und als Papst. Ich traf Leonardo zum ersten Mal in Brasilien auf einer großen Versammlung der Prostituierten. Schmunzelnd erzählte er mir: „Eigentlich bin ich dieser Tage wieder nach Rom zu einem Verhör geladen, doch ich teilte ihnen mit, dass ich nicht kommen könne, weil ich zu dieser so wichtigen Prostituierten-Versammlung gehen müsse.“
Als ich schon aus Brasilien zurück war, hielt Leonardo Boff einen Vortrag in Frastanz. Er sollte erklären, was die Europäer von den Brasilianern lernen könnten. Doch er sprach zuerst von Hilfen der Europäer an die Brasilianer und erwähnte dabei auch mich, den „Pater Theodor“, der in der „Pastoral der Marginalisierten Frauen“ tätig gewesen sei. Humorvoll behauptete er in der überfüllten Frastanzer Kirche: „In Brasilien warten Tausende von Frauen auf die Rückkehr von Pater Theodor.“
Vor kurzem wurde Leonardo 80 Jahre alt und Papst Franziskus schrieb ihm einen kurzen Glückwunsch-Brief, in dem er ihn als „Bruder“ ansprach und ihm für seine Unterstützung dankte. Die brasilianischen Medien werteten dies als eine späte römische Anerkennung des verdienten und mit Recht weltberühmten Befreiungstheologen, der auch eindeutig mit Bischof Erwin Kräutler geistesverwandt ist.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 1. Jänner 2019 (Einsendedatum)


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