Helmut Theodor Rohner | PORTRÄT

Aktuelles - Leserbriefe 2015

In Leserbriefen nimmt der Autor seit Jahren eifrig Stellung zu Fragen, die in den Medien gestellt werden. Eine Auswahl davon soll hier angeführt werden.

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2017

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2016

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2014

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2013

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2012

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2011

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2010

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2009

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2007 - 2008

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2003 - 2006


Leserbriefe 2015


Klares Leitbild

Anfang November beschloss die Österreichische Pfarrer-Initiative ein neu formuliertes Leitbild, das so kurz zusammengefasst werden kann: 1. Immer steht der Mensch im Mittelpunkt unserer Seelsorge. 2. Wir feiern die Eucharistie mit allen, die an Jesus Christus glauben. 3. Wir anerkennen das Recht der Frauen auf alle kirchlichen Ämter. 4. Pfarren haben ein Recht auf ein eigenständiges Gemeindeleben und dürfen nicht gegen den Willen der Betroffenen zusammengelegt werden. 5. Wir treten für ein neues Priesterbild ein, bei dem Leiterinnen und Leiter auch aus der Mitte der Gemeinde gewählt und zur Weihe vorgeschlagen werden. 6. Wir setzen uns für eine demokratische Form des Zusammenlebens in unserer Kirche ein. Synodale Struktur auf allen Ebenen.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 22. Dezember 2015 (Einsendedatum)


Eine Geste und ein Wort

Nicht autoritär und im Alleingang will Papst Franziskus die katholische Kirche erneuern. Deshalb erlässt er nicht Dekrete, sondern setzt symbolische Gesten und sagt ermutigende Worte. So auch wieder bei seinem Besuch der evangelischen Gemeinde in Rom am 15. November. Als Gastgeschenk brachte Franziskus einen Kommunionkelch mit. Wer verstehen will, der verstehe! Sein im Munde eines Papstes geradezu revolutionäres Wort: In Bezug auf die Teilnahme von Nichtkatholiken an der Eucharistie beziehungsweise von Katholiken am Abendmahl komme es nicht auf unterschiedliche Lehren von Amt und Abendmahl, sondern auf die allen gemeinsame Taufe an. „Wenn wir dieselbe Taufe haben, müssen wir gemeinsam gehen.“

Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief an verschiedene österr. Zeitungen, 7. Dezember 2015 (Einsendedatum)


Neubewertung Luthers

Papst Franziskus hat die evangelische Gemeinde in Rom besucht. Dabei hat er die katholische Kirche zu mehr Offenheit gegenüber den Protestanten aufgerufen. Grundlegend wäre, dass die katholische Kirche mutig eine aufmerksame und ehrliche Neubewertung der Absichten der Reformation und der Person Luthers unternimmt. Die Entstehung der evangelischen Gemeinschaft sollten die Katholiken vor dem Hintergrund einer Kirche sehen, die dauernd der Reform bedarf. Das sind wegweisende und Hoffnung weckende Gedanken zum Reformationsgedenken in 2 Jahren.

Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für das Wann&Wo, 18. November 2015 (Einsendedatum)


Bitte handelt menschlich!

Ich gebe ruhig zu, dass es nicht leicht ist, für die bettelnden Romas in Vorarlbergs Städten eine für alle brauchbare und akzeptable Lösung zu finden. Aber was ich in dem Artikel über Sonia, Ionut und Raisa vom 13.11. lesen musste, wundert mich gewaltig. Ehrlich gesagt, es empört mich. Da wird einer jungen Roma-Familie angedroht, ihr das Baby, ein zwei Wochen altes Frühchen, wegzunehmen oder die Familie auseinander zu reißen oder sie dorthin zurück zu schicken, wo sie für sich keine Überlebensmöglichkeit mehr fand. Falls die Familie nicht rasch eine Wohnung findet, wird der evangelischen Pfarrer-Familie nicht problemlos gestattet die Roma-Familie bei sich aufzunehmen. Da wird unmenschliches Handeln als humanitär verkauft. Das ist unserer Gesellschaft und unserer Politiker nicht würdig.

Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 13. November 2015 (Einsendedatum)


Interreligiöse Fortschritte

Zu „Goldpaar feierte interreligiös“




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Gott sei’s gedankt, es gibt beachtliche Fortschritte im Einander-näher-Kommen der verschiedenen Konfessionen und Religionen auch in Vorarlberg, oder kann man vielleicht sogar sagen: besonders in Vorarlberg. Ende 2009, also vor knapp 6 Jahren, feierte ich mein Goldenes Priesterjubiläum unter dem Titel „Miteinander – Füreinander“ in interreligiöser Form. Damals stieß ich bzw. wir (die Veranstalter) noch auf beträchtliche Widerstände bei der Hierarchie. Heute freuen sich viele von Hierarchie und Volk mit, wenn eine „Säule“ der örtlichen Kirche, nämlich das Ehepaar Hagleitner seine Goldene Hochzeit interreligiös feiert und das KirchenBlatt – wie ich annehme - gerne davon berichtet.

Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für das KirchenBlatt, 5. November 2015 (Einsendedatum)


Viel dazugelernt

Man kann sagen, die konkreten Ergebnisse der Synode seien mager. Aber für die Dabeigewesenen war es eine fruchtbare Lernschule. Viele Kardinäle, Bischöfe und BeobachterInnen haben ordentlich dazugelernt. Ich weise nur auf 3 Punkte hin:
1. Sie spürten in den Diskussionen die Notwendigkeit einer „heilsamen Dezentralisierung“, damit akzeptiert werden kann, „dass das, was einem Bischof eines Kontinents als normal erscheint, sich für den Bischof eines andern Kontinents beinahe wie ein Skandal herausstellen kann“. (Zitat aus der Abschlussrede des Papstes).
2. Viele haben sich auch das Dauerthema der päpstlichen Ansprachen, dass die Kirche stets eine humane und barmherzige Haltung gegenüber den Menschen und ihrer konkreten Lebenssituation zeigen müsse, zu Herzen genommen. Grundsatz: Nicht verurteilen, sondern helfen!
3. Kardinal Schönborn und die von ihm geleitete deutsche Sprachgruppe empfahlen mit einigem Erfolg eine Umkehr der bisherigen Sicht auf Ehe und Familie: Statt traurig und bemängelnd zu fragen, was fehlt in diesem Falle (z.B. bei Ehe ohne Trauschein oder bei nur standesamtlich geschlossener Ehe) noch vom Ideal, nach dem alle sich sehnen, freudig und anerkennend festzustellen, was vom Ideal schon verwirklicht ist.

Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für verschiedene Zeitungen, 28. Oktober 2015 (Einsendedatum)


Ein neues Bild (zu 50 Jahre Synode)

Papst Franziskus liebt originelle Ausdrücke, Gesten und Bilder. Er erklärte den Synodenteilnehmern, was eine synodale Kirche sei, wie sie Gott nach seiner Ansicht für das 3. Jahrtausend wolle. Durch Jahrhunderte sahen viele in der katholischen Kirche eine Pyramide der Macht vom einfachen Volk der Gläubigen bis zum Papst. Papst Franziskus greift dieses Bild auf, hat aber den Mut, es auf den Kopf zu stellen. Die synodale Kirche ist eine umgekehrte Pyramide, bei der die Basis über der Spitze liegt, sagt er wörtlich. Begründung: Die einzige Autorität, die es in der Kirche Jesu gibt, ist die dienende Autorität. „Vergessen wir das nie!“ mahnt der Papst, weil er weiß, wie oft das schon gesagt, aber nicht danach gehandelt wurde. Der Diener steht unter dem, dem er dient. Das heißt: In der Kirche stellt sich die Leitung dem Volk nicht herrschend, sondern dienend zu Verfügung, weil Jesus das so lehrte und wollte.

Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für das Kirchenblatt, 22. Oktober 2015 (Einsendedatum)


Synodale Kirche – umgekehrte Pyramide

Beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen de Bischofsynode hielt Papst Franziskus eine Rede von grundsätzlicher Bedeutung für unsere kirchliche Zukunft. Daraus geht hervor, dass der Papst glaubt, Gott wolle im 3. Jahrtausend eine synodale Kirche. Das griechische Wort synodal bedeutet gemeinsam unterwegs sein. Wir seien erst auf halbem Wege dazu und müssten diesen Weg weiter gehen. Der Papst verwendet für eine synodale Kirche das Bild einer „umgedrehten Pyramide“, bei der sich die Spitze „unterhalb der Basis“ befindet. Warum? Weil für die Jünger Jesu „gestern, heute und immer“, „die Autorität des Dienens“ die einzige Autorität sei. In der synodalen Kirche sollen alle mitreden, alle aufeinander hören und auch bereit sein, voneinander zu lernen. Selbst „der Papst steht nicht einsam über der Kirche, sondern in ihr, als Getaufter unter Getauften und im Kollegium der Bischöfe als Bischof unter Bischöfen“. Er leitet unter allen Kirchen diejenige, die den „Vorsitz in der Liebe“ (alte Bezeichnung des Vorranges der römischen Kirche im ersten Jahrtausend) hat. Eine „heilsame Dezentralisierung“ wünscht sich der Papst auf allen Ebenen: auf Ebene der Diözesen, der Regionen und der Weltkirche. Von unserm Bischof Benno und auch von Kardinal Schönborn hören wir, dass sie auf der Synode dieses Konzept des Papstes aktiv unterstützen.

Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 19. Oktober 2015 (Einsendedatum)


Papst wurde gehört

Nach der ersten Woche der Bischofssynode über die Familie ist es noch zu früh, Ergebnisse zu erwarten. Doch die Berichte zeigen bereits, dass viele Bischöfe drei schon vor der Synode ausgesandte Botschaften des Papstes verstanden und sich angeeignet haben: 1. Die Kirche soll näher an der Wirklichkeit der Familien stehen. 2. Sie soll eine allgemein verständliche Sprache verwenden. 3. Die helfende Hand soll vor dem moralischen Zeigefinger kommen. An allen Plenarsitzungen hat der Papst teilgenommen. Meist schweigend. Doch als konservative Kreise kritisierten, dass die Kommission zur Erstellung des Abschlussdokuments mehrheitlich von reformwilligen Teilnehmern besetzt sei und daher das Ergebnis schon vorherzusehen sei, wies der Papst in einer unerwarteten Wortmeldung alle Verschwörungstheorien zurück und erklärte, dass er selbst persönlich die entsprechende Kommission zusammengestellt habe.

Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 12. Oktober 2015 (Einsendedatum)


Lieber festgefahrener Pfarrer

Lieber Pfr. Eberhard! Es ist dein gutes Recht, zu erklären, was du glaubst und warum du so glaubst. Mir gebührt dasselbe Recht. Uns beiden geht es um die Treue zum Evangelium. Du sagst sehr richtig: Gottes Wort steht über der Kirche. Nun war aber Jesus ganz wichtig, dass seine Jünger und Jüngerinnen gleichwertig, d.h. Brüder und Schwestern auf Augenhöhe seien. Die Behauptung, es gebe zwischen Priestern und Laien einen wesentlichen Unterschied finden wir erst viele Jahrhunderte später in einem seiner Ausrichtung nach antiprotestantischen Konzil. Diese Jesu Worten widersprechende Lehre hielt sich in der katholischen Kirche bis in unsere Tage. Damit wird ein Grundanliegen Jesu missachtet. Den Worten Jesu wurde etwas hinzugefügt, was seinen Absichten klar widerspricht. In Bezug auf die Ehe wird es bei der Synode genau um die Frage gehen, wie sich Ideal und Wirklichkeit zueinander verhalten. Die Bibel stellt uns das Ideal vor Augen, nämlich, dass die Liebe zwischen Mann und Frau bis zum Tode lebendig bleiben solle. Das wünschen sich auch heute noch alle Ehepaare. Doch wenn die Wirklichkeit ganz anders ausschaut, muss sich die Kirche überlegen, wie sie darauf angemessen reagiert. Lebenslange Bestrafung ist wohl nicht das Richtige.

Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 2. Oktober 2015 (Einsendedatum)


Von der Synode zum Konzil

Der Beginn der Synode über Ehe und Familie im Vatikan steht unmittelbar bevor. Drei Bischöfe aus Österreich werden daran teilnehmen. Die Österreichische Laien-Initiative meint, der Synode sollte ein Konzil folgen, weil die Kirche eine bedeutend vielseitigere Reform brauche. Im veröffentlichten Dokument werden nicht weniger als 49 Punkte angeführt, wo erneuert werden soll. Einiges soll ausgeräumt werden. Unter den 6 aufgezählten Punkten, was abgeschafft werden solle, werden die Ehrentitel, die Kardinäle, die Titularbischöfe, aber auch Gelübde und Kindertaufe genannt. Erneuert werden sollen: die Katechismen, das Kirchenrecht, die Gottesdienste, die Gemeindeleitungen, die Ökumene, das Papstamt u.v.a.m. Eine ständige Weltkirchensynode, mit Vertretern und Vertreterinnen aus allen Segmenten des Kirchenvolkes soll geschaffen werden. Alle Ämter der Kirche sollen Frauen wie Männern offen stehen. Es soll künftig eine offene Einladung zur Eucharistie geben. Bei den Laien scheint der Reformdruck viel stärker gespürt zu werden als bei vielen Bischöfen und der Kurie. Doch Papst Franziskus liebt die „Festgefahrenen“ weder im Klerus noch bei den Kirchenbürger/innen.

Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief an verschiedene österreichische Tageszeitungen, 24. September 2015 (Einsendedatum)


Ungleichzeiten zwischen den Kontinentalkirchen

Wie es jetzt ausschaut, kann die katholische Herbstsynode zu keinem weltweiten Konsens über die Wiederverheirateten und die Homosexuellen kommen. Die diesbezüglichen Reformen stoßen auf Widerstand, besonders in Afrika und Asien. Muss in diesem Falle alles beim Alten bleiben, auch wenn dieses Beharren auf dem Bisherigen nach der Meinung vieler der Verkündigung des Evangeliums großen Schaden zufügt? Oder soll dann der Papst allein entscheiden? Von Papst Franziskus wissen wir, dass er Alleingänge vermeidet und dass er andererseits den Teilkirchen mehr Entscheidungsmöglichkeiten bieten will. Von daher sind Lösungen möglich, die die konkrete Lage der einzelnen Teilkirchen in ihrer gerade erreichten Entwicklungsstufe und ihrer kulturellen Prägung so ernst nehmen, dass sie nicht alle gleichzeitig dieselbe Lösung gutheißen müssen. Daraus ergibt sich eine Vielfalt in der Einheit innerhalb der katholischen Kirche. die uns auf der bewussten Ebene neu erscheinen mag, aber unbewusst in der Wirklichkeit bezüglich variierender Themen immer schon da war.

Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief an verschiedene österreichische Tageszeitungen, 22. August 2015 (Einsendedatum)


Ungleichzeiten zwischen den Kontinentalkirchen

Wenn eine Reform in der Kirche ansteht, gibt es Gruppen und auch Gegenden mit verschiedenen Meinungen: Die einen halten die angestrebte Reform für notwendig, die andern für unmöglich. Den einen geht die Neuerung zu weit, den andern zu wenig weit. Wenn ein einigermaßen klarer Konsens erreicht werden kann, ist eine gemeinsame Entscheidung möglich. Wenn dies nicht der Fall ist, muss dann alles beim Alten bleiben, auch wenn dieses Beharren auf dem Bisherigen, der Verkündigung des Evangeliums großen Schaden zufügt? Oder soll dann der Papst allein entscheiden? Von Papst Franziskus wissen wir, dass er Alleingänge vermeidet und dass er andererseits den Teilkirchen mehr Entscheidungsmöglichkeiten bieten will. Von daher sind Lösungen möglich, die die konkrete Lage der einzelnen Teilkirchen in ihrer gerade erreichten Entwicklungsstufe und ihrer kulturellen Prägung so ernst nehmen, dass sie nicht alle gleichzeitig dieselbe Lösung gutheißen müssen. Daraus ergibt sich eine Vielfalt in der Einheit innerhalb der katholischen Kirche. die uns auf der bewussten Ebene neu erscheinen mag, aber in der Wirklichkeit immer schon da war.

Helmut Rohner Pfr. i. R., Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für das Kirchenblatt, 21. August 2015 (Einsendedatum)


„Tag der Schöpfung“ am 1. September

Alle Kirchen stehen weltweit vor den selben Herausforderungen und wenn sie glaubwürdig und wirkungsvoll antworten wollen, dann am besten gemeinsam, stellt Papst Franziskus fest. Deshalb hat er die orthodoxe Initiative vom 1. September als „Tag der Schöpfung“ aufgegriffen und ab heuer auch in der katholischen Kirche weltweit eingeführt. Er möchte, dass auch die andern christlichen Kirchen und der Weltkirchenrat sich dieser Feier anschließen. Damit wird die Ökologie und die Ökumene und zugleich die Solidarität der Kirchen mit der ganzen Menschheit und allen Geschöpfen gefördert. Diese Weite ist inzwischen als Markenzeichen von Papst Franziskus bekannt.

Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 10. August 2015 (Einsendedatum)


Islam und Islamismus

Zum Leserbrief von Peter Mathei vom 24. Juli.

Peter Mathei und der von ihm zitierte muslimische Islamkritiker haben mit ihren Überlegungen recht: Von der Lehre her kann man den Islamismus nicht vom Islam trennen, „denn der Dschihad-Virus schöpft seine Sprengkraft aus der Lehre des Islam und des Propheten selbst.“
In der Glaubenspraxis jedoch will eine große Zahl, ja sogar die überwiegende Mehrheit der Muslime keinen gewaltsamen Krieg gegen die Nicht-Muslime führen. Wenn wir also alle Muslime als Islamisten ansehen, tun wir einem Großteil von ihnen Unrecht und verfälschen die Wirklichkeit. Es stimmt einfach nicht, das alle Muslime Islamisten sind. Wenn es uns um Frieden zwischen den Religionen geht, sollen wir das immer noch bestehende Misstrauen zwischen Christen und Muslimen nicht verstärken, sondern abzubauen versuchen. Auch zur Bekämpfung des „Dschihad-Virus“ ist es wirksamer, Freundschaft zwischen Christen und Muslimen aufzubauen als alle Muslime zu Islamisten zu stempeln. Ein Teil des europäischen Islam hat schon von unserm Umgang mit der Bibel etwas für den Umgang mit dem Koran gelernt, nämlich dass es in den Heiligen Büchern neben zeitlos geltenden auch zeitbedingte Aussagen gibt. Von Freunden können die Muslime Anregungen übernehmen, von Feinden oder Gegnern werden sie das nicht tun.

Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 24. Juli 2015 (Einsendedatum)


Veränderung des Weltwirtschaftssystems

Aus Bolivien wird uns von einem flammenden Appell des Papstes zur Veränderung des Weltwirtschaftssystems und zur Ermutigung sozialer Basisbewegungen berichtet. Papst Franziskus im O-Ton: „Sagen wir es ganz unerschrocken: Wir brauchen und wir wollen eine Veränderung…. Ja, so ist es, ich beharre darauf, sagen wir es unerschrocken: Wir wollen eine Veränderung, eine wirkliche Veränderung, eine Veränderung der Strukturen. Dieses System ist nicht mehr hinzunehmen, die Campesinos ertragen es nicht, die Arbeiter ertragen es nicht, die Gemeinschaften ertragen es nicht, die Völker ertragen es nicht… Und ebenso wenig erträgt es die Erde.“

Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 10. Juli 2015 (Einsendedatum)


Viel mehr steckt drin

Kommentare von Andern haben mir klar gemacht, dass in der Enzyklika „Laudato si“ mehr Neues enthalten ist, als ich gedacht habe.
Da ist zunächst der breite Ansatz: Alle Menschen sollen die verschiedenen Krisen der Gegenwart zusammen sehen und gemeinsam angehen, vom Finanzmarkt über den Klimaschutz bis zu den sozialen Krisen. Dann die Entschleunigung: Wirtschaft und Technik haben zu einer Beschleunigung geführt, die uns Menschen überfordert. Immer komplexere Probleme sollten durch immer raschere Entscheidungen gelöst werden, was zu häufigeren Fehlern und gefährlichen Vereinfachungen führt.
Eine neue Definition von Fortschritt: Echter Fortschritt bedeutet ganz einfach mehr echte Menschlichkeit.
„Ökologische Schuld“: Der Klimawandel trifft am härtesten und schnellsten die, die am wenigsten dazu beigetragen haben.
Eine neue Ethik der Technik, die stark die Nebenfolgen technischer Entwicklungen zur Sprache bringt.
Für ein päpstliches Dokument eine neue Schreib- und Kommunikationsweise: Allgemein verständlich, Ich-Form, immer wieder zum Dialog auffordernd, argumentativ, nicht vorschreibend, im Zwiegespräch mit den modernen Wissenschaften, Empathie für alle und alles, was existiert, nicht trockene Lehre, sondern mystische Freude und Begeisterung.

Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief an TT, SN, Presse, Standard, 29. Juni 2015 (Einsendedatum)


Zwei Seiten, die zusammengehören

Die Enzyklika „Laudato si“ vom jetzigen Papst über die humane Ökologie ist wohl von großer Bedeutung. Ganz wichtig scheint mir die ganzheitliche Sicht der Frage. Die Ausbeutung der Natur und der Menschen sind wie zwei Seiten einer Münze. Sie gehören eng zusammen und sollen auch so gesehen werden. Gefordert ist Achtsamkeit gegenüber der ganzen Schöpfung und Ehrfurcht vor jedem Menschen, besonders denen, die sich in schwierigen Situationen befinden. Auch Politik und Wirtschaft gehören eng zusammen. Doch ist dabei wichtig, dass das Allgemeinwohl über den Einzelinteressen stehen muss. Die Politik soll die Rahmenbedingungen der Wirtschaft festlegen, nicht umgekehrt.

Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN und das Wann & Wo, 23. Juni 2015 (Einsendedatum)


Eine mögliche Alternative

Herr J. A. Schmidt nennt sich selbst einen alten Querkopf und Leserbriefschreiber. Ich glaube, er hat im Laufe der Zeit schon hunderte Leserbriefe geschrieben, in denen er sich für die Abschaffung der katholischen Kirche wegen ihrer autoritären Ordnung stark macht und behauptet, sie hätte mit Jesus nichts gemeinsam. Insofern gebe ich Herrn Schmidt recht, als für Jesus der Satz: „Ihr alle seid Brüder (und Schwestern)“ ganz grundlegend ist, und die katholische Kirche im Laufe der Jahrhunderte weit davon abgerückt ist. Dass diese Kirche von Anfang an eine Organisation der Oberschicht war, stimmt allerdings nicht. Und in allen Jahrhunderten gab es in der Kirche Strömungen, welche die Brüderlichkeit/Geschwisterlichkeit aller Gläubigen betont und zu leben versucht haben. Die heutigen, z. T. internationalen Reformbewegungen setzen sich eifrig für Mündigkeit und Gleichwertigkeit aller Menschen ein. Sie kämpfen gegen die Zweiteilung der Kirche in Klerus und Laien. Seit gut zwei Jahren haben wir sogar in Rom einen Papst, der sich selbst in offiziellen Dokumenten einfach „Bischof von Rom“ nennt und keine autoritäre, sondern eine partnerschaftliche Reform der katholischen Kirche anstrebt. Darf ich angesichts dieser Situation, Herrn Schmidt einladen, nicht mehr wie bisher für die Abschaffung oder Vernichtung der katholischen Kirche zu plädieren, um mit vielen von uns Katholiken sich für eine grundlegende Reform dieser Kirche einzusetzen?

Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief fürs Wann & Wo, 3. Juni 2015 (Einsendedatum)


Fortschritt an der Kurie

(Zum Bericht über die Seligsprechung von Erzbischof O. Romero)

Kardinal Paglia, Postulator im Seligsprechungsprozess von Erzbischof Oscar Romero, gesteht, dass die römische Kurie durch die Prüfung des Verhalten von Romero ein weiteres und tieferes Verständnis vom Martyrium bekommen habe. Früher habe die Kirche nur jemanden als Märtyrer betrachtet, der um seines Glaubens willen umgebracht wurde, jetzt anerkenne sie auch jene als Märtyrer, die aus Solidarität mit den Nächsten, aus Liebe zum Frieden oder um der Gerechtigkeit willen getötet wurden. Damit kommt Rom den lateinamerikanischen Ortskirchen und der Befreiungstheologie mit ihrer Betonung der Wichtigkeit des Kampfes der Christen für sozio-politische Gerechtigkeit einen wichtigen Schritt näher.

Helmut Rohner, Pfr.i.R., Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief fürs KirchenBlatt, 28. Mai 2015 (Einsendedatum)


Märtyrer der Gerechtigkeit

Als sich die lateinamerikanischen Kirchen auf die Seite der Armen und gesellschaftlich Benachteiligten stellten und deren Unterdrückung zu bekämpfen begannen, wurden sie selbst auch verfolgt und an vielen Orten wurden Landlose, Landarbeiter, Basisgemeindemitglieder, Priester und Bischöfe eingesperrt, gefoltert und umgebracht. Die Ortskirchen feierten diese Menschen als Märtyrer der Gerechtigkeit und litten darunter, dass Rom nur eine Art von Märtyrern, nämlich die Märtyrer des Glaubens, anerkannte. Erst jetzt im Zusammenhang mit dem ersten lateinamerikanischen Papst und der Seligsprechung von Erzbischof Romero hat der Vatikan eine wichtige Korrektur seiner bisherigen Haltung vollzogen. Auch Menschen, die um der Gerechtigkeit willen oder wegen ihrer Solidarität mit den Ausgegrenzten getötet wurden, starben einen Märtyrertod.

Helmut Rohner, Pfr.i.R., Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Mit Brasilien-Erfahrung von 1972 - 1987
Leserbrief an die VN und andere österreichische Zeitungen, 22. Mai 2015 (Einsendedatum)


Bischof Benno Elbs

kann einen Rucksack voll guter Vorschläge der österreichischen Diözesen im Herbst zur Familiensynode mitnehmen. Da heißt es u.a. die Kirche solle zuerst auf die Betroffenen hinhören und ihre wirkliche Situation wahrnehmen, bevor sie darüber zu sprechen beginnt. Die pastorale Sprache solle Wertschätzung für das Bemühen der Menschen um ein gutes und richtiges Leben ausdrücken, auch dort, wo manches oder vieles nicht gelingt. Die Kirche solle alle begleiten, heilen und trösten und niemanden ausschließen, auch die wiederverheirateten Geschiedenen und homosexuell Liebenden nicht. In Bezug auf Letztere solle das Kriterium der Liebe und Treue herangezogen werden. Es wird eine Neubewertung der Sexualität gewünscht. Außerhalb der Ehe gelebte Sexualität soll nicht mehr ausnahmslos als Sünde gelten. Es soll ein grundsätzlich positives Verhältnis zu verantwortlich gelebter Sexualität gefunden werden. Von der Synode wird auch eine offizielle Vergebungsbitte für all das Leid, das im Namen der bisherigen Lehre verursacht wurde, erhofft.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 29. April 2015 (Einsendedatum)


Nicht mehr im Clinch

In den USA gibt es eine Dachorganisation, die etwa 51.600 (!) Ordensfrauen vertritt. Diese lag in den letzten Jahren mit der Glaubenskongregation in Rom im Clinch. Der Vatikan warf den z.T. auch in Theologie gut ausgebildeten Ordensoberinnen vor u. a. in Bezug auf Homosexualität, Frauenweihe, Abtreibung und Verhütung vom katholischen Lehramt abzuweichen. Die eingeleitete Untersuchung kritisierten die Schwestern als undurchsichtig. Der Präfekt der Glaubenskongregation Kardinal Müller warf den Klosterfrauen noch im Mai 2014 an Sabotage grenzenden Ungehorsam gegenüber vatikanischen Weisungen vor. Jetzt erschien der Schlussbericht der Untersuchung und siehe da, er ist in auffallend versöhnlichem Ton verfasst, obwohl die Schwestern an ihrer Eigenverantwortung festhalten. Auch Kardinal Müller ließ sich jetzt nach eigenen Worten von der Christus- und Kirchentreue der amerikanischen Ordensfrauen überzeugen. Hinter dieser wichtigen Wende – die sich hoffentlich nicht nur auf diesen einen Fall beschränkt - dürfen wir wohl den heilsamen Franziskus-Effekt sehen.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN u. a. m., 18. April 2015 (Einsendedatum)


Strafen oder helfen?

Gott sei Dank, dass der Justizminister eine schon lange fällige Reform im Strafvollzug vornimmt. Dazu gehört erfreulicherweise auch, dass psychotische Straftäter nicht mehr in die Haftanstalt, sondern in eine psychiatrische Klinik kommen. Das ist eine Entscheidung, die die richtige Richtung angibt. Es sollten ganz grundsätzlich nach den heutigen Erkenntnissen und Erfahrungen die Fragen gestellt werden: Wo und wann hat das Strafen einen Sinn? Wo bringt es den Bestraften und der übrigen Gesellschaft wirklich etwas Positives? Wo aber verschlimmert und verewigt es die Probleme nur? Gäbe es nicht andere, bessere, effizientere Möglichkeiten, die Kriminalität zum Wohle aller zu verringern? Ist nicht unsere Mentalität noch zu sehr auf das Strafen fixiert, obwohl uns die Wirklichkeit dessen geringe Wirksamkeit schon Jahrzehnte, ja Jahrhunderte lang vor Augen führt? Wäre nicht eine Grundhaltung, bei der das Helfen im Vordergrund stünde, wirksamer, menschlicher und christlicher?

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 3. April 2015 (Einsendedatum)


Humanismus und christlicher Glaube

sind keineswegs Gegensätze. Im Gegenteil, sie gehören zusammen, sie haben sich in der Vergangenheit gegenseitig positiv beeinflusst und sie können auch heute noch einiges voneinander lernen. Das Anliegen des Gottes Jesu ist der Mensch und sein Heil. Dieser ist Abbild Gottes, sein Sohn, seine Tochter. Sowohl Humanisten als auch Christen bringen es oft nicht fertig, ihre Überzeugungen zu leben. Es hat wenig Wert, sich deshalb gegenseitig zu beschuldigen. Besser ist, zu versuchen, einander zu helfen und zu stärken.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für das Wann & Wo, 31. März 2015 (Einsendedatum)


Gottes Liebe

Herr Franz Riedmann meint, Gottes bedingungslose Liebe wäre („wenn es sie gäbe“) eine gefährliche „Klebstofffalle“. Ich nehme an, er denkt an einen früher einmal üblichen „Fliegenfänger“, an dem die Fliegen kleben bleiben bis sie erbärmlich verenden. Wer die Liebe Gottes so missversteht, dem ist nicht zu helfen. Gottes Liebe ist echte Liebe. Sie bringt Glück und Geborgenheit, nicht Tod und Verderben. Und sie macht uns fähig, alle Menschen und alle Geschöpfe ähnlich zu lieben, wie er sie liebt. Und sie verleiht uns auch die innere Kraft, die Menschenrechte einzuhalten.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für das Wann & Wo, 25. März 2015 (Einsendedatum)


Das Kernstück von Jesu Botschaft

Auf keinen meiner Texte komme ich so gerne zurück wie auf folgenden: „Gottes Liebe ist allumfassend, grenzenlos, bedingungslos. Weiter als alle Kirchen, alle Religionen, die ganze Menschheit, der ganze Kosmos. Wir müssen Gottes Liebe nicht verdienen, er schenkt sie uns. Gelobt sei der Gütige, der Barmherzige, der Gott der Liebe und des Lebens! Gelobt sei Jesus Christus, der uns diesen Vatergott, diesen Muttergott, diesen Gott über, unter und in uns nahe gebracht hat.“
Am Sonntag (15.3.) sagte Papst Franziskus beim Angelus-Gebet, der Heilige Geist wirke auch außerhalb der Kirche, indem er überall Werte echter Menschlichkeit fördere. Dann stellte er fest, die christliche Botschaft und die gesamte Theologie ließen sich in einem Satz zusammenfassen: „Gott liebt uns mit einer grenzenlosen Liebe ohne Gegenleistung.“ Eine herrliche Zusammenfassung der Botschaft Jesu, über die sich sicher viele evangelische, orthodoxe, katholische und andere Christen freuen werden.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 16. März 2015 (Einsendedatum)


Vertrauen und Liebe

Zum Leserbrief von Volkmar Dieth vom 3.3.2015

„Lassen wir unsere Herzen für die Menschen und im Letzten auch für Gott offen zu einem Weg der Liebe und des Miteinanders durch Umkehr und Neugestaltung unseres eigenen Herzens.“ Diesen Aufruf für die Fastenzeit und Ostern von Herrn Volkmar Dieth möchte ich unterstützen. In unserer heutigen Welt verbreitet sich immer mehr Misstrauen, Angst und Hass. Dem können wir – von innen heraus – Offenheit, Vertrauen und Liebe entgegensetzen. Hilfe dazu dürfen wir von unserm Gott, dem Ursprung aller echten Liebe erwarten.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 3. März 2015 (Einsendedatum)


Bildungsreform im Islamunterricht

Die Al-Azhar-Universität in Kairo gilt als die höchste Lehrautorität im sunnitischen Islam. Nun hat ihr Rektor eine weltweite Reform des Islamunterrichtes gefordert, um falsche und zweideutige Konzepte im Islam richtig zu stellen. Dadurch soll die islamische Gemeinschaft ihre Einheit wieder zurückerlangen. Ein Unterfangen, das ziemlich utopisch klingt und viel Zeit in Anspruch nehmen wird. Doch für die islamische und die nicht-islamische Welt wäre von größter Bedeutung, wie in diesem reformierten Islamunterricht die Gewalt gegenüber Andersgläubigen oder „Ungläubigen“ gesehen wird. Der hohe Islamgelehrte äußerte sich bei einer Anti-Terror-Konferenz in Mekka. Er verurteilte extremistische Gruppen, die – wie er sagte – den Islam fehlinterpretieren.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 23. Februar 2015 (Einsendedatum)


Grün und christlich

Wir sollen die Sorge um die Bewahrung der Schöpfung nicht allein den Grünen überlassen, das sei Aufgabe aller Christen, sagte der Papst am Montag, den 9.2. seiner Morgenmesse. Wie man weiß, arbeitet Papst Franziskus an einem Schreiben zur Ökologie im umfassenden Sinn, d.h. es geht darin gleichzeitig um die Ausbeutung der Natur und die Ausbeutung der Menschen. Beides hängt eng zusammen. Mit viel Erfahrung auf beiden Gebieten wird, auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes, der Vorarlberger Bischof Erwin Kräutler bei der Abfassung behilflich sein. Dieses in seiner Art neue päpstliche Dokument soll voraussichtlich im Sommer dieses Jahres erscheinen.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 10. Februar 2015 (Einsendedatum)


Ist das nicht Aufhetzung?

Die neueste Nummer vom KirchenBlatt (5.2.15) ist voll friedensstiftender Texte. Auch wer sich schwer tut mit andern, soll sich um ein friedliches Miteinander aller bemühen. Doch dazwischen steht eine entgeltliche Einschaltung: "Wie lange gehört mein Haus noch mir? Sie sagen Millionäre und meinen uns." Ist das nicht eine Aufhetzung des Mittelstandes, die auch als bezahlte Anzeige nicht ins KirchenBlatt passt?

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für das KirchenBlatt, 5. Februar 2015 (Einsendedatum)


Wertvolle Verschiedenheit

Christen und Muslime sind überzeugt, dass es nur einen Gott gibt und können deshalb ohne Probleme gemeinsam zu ihm beten. An der Einzigkeit Gottes ändern die vielen Namen, die die Menschen ihm geben gar nichts. Die Religionen und Völker kennzeichnen einerseits viele Gemeinsamkeiten und andererseits kleine und große Verschiedenheiten.
Leider haben viele (auch heutige) Menschen die Tendenz, Gemeinsamkeiten zu schätzen, aber Unterschiede zu verurteilen und eliminieren zu wollen. In Wirklichkeit sind manche Gemeinsamkeiten und manche Verschiedenheiten wertvoll, andere sind schlecht. Wir sollten deshalb sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede überprüfen und von beiden nur die guten beibehalten und pflegen.
Wir leben heute in einer Zeit, in der sich die verschiedensten Menschen, Kulturen und Religionen einander geographisch näher rücken. Da ist es besonders wichtig, Verschiedenheiten nicht als Hindernisse zum Frieden, sondern als mögliche Bereicherung zu sehen. Jeder Mensch, jede Blume, jeder Käfer ist verschieden von allen andern. Gott liebt also offensichtlich eine für uns Menschen geradezu unübersehbare Verschiedenheit. Schade, dass vielen von uns in der Menschheit oder wenigstens auf religiösem Gebiet ein „Einheitsbrei“ lieber wäre.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 26. Jänner 2015 (Einsendedatum)


Pioniere echten Friedens

Wir Vorarlberger Katholiken haben zur Zeit viel Grund zur Freude. Wir haben einen Papst und einen Bischof, die die Zeichen der Zeit verstehen und uns im Geiste Jesu orientieren. Papst Franziskus hat auf den Philippinen zur Überwindung der krassen Ungleichheit und der weit verbreiteten Korruption aufgerufen. Bischof Benno Elbs hilft uns, in der verwirrenden und beängstigenden Situation der Gewalt und des Terrors einen christlichen und menschlichen, allen zugute kommenden Weg zu finden. Wir sollen nicht Gewalt mit Gewalt besiegen wollen, sondern die Ursachen der Gewalt, die Ausgrenzung und Kränkung der Armen und Schwachen und das Misstrauen gegenüber den Fremden zu überwinden suchen. Papst und Bischof erweisen sich als Pioniere echten Friedens unter den Religionen und Völkern. Dafür sind ihnen sicher nicht nur die Katholiken dankbar.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 21. Jänner 2015 (Einsendedatum)


zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2014