Helmut Theodor Rohner | PORTRÄT

Aktuelles - Leserbriefe 2016

In Leserbriefen nimmt der Autor seit Jahren eifrig Stellung zu Fragen, die in den Medien gestellt werden. Eine Auswahl davon soll hier angeführt werden.

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2017

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2015

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2014

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2013

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2012

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2011

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2010

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2009

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2007 - 2008

zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2003 - 2006


Leserbriefe 2016


Eine Diskussion mit Sprengstoff

In letzter Zeit wurde immer klarer, dass Papst Franziskus die Fragen der anzustrebenden Kirche der Zukunft auf eine neue Art stellen möchte. Er will die Marschroute klar andeutend vorgeben, aber den pastoral Verantwortlichen den Spielraum lassen, den sie zur Verwirklichung der Barmherzigkeit der Kirche und Gottes brauchen. Das passt all jenen nicht, die eine Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre und Praxis nicht nur für unerlaubt, sondern schier für unmöglich halten. Einer davon ist der Kardinal Meißner, ein anderer der Kardinal Müller, Präfekt der Glaubenskongregation. Kardinal Meißner bittet den Papst um mehr Klarheit. Kardinal Müller hingegen möchte mit seinen theologischen Mitarbeitern allen Zweifeln selbst ein Ende setzen. Er sagt kategorisch zu „Amoris laetitia“: „Es gibt keine Ausnahme von der Unauflöslichkeit einer sakramentalen Ehe.“ Und zu den neuesten Äußerungen von Papst Franziskus, dass er eine synodale Kirche und ein gemeinschaftliches Leitungsmodell für die Kirche anstrebe, stellt Müller aus einer Sicht klar: „Selbstverständlich spricht der Papst nicht von einer anderen Kirchenverfassung, die er gar nicht ändern könnte.“ Es geht dabei nur um „den Stil der Ausübung“ des Papstamtes. Bis Februar 2017 will Müller durch seine Glaubenskongregation und die Internationale Theologenkommission, denen er beiden vorsteht in umfassenden Dokumenten die einzig zulässigen Antworten geben. Es scheint also so, als stünde die Zeit unmittelbar bevor, in der die wichtigen Fragen der Kirchenstruktur der Zukunft offen behandelt werden müssen.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief an die Tiroler Tageszeitung, Slazburger Nachrichten, Kirche In, Presse, Standard usw.,
16. Dezember 2016 (Einsendedatum)


Papst will gemeinschaftliche Kirchenleitung

Bisher haben in der katholischen Kirche Einzelpersonen „regiert“. In der Gesamtkirche der Papst, in der Diözese der Bischof und in der Pfarre der Pfarrer. Das soll nun wieder so werden, wie es ursprünglich war. Das II. Vatikankonzil sah die Kirche als Gottesvolk, das gemeinsam auf dem Wege zum Vater ist. Papst Franziskus möchte, dass aus dieser Lehre, praktische Wirklichkeit werde. In einem Interview in der belgischen Zeitschrift „Tertio“ sagte er, er strebe für die Kirche ein gemeinschaftliches Leitungsmodell an. Eine Vielfalt von Schattierungen sei charakteristisch für die Kirche; in ihr bestehe „Einheit in Verschiedenheit“. Nachdrücklich warb der Papst für das Prinzip der Synodalität, d.h. das Prinzip des gemeinsam gegangenen Weges. Dieses verlange, nicht „von oben nach unten“ zu regieren, sondern „die Ortskirchen zu hören, sie zu harmonisieren, zu unterscheiden“. Die Kirche selbst entstehe „von der Basis, aus den Gemeinden, aus der Taufe“. „Entweder gibt es eine pyramidenförmige Kirche, wo man das macht, was Petrus sagt, oder es gibt eine synodale Kirche, in der Petrus Petrus ist, aber die Kirche begleitet, sie wachsen lässt, sie hört“. Ich glaube, dass sich die Leser und Leserinnen kaum vorstellen können, wie mein Herz jubelt, wenn es endlich solche Töne aus dem Munde des Bischofs von Rom hört.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 7. Dezember 2016 (Einsendedatum)


Schwarz-weiß macht mir Angst

In einem 90-minutigen Gespräch mit Jesuiten erklärte Papst Franziskus: Bei moralischen Urteilen sollte die Kirche die Besonderheiten von Einzelfällen stärker berücksichtigen. Schwarz-Weiß-Denken mache ihm Angst. Besonders wenn es gepaart sei mit übergroßer Strenge und ohne jeweilige Fallunterscheidung. Der Papst empfiehlt die Methode von Thomas von Aquin, wonach der allgemeine Grundsatz für alle gilt, jede Frage jedoch an Nuancen gewinnt, je mehr man in Einzelheiten geht. In diesem Sinne lobte Papst Franziskus den verstorbenen Moraltheologen Bernhard Häring. (Dieser traute sich seinerzeit, die „Pillenenzyklika“ zu kritisieren und gegen ihn hat die Glaubenskongregation unter Josef Ratzinger in den 90er Jahren ein Lehrverfahren eingeleitet.) „Diese moralische Methode“, so der Papst, „wurde auch in der Apostolischen Exhortation „Amoris laetitia“(Die Freude der Liebe) benutzt.“
Drei Kardinäle, unter ihnen auch der deutsche Kardinal Meißner, schrieben dem Papst einen Brief, der Text von Amoris laetitia sei nicht klar genug, er möge klarer sagen, ob Wiederverheiratete Geschiedene in bestimmten Fällen zur Kommunion zugelassen werden können oder nicht. Der Papst ließ die drei konservativen Würdenträger wissen, dass er ihren Brief nicht beantworten werde. Da gingen die drei mit dem Brief an die Öffentlichkeit. Sie meinten wohl, so könnten sie eine Antwort erzwingen. Doch auch jetzt hält de Papst daran fest, dass der Text von Amoris laetitia verständlich und klar genug sei. Er entspricht eben nicht dem Schwarz-Weiß-Denken vergangener Jahrhunderte.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 3. Dezember 2016 (Einsendedatum)


Gemeinsam gegen Hass

Ein erstmaliges ökumenisches Ereignis am Beginn des Advents dieses Jahres. Vier in Österreich tätige Kirchen, die methodistische, reformierte, lutherische und katholische Kirche, feierten gemeinsam einen Sonntagsgottesdienst in der evangelischen Versöhnungskirche in Linz, der von ORF und ZDF ausgestrahlt wurde. Gemeinsam stellten sie sich gegen Diskriminierung, Hass und Intoleranz und für die unantastbare Würde jedes Menschen. Der Linzer Bischof Scheuer erläuterte: „An der Wurzel von Krieg und Terror stehen oft die Vergötzung von Heimat und Landbesitz, von Nation, von Ethnie (Volk) und einer exklusiv (nur meine Religion ist die einzig richtige) verstandenen Religion.“ Diese gelte es zu entlarven und dagegen Gott als „Urgrund von allem, als den Urgrund von Frieden und Versöhnung zu verkünden.“ Der evangelische Bischof Bünker sagte, wir müssten der Verachtung und Missachtung von Menschen, von Minderheiten, von anders Denkenden, anders Glaubenden und anders Lebenden widerstehen und kritisch gegenüber Macht und Geld sein. Österreich sei aktuell geprägt von Gegensätzen, die sich zuspitzen, von einem sich verschärfenden Ton, Hass und Ablehnung und einem vergifteten Miteinander. Das Motto des Gottesdienstes lautete: „Im Licht der Versöhnung gesehen.“

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 28. November 2016 (Einsendedatum)


Priester mit Familien

Im Jahr der Barmherzigkeit macht Papst Franziskus an jedem Freitag einen vorher nicht angekündigten Besuch. Am Freitag, den 11.11. besuchte er sieben Priester, die geheiratet und Familien gegründet hatten. Der Papst habe so seine Nähe und Zuneigung gegenüber den jungen Männern ausdrücken wollen, die „eine oft von den Familienangehörigen und Mitbrüdern nicht geteilte Entscheidung getroffen haben“, hieß es aus dem Presseamt des Vatikans. Der Papst zeigt also bewusst Nähe und Verständnis zu verheirateten Priestern. Warum schafft er dann den Pflichtzölibat nicht ab? Weil er diese und viele andere Fragen nicht autoritär abändern will. Durch Worte und Taten lädt er die Kirche andauernd ein, sich zu erneuern. Aber immer wieder lässt er durchmerken: Nicht ich, Bischof von Rom, sondern du, katholische Kirche, du musst dich selber erneuern. Es muß dir genügen, dass ich dich dazu ermuntere. Papst sein heißt heute nicht mehr, alles in der Kirche zu können und zu dürfen. Danken wir Gott, dass wir endlich einen Papst haben, der freiwillig auf die Machtfülle verzichtet, die ihm das Erste Vatikankonzil (1870) zuschreibt. Hoffentlich gibt es für seine Nachfolger klare Regeln, die einen Rückfall in diesem Punkte verhindern. Stellvertreter Jesu Christi nach dem ersten Pfingsten ist, nach meiner Ansicht, entweder der Heilige Geist oder jeder Christ, jede Christin.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 14. November 2016 (Einsendedatum)


Heile unsere Erinnerungen!

Der lutherisch-katholische Gottesdienst in Lund war auch am Fernsehen ein Erlebnis. Ich freue mich, dass das KirchenBlatt in Text und Bild die große Bedeutung dieses Ereignisses klar gemacht hat. Ein guter Anfang des Jahres der Reformation ist viel wert. Die Feier hatte drei Teile: Dank, Reue und gemeinsame Verpflichtungen. Der Papst nannte alle drei in einem von ihm gesprochenen Gebet: „Jesus Christus, Herr der Kirche, heile unsere Erinnerungen! Hilf uns die Gaben anzuerkennen, die die Reformation der Kirche gebracht hat, aber auch Reue zu fühlen über die Mauern, die wir gegeneinander hochgezogen haben, und führe uns zum gemeinsamen Zeugnis und Dienst für die Welt.“
Ich möchte besonders hervorheben: Heile unsere Erinnerungen! Wir können, wenn wir wirklich wollen, die schwere Last einer gegenseitigen Verurteilung und Bekämpfung in der Vergangenheit einander verzeihen und in heutige Freude verwandeln, wenn wir wohlwollend sehen und schätzen, was wir einander an Gaben Gottes weiterschenken können.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für das KirchenBlatt, 3. November 2016 (Einsendedatum)


Evangelisch-katholische Annäherung
Oder: Der Papst in Schweden
Oder: Heile unsere Erinnerungen!

Am 31.10.2016 in Lund war es das erste Mal, dass ein Papst an einem Reformationstag mit den Lutheranern feierte. Das Motto des vom Vatikan und dem Lutherischen Weltbund gemeinsam vorbereiteten ökumenischen Wortgottesdienstes lautete: „Vom Konflikt zur Gemeinschaft - Gemeinsam in der Hoffnung.“ Es ist möglich, dass diese gemeinsame Feier zwischen Lutheranern und Katholiken sich als historischer Wendepunkt in ihrer gegenseitigen Beziehung erweist. Papst Franziskus betete dabei: „Jesus Christus, Herr der Kirche, heile unsere Erinnerungen! Hilf uns, die Gaben anzuerkennen, die die Reformation der Kirche gebracht hat, aber auch Reue zu fühlen über die Mauern, die wir gegeneinander hochgezogen haben, und führe uns zu gemeinsamem Zeugnis und Dienst für die Welt!“ Im Fernsehen sah man, wie alle zu Fuß zum Dom kamen. In der liturgischen Kleidung war kein Unterschied zu sehen. Wie es schien, störte den Papst auch nicht, dass die lutherische Kirche Schwedens eine Frau als Erzbischöfin hat. Sie las im Gottesdienst das Evangelium, das die Botschaft enthielt „Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch.“ Der Präsident des Lutherischen Weltbundes sagte: „Mit Freude können wir feststellen, dass das, was uns eint, viel mehr ist als das, was uns trennt. Unser gegenseitiges Verständnis und Vertrauen sind gewachsen.“ Die Feier hatte drei Teile: Dank, Reue und Verpflichtung zum gemeinsamen Engagement. Dank wurde laut für die „vielen theologischen und spirituellen Einsichten, die uns die Reformation geschenkt hat“ (lutherische Formulierung). Kardinal Koch von katholischer Seite beklagte reumütig, dass „sich Lutheraner und Katholiken oft mehr auf das Trennende als auf das ihnen Gemeinsame konzentriert haben.“ Deshalb verpflichteten sich in Lund Lutheraner und Katholiken dazu, „künftig alles aus der Perspektive der Einheit und nicht der Spaltung zu betrachten.“ So lautet die erste von fünf gemeinsamen Verpflichtungen Der Papst und der Präsident des Lutherischen Weltbundes, beide Lateinamerikaner, teilten sich die Predigt auf, die beide in ihrer Muttersprache spanisch hielten. Der emotionale Höhepunkt war der herzliche Friedensgruß zwischen allen Anwesenden.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 2. November 2016 (Einsendedatum)


Aufbruchstimmung

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Bedford-Strohm ortet zur Zeit eine Aufbruchstimmung in der Beziehung zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche. Er gibt zu, dass die Gläubigen vielen Bischöfen und Theologen voraus sind, indem er bemerkt, dass es schwierig ist, „den Menschen heute zu vermitteln, warum die Kirchen eigentlich getrennt sind.“ Er fährt fort: „Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der wir so sehr mit einer gemeinsamen Stimme gesprochen haben.“ Das gelte etwa für die Flüchtlingsfrage, bei den Themen Sterbehilfe, soziale Gerechtigkeit und Ökologie. Selbst beim Thema Homosexualität sei „innerhalb der katholischen Kirche eine gewisse Pluralität eingetreten.“ Viele Menschen sehen in ihrem gemeinsamen christlichen Glauben, die Basis für ihren gemeinsamen Einsatz etwa für Flüchtlinge und gegen Armut. „Das ist etwas, worüber man sich freuen kann“, sagt der bayerische Landesbischof. Gute Erfahrungen auf evangelischer Seite: „Dass Pfarrer und Pfarrerinnen Familien haben können, tut unserer Arbeit gut.“ Auf katholischer Seite: Die Messdiener sind eine sinnvolle Beteiligungsform für junge Menschen. Schließlich meint Bischof Bedford-Strohm, das Selbstverständnis der katholischen Kirche als Weltkirche könne inspirierend wirken.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 24. Oktober 2016 (Einsendedatum)


Luther – Erneuerer des Glaubens

Der katholische Bischof Scheuer von Linz und der evangelische Bischof Bünker von Österreich warteten nicht auf das Jubiläumsjahr 2017. Sie gingen miteinander schon heuer nach Thüringen, zur Wiege der Reformation. Viele Gläubige in beiden Kirchen wünschen sich, dass das Jubiläum „500 Jahre Reformation“ in ökumenisch offenen Geiste begangen werde, sodass die vielen geplanten Veranstaltungen die Evangelischen und die Katholiken einander näher bringen. Ich und viele Gleichgesinnte hätten gerne, dass die Altargemeinschaft verwirklicht werde, weil all die Unterschiede uns aus heutiger Perspektive nicht mehr kirchentrennend erscheinen. Wichtig ist, dass das Bischofsduo festhält: Luther – und auch Rom – wollten damals keine Kirchenspaltung. Bischof Scheuer räumt ein, dass die katholische Kirche damals durch ihre Reformverweigerung an der Spaltung mitschuldig geworden sei. Und er zieht daraus den auch heute wichtigen Schluss: „Wir lernen daraus: Ohne Reformen kommt es zur Reformation im Sinne einer Spaltung.“ Bischof Bünker räumt seinerseits ein: „Luther ist kein Heiliger“ und soll auch nicht als solcher gefeiert werden. Das Jubiläum soll dazu dienen, Luthers Stärken und Schwächen deutlicher in den Blick zu nehmen. Bischof Scheuer ist wohl derselben Meinung, gibt aber Martin Luther trotzdem 3 Ehrentitel, die dieser in der Vergangenheit von offizieller katholischer Seite wohl selten oder nie bekommen hat: 1. „Zeuge des Evangeliums.“ 2. „Erneuerer des Glaubens“, 3. „Verkünder Jesu Christi.“ Und in einem kleinen Zusatz merkt der Bischof an: “Und dafür dürfen wir (Katholiken) auch dankbar sein.“

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 10. Oktober 2016 (Einsendedatum)


Ein Leben für die Indios

Papst Franziskus wiederholt immer wieder, die Christen und Christinnen müssten an die Ränder der Welt und der Menschheit gehen. Das kann auf vielerlei Art geschehen. Eine Art der Verwirklichung dieser Maxime fand sich immer schon bei den Frauen und Männern der Missionsorden. So auch in bewundernswerter Schönheit bei der in Österreich aufgewachsenen und am 5.9.16 in Venezuela im Alter von 81 Jahren verstorbenen Don Bosco Schwester Maria Wachtler. Sie wünschte sich, dass ihre Urne nach dem katholischen Totengottesdienst den Yanomani-Indios für den stammesüblichen Totenritus übergeben werde. Ihr Leben gehörte den Yanomanis am oberen Orinoco. Dort sorgte sie in 51 langen Jahren für eine medizinische Grundversorgung, für ein funktionierendes Unterrichtssystem und verfaßte selbst das erste Grammatikbuch der Yanomani-Sprache. In aller Bescheidenheit hat sie enorm viel geleistet. Der Staat Venezuela würdigte ihren Einsatz mit einer Briefmarke. In Österreich wurde sie u.a. mit dem Romero-Preis der Katholischen Männerbewegung ausgezeichnet.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 7. September 2016 (Einsendedatum)


Menschenrechtspreis

Der Menschenrechtspreis von „Human Rights Watch“ geht jedes Jahr an Menschen, die besonderen Einsatz im Kampf für die Menschenrechte und gegen Gewalt, Unterdrückung und Diskriminierung gezeigt haben. Heuer ging er am 01.09. an Kalpona Akter aus Bangladesch, die eine Bewegung für faire Arbeitsbedingungen in der Textilbranche ins Leben gerufen hat; an Pierre Claver Mbonimpa aus Burundi, der sich für politische Gefangene einsetzt; an Yonous Muhammadi, der vor den Taliban aus Afghanistan nach Griechenland floh und dort Flüchtlinge über ihre Rechte als Asylsuchende aufklärt; an Ratnaboli Ray aus Indien, der sich für bessere staatliche Hilfe für psychisch erkrankte Menschen einsetzt; an den Rechtsanwalt Nicholas Opiyo, der gegen die juristische Unterdrückung von Homosexuellen in Uganda kämpft. Viele Menschenrechtler freuen sich, dass endlich in den USA der letzte Hersteller der gefürchteten Streubomben die Produktion dieser Waffen, die eine große Gefahr für Zivilisten, besonders für Kinder darstellen, eingestellt hat.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 2. September 2016 (Einsendedatum)


Zwei Tiroler Ordensfrauen

In meiner Jugend las ich mit ungeheurem Respekt das Buch über Damian de Veuster (1840-1889), den Priester der Lepra-Insel Molokai. Inzwischen hat Lepra viel von ihrer Ansteckungsgefahr verloren und kann vielfach bei entsprechender Vorsicht zu Hause behandelt werden. Doch es gibt sie noch, die Lepra-Inseln. Mein erster Bischof in Brasilien, der deutsche Franziskaner Paschasius Rettler ging nach seiner Emeritierung 1989 auch auf eine solche Insel, obwohl ihm der Staat die Erlaubnis, auf der Insel zu wohnen, nicht geben wollte. In Südkorea, so können wir von der Katholischen Frauenbewegung Österreichs erfahren, gibt es heute noch die Lepra-Insel Sorok, auf der zur Zeit noch 539, lauter sehr alte Kranke leben. Zwei Tiroler Ordensfrauen, Marianne Stöger und Margit Pissarek kamen 1962 nach ihrer Ausbildung zu Krankenschwestern mit 27 bzw. 28 Jahren nach Sorok und fanden unmenschliche Zustände vor, die sie mit viel Einsatz und Ausdauer in einer mehr als 40-jährigen Tätigkeit verbesserten. Sie gaben den gedemütigten, geschlagenen und zu Abtreibungen und Sterilisationen gezwungenen Kranken ihre Menschenwürde wieder. Für diese Leistungen erhielten die zwei heute über 80-Jährigen den renommierten „Manhae-Preis für soziales Handeln“ von Südkorea. Ich glaube, wir alle können uns den Glückwünschen für die zwei Christkönigsschwestern anschließen.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 22. August 2016 (Einsendedatum)


Kommt das Frauendiakonat?

Man könnte es meinen. Die Weltsituation ruft danach. Und Papst Franziskus betont immer wieder, die Frauen hätten in der katholischen Kirche noch nicht den ihnen zustehenden Platz. Noch dazu hat er im Mai vor Ordensfrauen eine Kommission zur Geschichte des Frauendiakonats angekündigt. Diese Kommission steht nun und setzt sich - auch eine Neuheit für eine theologische Einrichtung des Vatikans – aus 6 Männern und 6 Frauen. Leider hat der Papst selbst Ende Juni einen halben Rückzieher gemacht und gesagt, der Schwerpunkt der Expertenarbeit liege auf historischen Fragen. Sollen wir die Hoffnung aufgeben? Nein! Papst Franziskus vertritt ja auch die Meinung, die einzelnen Diözesen und Bischofskonferenzen sollten mehr eigene Entscheidungsfreiheit bekommen. Es könnte also gehen wie mit der Einführung der Muttersprache in die Liturgie. Das Konzil stellte fest: Die Kirche als Ganze ist noch nicht reif dazu. Deswegen gab es die Erlaubnis der Muttersprache den Bischöfen, die glaubten, ihre Diözese sei reif dafür. Und die Änderung ging wie ein Lauffeuer um die Welt. Plötzlich waren alle reif bzw. gerieten in den Sog der bereits Reifen. Eines Tages könnte das Frauendiakonat eine ähnliche Runde um die katholische Welt drehen. Und es könnten neue, auch spezifisch weibliche Formen des Diakonats entstehen, die auch nicht mehr als Hilfe der Pfarrer, sondern als Begleiterinnen der in irgendeine Not geratenen Menschen gesehen werden.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 3. August 2016 (Einsendedatum)


Zwei Lichtblicke

1. Martin Luther.
Der Linzer Bischof Scheuer sagte bei einer ökumenischen Tagung in Kremsmünster: Nachdem die katholische und evangelische Kirche Jahrhunderte lang über seine Person gestritten haben, können sie beide heute Luther “gemeinsam als Zeugen des Evangeliums, Lehrer im Glauben und Rufer der geistlichen Erneuerung“ würdigen. Bravo! Handelt bitte nächste Jahr beim Reformationsfest in Deutschland danach!

2. Sakramente.
Die katholische Kirche Südtirols hat in einer Synode (2013 - 2015) auch Vorschläge gemacht, die sie leider nicht allein in die Tat umsetzen kann, weil es zur Zeit noch Vorschriften gibt, die dies verbieten. Ein Vorschlag: Alle Gläubigen sollen die Möglichkeit haben, alle sieben Sakramente zu empfangen. Das heißt im Klartext: Priester – sie sind ja Gläubige – sollen heiraten dürfen. Und Frauen sollen die Weihen empfangen dürfen. Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen sollen in Zukunft möglich sein. Ein anderer Vorschlag: Die Krankensalbung soll auch durch die Krankenseelsorger/innen gespendet werden können, die nicht geweiht sind. Wer die Kranken begleitet, soll sie auch selbst salben dürfen.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 14. Juli 2016 (Einsendedatum)


Der Papst bin ich.

Ich freue mich, soeben etwas gelesen zu haben, das mich zum Schmunzeln reizt. Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff hat in letzter Zeit öfters Papst Franziskus vor seinen Kritikern in Schutz genommen. Nun soll ihn der Papst zu sich eingeladen haben. Boff meinte, er werde wohl besser nicht kommen, aus Rücksicht auf Papst emeritus Ratzinger. Darauf soll Franziskus geantwortet haben, er solle sich diesbezüglich keine Sorgen machen, denn „der Papst bin ich“.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 2. Juli 2016 (Einsendedatum)


Magdalena, die Apostelin

Vorarlberg hat meines Wissens nur zwei Magdalena-Kirchen, nämlich in Ebnit und Gargellen. Ich nannte Maria Magdalena, wie viele andere, schon lange eine „Apostelin“. Nach einer Festtagsmesse in Gargellen verklagte mich ein deutscher Gast bei Bischof Wechner, neben anderem Unerlaubtem habe eine Frau die Ministranten ersetzt und meine Predigt sei bespikt gewesen mit feministischen Parolen. Und nun erlebe ich noch das bisher Unglaubliche, dass der Vatikan nachzieht. Der Gedenktag der hl. Maria von Magdala wird zu einem Apostelfest hinaufgestuft. Dies sei ein Wunsch des Papstes und entspreche außerdem dem „aktuellen kirchlichen Kontext, der nach einer tieferen Reflexion über die Würde der Frau“ verlange, erklärt Erzbischof Arthur Roche, Sekretär der Kongregation für die Gottesdienste. Nach ihm ist Maria Magdalena „Zeugin des auferstandenen Christus und verkündet die Botschaft von der Auferstehung des Herrn, wie die übrigen Apostel.“ Darum sei es richtig, „dass die liturgische Feier dieser Frau denselben Grad eines Festes erhält wie die Feiern der Apostel“. Erwarten können wir von diesem Papst keine Priesterweihe für Frauen, aber durchaus einen starken Impuls zur allgemeinen Aufwertung der Frauen in der katholischen Kirche.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 16. Juni 2016 (Einsendedatum)


Integration auf Regierungsebene

Seit neuestem gibt es eine erste Muslima im Regierungsteam. Muna Duzdar ist Staatssekretärin für Kultusangelegenheiten und damit auch für Religionsfragen zuständig. Kardinal Schönborn berichtete von einer „ausgesprochen positiven“ ersten Begegnung mit ihr und nannte ihre Ernennung ein „starkes Zeichen“ sowohl für die Kirchen und Religionsgemeinschaften als auch für die Regierung. „London hat einen muslimischen Bürgermeister und Österreich hat ein erstes muslimisches Regierungsmitglied.“ Österreich sei weiterhin „ein Vorzeigeland für ein gutes Miteinander“, meint der Kardinal. Trotzdem wachse die Sorge und die Angst der Bevölkerung, ob dieses Miteinander weiterhin gelinge. Es stehen zwei Fragen im Raum: Einerseits, ob sich der Islam „in unsere demokratischen Spielregeln“ einfügt und andererseits , ob es den „Angstmachern“ gelingen werde, „die Spannungen noch zu verstärken“. Deshalb wünscht Kardinal Schönborn der neuen Staatsekretärin für ihre delikate Arbeit „alles Gute, ein feines Gespür für das Miteinander und den Segen Gottes.“

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 4. Juni 2016 (Einsendedatum)


Religiös-kulturelle Vielfalt als Chance

Heute (20.5.) entdeckte ich in den VN einen Artikel mit wunderbaren Gedanken. Frau Eva Grabherr hielt die Festrede bei der Eröffnung der Emsiana. Sie erinnerte daran, dass Hohenems in seiner Geschichte beides kenne: die friedliche Koexistenz und die vernichtenden Konflikte religiös-kultureller Vielfalt. Und was kann heute das friedliche Zusammenleben fördern? Die Sorge um die Integration der vielen Flüchtlinge kann uns mit positiver Energie ausstatten, um die große Herausforderung gemeinsam zu meistern. Kontakt und Berührung von Mensch zu Mensch bringen mit der Zeit die Angst zum Verschwinden und wecken Solidarität. Das Bemühen, andern unsere positiven Werte zu vermitteln, kann ihnen, aber auch uns weiter helfen. Wir sind dadurch nämlich gezwungen, unsere eigene Werteordnung genau zu beschreiben, ihren Sinnhintergrund uns selber klar zu machen und uns zu fragen, inwiefern unser persönliches Leben und das unserer Gesellschaft unsern Zielvorstellungen entsprechen und inwiefern nicht oder noch nicht. Religiös-kulturelle Vielfalt ist also für alle Beteiligten eine Chance, sich positiv weiter zu entwickeln, geistig reicher zu werden.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 20. Mai 2016 (Einsendedatum)


Trotzdem epochale Wende

Die katholischen Reformbewegungen Österreichs, Laieninitiative, Pfarrer-Initiative, Wir-sind-Kirche und „Priester ohne Amt“ fühlen sich durch das Papstdokument „Die Freude der Liebe“ in ihren Forderungen wesentlich bestärkt. Zwar beklagen sie, dass Franziskus weder die Lehre (z.B. Empfängnisverhütung oder gleichgeschlechtliche Partnerschaften) noch das Kirchenrecht (z.B. Zölibat) geändert hat. Sie bedauern, dass die Kirche z.B. in der Frage der Rollen von Frauen dem Fortschritt der Gesellschaft weiterhin stark nachhinkt.
Trotzdem sehen sie in dem Dokument eine epochale Wende, die bedeutende Chancen für die Seelsorge der Kirche bietet. Warum?
    1. Weil der Papst die nach wie vor geltenden Vorschriften einer situation- und menschengerechten Handhabung unterordnet.
    2. Weil er dem Grundsatz folgt, dass das persönliche Gewissen für jeden Menschen die oberste Instanz des Handelns ist. ( Bisher galt nur das „gebildete“ Gewissen als höchste Instanz für den Einzelnen. Und „gebildet“ bedeutete „am Lehramt ausgerichtet“.)
    3. Weil er bei erlebtem Versagen die Barmherzigkeit zum obersten Gebot erklärt.
Auf dieser Grundlage könne sich mehr als bisher eine menschennahe Glaubenspraxis entwickeln, schreiben die Reformbewegungen in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 9. Mai 2016 (Einsendedatum)


Hans Küng und Papst Franziskus

Es ist allgemein bekannt, dass Prof. Hans Küng Im Dezember 1979 die katholische Lehrbefugnis entzogen wurde, weil er es wagte, hinter das Wort Unfehlbar ein Fragezeichen zu setzen. Im März dieses Jahres feierte Prof. Hans Küng seinen 88. Geburtstag und nahm dies zum Anlaß, Papst Franziskus in einem offenen Brief zu bitten, das Thema der Unfehlbarkeit ergebnisoffen diskutieren zu dürfen. Und siehe da, der Papst warf ihm nicht vor, eine für jeden Katholiken unerlaubte Bitte auszusprechen, sondern gab ihm in einem persönlichen Brief mit der freundlichen Anrede „Lieber Mitbruder“ eine wohlwollende Antwort. Nach den Worten von Hans Küng schlägt der Papst vor, „die verschiedenen Fragen, die das Dogma der Unfehlbarkeit aufwirft, im Licht der Heiligen Schrift und der Tradition theologisch zu diskutieren, um den Dialog mit der Ökumene und der postmodernen Gesellschaft zu vertiefen.“ Küng sagt dazu, dies sei der neue Geist, den er sich vom Lehramt immer schon wünschte. Nun müssten die Theologen und Bischöfe diesen Freiraum nützen. Ich füge hinzu: Bisher fehlte es den katholischen Bischöfen und den meisten Theologen an Mut dazu. Und ich frage die Betreffenden: Wann wird das anders werden?

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 1. Mai 2016 (Einsendedatum)


Gelbes Licht aus Rom

Jahrzehnte lang (im Kirchenwinter) gab es für die meisten von den Gläubigen, von Theologen oder Bischöfen vorgeschlagenen Neuerungen in der katholischen Kirche fast immer nur rotes Licht. Das darf nicht sein, das darf nicht gesagt und noch weniger getan werden. Seit der Amtsübernahme von Papst Franziskus (neuer Kirchenfrühling) ist das anders. Jetzt ist das gelbe Licht vorherrschend. Der Papst ermutigt zu ehrlich-offener Diskussion über alle möglichen Themen. Er sagt wiederholt: Habt Mut! Geht voran! Sucht neue Wege! Nehmt die Mitmenschen in ihren konkreten Nöten und Sorgen ernst Seid barmherzig zu allen! Urteilt nicht über sie! Schließt niemand aus! Indirekt sagt er: Glaubt nicht, dass ich euch eure Verantwortung abnehme. Handelt so wie es eurem Gewissen und Wissen entspricht. Und was dieser Papst sagt, das lebt er uns auch vor. Um ihn herum geschieht viel Neues. Warum nur dort oder warum in erster Linie dort? Weil wir Katholiken (Volk und Hierarchie) leider noch zu sehr gewohnt sind, nur bei grünem Licht aus Rom zu handeln.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 15. April 2016 (Einsendedatum)


Die ganze Kirche, nicht ich allein

Aus „Die Freude der Liebe“ (welch schöner Titel!) und den Kommentaren von Bischof Benno Elbs und Kardinal Schönborn zum nachsynodalen Schreiben von Papst Franziskus lässt sich folgern: Der Papst geht seinen Weg konsequent weiter. Die Losung heißt: Nicht ich allein kann und will die Kirche erneuern, das können nur alle Mitglieder zusammen. Ich kann und will sie nur dazu ermutigen, einladen und bestärken. Alle sollen die Liebe in Ehe und Familie hochhalten. Alle sollen denen, welche die Idealform nicht erreichen mit Wertschätzung, Achtung und Respekt begegnen. Niemand soll ausgeschlossen werden. Die Türe soll für alle offen sein und bleiben. Die Lösungsansätze dürfen und sollen in den einzelnen Ortskirchen und in Einzelfällen verschieden sein.
Viele Katholiken haben geglaubt, in diesem Schreiben nach der Familiensynode müssen die Würfel fallen, muss der Papst endlich entscheiden und festlegen wo und wie es weitergehen muss. Papst Franziskus gibt uns zwar in Wort und Tat eine bestimmte Richtung vor, erklärt aber gleichzeitig, warum es in vielen Fragen keine generelle gesetzliche Regelung kanonischer Art geben kann. An Stelle neuer Gesetze ermutigt er uns alle, nach unserm Gewissen, in Eigenverantwortung, ohne Vorurteile und barmherzig zu allen zu handeln.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 9. April 2016 (Einsendedatum)


Ein Blankoscheck für Gott

In der Linzer Kirchenzeitung schrieb Frau Ruth Ferstl „Zum Weiterdenken“: Einer meiner Schüler meinte, er hätte ein Problem mit dem Satz „Dein Wille geschehe“. Das sei quasi ein Blankoscheck. Was, wenn Gott etwas will, das ich aber nicht will? Gute Frage, finde ich – es gehört viel dazu, das ehrlich sagen zu können. Leserbrief dazu in der Kirchenzeitung der Diözese Linz vom 31.3.2016:

Liebe Frau Ferstl, heute blieb ich an Ihren Worten „Zum Weiterdenken“ hängen. Ich gebe Gott gerne einen Blankoscheck. Er liebt mich so, dass ich volles Vertrauen in ihn haben kann. Wenn ich einmal etwas anderes will als er, so werden wir miteinander reden und verhandeln.
Ich bin 82 Jahre alt und möchte nach jetzigem Ermessen nicht 90 oder 100 werden. Alle sagen mit, darüber nachzudenken sei überflüssig. Doch ich glaube, dass Gott auf meine Wünsche und Gedanken – die sich natürlich noch dauernd ändern können – Rücksicht nehmen wird. Ich empfinde Gott so sehr als meinen Freund, dass ich meine, er wird keine wichtige, mich betreffende Entscheidung ganz ohne mich fällen.
Mein Leben ist voll scharfer Kurven und Wegkreuzungen. Vor jeder Kurve bat ich Gott ganz inständig, mir zu sagen: Links oder rechts? Er tat es nie, auch wenn ich ihn noch so sehr darum bat. Doch bald nachdem ich die Entscheidung selbst getroffen hatte, spürte ich eine innere Bestätigung Gottes: Gut, hast du das gemacht. Da bin ich einverstanden. Aus diesen Erfahrungen lernte ich: Gott hat nicht, wie ich früher glaubte, einen fixen Plan für jeden Menschen. Er respektiert unsere Freiheit so sehr, dass er uns vor einer Entscheidung nichts über seine Pläne verrät. Seine Pläne sehen nämlich für jeden und jede mehrere Möglichkeiten vor.

Herzliche Grüße
Helmut Rohner, Dornbirn


Zwei gute Nachrichten

Gute Nachrichten sind in den Medien selten geworden. Es dominieren die angstmachenden Negativmeldungen. Das veranlasst mich, folgende zwei erfreulichen Berichte der VN hervorzuheben: Teile de Regierung dachten über eine mögliche Kürzung der Mindestsicherung nach. Dagegen hat sich, Gott sei Dank, eine breite Front von Organisationen gewehrt. Mit der großen Zunahme der Zahl der Flüchtlinge nahm auch die Angst zu, die Kriminalität werde in unserm Land zunehmen. Die Polizei kann nun berichten, dass dies in Vorarlberg im Jahre 2015 nicht der Fall war. Es gab nicht mehr Straftaten durch mehr Flüchtlinge. Dahinter steht auch das erfreuliche Bemühen von vielen Organisationen und Einzelpersonen in der Vorarlberger Bevölkerung, die Flüchtlinge bei uns gut aufzunehmen und ihnen in ihrer Not freundschaftlich zu helfen. Ihnen allen gebührt unser großer Dank.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 24. März 2016 (Einsendedatum)


Schiefe Bilder

In der Auseinandersetzung zwischen Menschen und Menschengruppen entstehen leicht unkorrekte Bilder auf beiden Seiten. So auch in der Seelsorgeeinheit Dornbirn. Ich bedauere und es tut mir weh, wenn ich sehe, dass unser so sehr um die Harmonie aller bemühter Bischof Benno und der gutmütige und aufgeschlossene Dekan Erich Baldauf als herrschsüchtige Personen, die keine Vielfalt und Eigenständigkeit in unserer Kirche dulden, dargestellt werden. Andererseits hat die fehlende Kenntnis der Hintergründe in der Öffentlichkeit bei manchen zur Ansicht geführt, Pfr. Reinhard Himmer werde, wenn er in Dornbirn aussteige, den Priesterdienst ganz aufgeben. Pfr. Himmer wusste selbst von Anfang an, dass er schlecht in das Konzept der zukünftigen Seelsorgee«inheit passen würde. Er hat es versucht, musste aber dann feststellen, dass seine Auffassung vom Priestersein wohl in der katholischen Kirche, nicht aber in diesem konkreten Projekt Platz findet. Die logische Konsequenz: Hier aussteigen und anderswo in der Diözese einsteigen.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 20. Februar 2016 (Einsendedatum)


Tut etwas!

In Chiapas in Mexiko, wo Papst Franziskus vor kurzem war, hat einst Bischof Ruiz (gegen den Widerstand Roms) viele Diakone geweiht und ihnen die Leitung von Basisgemeinden anvertraut, weil diese verheiratet sein durften und bei den Indios nur verheiratete Männer Autorität beanspruchen konnten. Vor etwa 40 Jahren hat mein damaliger Bischof Rettler in Brasilien 12 Familienvätern eine besondere Ausbildung zukommen lassen und sagte, bevor er sterbe, werde er die Zwölf zu Priestern weihen. Leider sah er sich nicht in der Lage, seine Ankündigung wahr zu machen. Unser geliebter Dom Erwin Kräutler schreit es in alle Welt hinaus: Papst Franziskus hat mir gesagt, die Bischöfe sollen in der Frage der Eucharistiearmen Gemeinden und des damit zusammenhängenden Zölibats mutig sein. Was bedeutet heute in dieser Frage mutig sein? Darüber nachdenken? Vorschläge machen? Das wurde schon Jahrhunderte lang ausgiebig praktiziert. Dazu braucht es jetzt wahrlich keinen Mut mehr. Seid mutig kann doch heute nur noch heißen: Tut etwas! Verwirklicht in einer Teilkirche das, was zum Heile der Gläubigen notwendig ist und wozu ihr von Christus her die Vollmacht habt.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 15. Februar 2016 (Einsendedatum)


Erstes orthodoxes Kloster

Am östlichen Rande von Österreich soll in Kürze das erste orthodoxe Kloster Österreichs entstehen, nämlich in St. Andrä am Zicksee im burgenländischen Seewinkel. Der katholische Bischof von Eisenstadt Ägidius Zsifkovics stellte den Griechisch-Orthodoxen ein entsprechendes Grundstück zur Verfügung. Papst Franziskus lobte den Plan und segnete ihn. Der Ökumenische Patriarch Bartolomaios besuchte den Ort und betete dort für die Einheit der Christen und für ein gutes Gelingen des Klosterprojekts. Eine ranghöhere Befürwortung von beiden Seiten ist nicht mehr möglich. Als zukünftige Bewohner des Klosters leben sogar schon vier deutschsprachige orthodoxe Mönche im Pfarrhof von Weiden am See. Das Kloster soll ein Zentrum gelebter Ökumene werden. Das Projekt stieß in St. Andrä sowohl auf begeisterte Zustimmung als auch auf energischen Widerstand. Die am 1.2.16 beendete Bürgerbefragung brachte für die Umwidmung des Grundstückes in Bauland eine ganz knappe Mehrheit. Ob diese den Orthodoxen genügen wird, ist noch nicht entschieden. Der zuständige Metropolit stellte nämlich von Anfang an klar: Wir kommen nur, wenn wir auch willkommen sind.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 2. Februar 2016 (Einsendedatum)


Konzil und Zölibat

Bei den Befürwortern des Zölibats geistert immer wieder die Behauptung herum, beim Konzil hätten 2390 Stimmberechtigte für und nur mickrige 4 „Außenseiter“ gegen den Pflichtzölibat gestimmt. Das angeführte Stimmenverhältnis bezog sich jedoch auf einen langen Text über das Priestertum. Es gab keine separate Abstimmung nur über den Zölibat. Im abzustimmenden Text hieß es: „Er (der Zölibat) ist nicht vom Wesen des Priestertums selbst gefordert, aber in vielfacher Hinsicht dem Priestertum angemessen.“ Diese Aussage können auch Gegner der Zölibatsverpflichtung unterschreiben. Wenn das Priestertum den Zölibat nicht fordert, dann muss auch die Kirche ihn nicht verpflichtend fordern. Aus dieser Sicht könnte sie ihn also freistellen. Warum tut sie es nicht? Oder warum tut sie es nur in bestimmten Fällen? Warum will sie das vielfache Leid der (mehrheitlich geheimen) Priesterfrauen und Priesterkinder nicht sehen? Warum hindert sie segensreich arbeitende Priester, ihre ihnen von Gott geschenkte Berufung zu leben und viele Menschen zu Gott zu führen?

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 22. Jänner 2016 (Einsendedatum)


Leben ist Vielfalt

So lautete das Thema der Österreichischen Pastoraltagung dieses Jahres vom 7.-9. Jänner in Salzburg. Unter den Referentinnen war heuer auch eine aus Amstetten gebürtige Muslimin, die einen katholischen Kindergarten und eine katholische Volksschule besucht hat und diesen Umstand für sich und für die Andern bereichernd empfand. Sie war auch einmal Vorsitzende des Vereins „Junge Musliminnen Österreich“. Jetzt mit 32 Jahren ist sie Dozentin am Privaten Studienlehrgang für das Lehramt für Islamische Religion an Pflichtschulen in Wien, der organisatorisch in eine katholische Hochschule eingegliedert ist. Sie, ihr Name ist Amani Abuzahra, hat auch schon ein Buch geschrieben mit dem Titel „Kulturelle Identität in einer multikulturellen Gesellschaft.“ Sie stellt fest, dass Menschen gleich welcher Religion oder auch religionslose, durch „Fremdes“ umso weniger verunsichert werden, je mehr sie in ihrer eigenen Identität gefestigt sind. Ganz wichtig ist jedoch, dass in Identitätsfragen das Verbindende vor das Trennende gestellt wird. Meist geschieht leider genau das Gegenteil.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 11. Jänner 2016 (Einsendedatum)


zu den Leserbriefen aus dem Jahre 2015