Helmut Theodor Rohner | PORTRÄT

Aktuelles - Leserbriefe 2009

In Leserbriefen nimmt der Autor seit Jahren eifrig Stellung zu Fragen, die in den Medien gestellt werden. Eine Auswahl davon soll hier angeführt werden.

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Leserbriefe 2009

Krise als Chance

Niemand wird behaupten, Papst Benedikt sei ein Lefebvrianer. Und doch machte er in den letzten Jahrzehnten ein Zugeständnis nach dem andern an diese Gruppe. Wie eine „Vatikanische Litanei“ hieß es dabei jedesmal: Das heißt aber nicht, dass der Papst hinter das Konzil zurück will. In die eine Richtung wurden Taten gesetzt, die andere Richtung wurde mit Worten „beruhigt“. Auf diesem Hintergrund freut mich sehr, dass Prof. Niewiadomski schreibt „Die Krise ist eine Chance, den Weg der Kirche zu klären. Jetzt steht das Selbstverständnis der Kirche in der modernen Welt auf dem Prüfstand – und wie weit sie selber das II. Vatikanische Konzil ernst nimmt.“ Ich hoffe, dass die Krise nicht rasch abgewürgt wird, ohne dass die angeführte Chance genutzt wird.

Pfr. Helmut Rohner, Im Horn 20, Dornbirn

„Ich wäre ein Feigling.“

Ein bekannter, jetzt 91jähriger, brasilianischer Benediktinerbischof, Clemente Isnard schrieb vor kurzem ein Büchlein, in dem er sich einsetzt: Für Bischofser­nennungen mit Beteiligung des Volkes, für die Freistellung des Zölibats, für einen gleichwertigen Platz der Frauen in der Kirche inclusive Priesterweihe, für ein Bischofsamt, das als Dienst und nicht als Ehrenamt (z.B. Titularbischöfe) aufgefasst wird. Hätte er das nicht getan, meint Dom Clemente selbst, hätte er seine Berufung verleugnet und wäre ein Feigling. Uns allen sagt er: Ich bin davon überzeugt, dass jeder Katholik (in seinem bescheidenen Rahmen) die Pflicht hat, etwas zum Wohle der Kirche und zu ihrer Verbesserung zu tun. (www.edition-weinviertel.at).

Pfr. Helmut Rohner, Im Horn 20, Dornbirn

Frauengegner sammeln

Nach neueren Meldungen aus dem Vatikan (unser Kirchenblatt hat davon berichtet), möchte die katholische Kirche mit eigenen Zugeständnissen die Anglikaner in ihren Schoß aufnehmen, die sich aus „Glaubensgründen“ (wo gibt es solche?!) gegen die Gleichberechtigung der Frauen und der Homosexuellen in der Kirche wehren.
Eine übertrittswillige Pfarrei oder Diözese kann ein „Personalordinariat“ (eigens dafür geschaffen) mit einem unverheirateten Bischof oder einem verheirateten Priester an der Spitze erhalten. Sie kann auch ihre eigene liturgische Tradition, den anglikanischen Ritus beibehalten. Ein Muss ist aber nach der Glaubenskongregation in Rom, dass die Trennung zwischen den übergetretenen Anglikanern und den römisch- katholischen Christen gewahrt bleibt.
Ökumene bedeutet für mich Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe unter den christlichen Kirchen. Davon ist in diesem Vorgehen wahrlich nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil, es riecht nach der alten, längst überholt geglaubten „Heimhol-Ökumene“: Alle andern sollen wieder in den Schoß der „einen wahren Kirche“, nämlich der römisch-katholischen zurückkehren. Das empfinden evangelische und orthodoxe Kirchen zu Recht als abschreckend. Es zerstört den nur im gegenseitigen Vertrauen möglichen, echten Dialog zwischen den christlichen Kirchen.

Pfr. Helmut Rohner, Im Horn 20, Dornbirn

Überzeugung und Verantwortung

Nach eigenem Gewissen zu handeln, stellt eine Binsenwahrheit dar, sagt P. Kaufmann in seinem Leserbrief. Dabei ist für ihn klar: Über Vorschriften der eigenen Kirche darf sich das Gewissen eines Katholiken nicht hinwegsetzen.
Die traditionelle Lehre der katholischen Kirche ist – zumindest in der Theorie - anders. Für sie ist das Gewissen die oberste Norm des persönlichen Handelns. Ich soll die Vorschriften meiner Kirche ernst nehmen. Das wird natürlich stark betont. Aber ich darf meine persönliche Verantwortung an niemand, auch an die Kirche nicht, abtreten. Ich soll so handeln, wie es meiner Überzeugung entspricht. Nur solches Handeln ist verantwortungsvoll.

Pfr. Helmut Rohner, Im Horn 20, Dornbirn

Kirchenaustritte

Kardinal Schönborn stellt fest, dass die Kirche in Wien gewaltig schrumpfe, spricht aber voll Hoffnung von einem wunderbaren Frühling, der der Kirche angeblich bevorstehe. Unser Generalvikar Benno Elbs reagiert ähnlich angesichts der großen Zunahme der Kirchenaustritte. Er ist ganz zuversichtlich, weil die „Marke“ stimmt, weil das „Produkt“, das die Kirche anbietet, nämlich die Liebe, unüberbietbar ist. Meine Frage: Laufen die Menschen der Kirche davon, weil sie so viel Liebe ausstrahlt oder weil sie gleichzeitig so viel Lieblosigkeit lebt und dekretiert. Eine ernste Gewissenserforschung, eine Überprüfung unseres christlichen Erbes und eine Neuausrichtung an der Liebe, die Christus ausstrahlte, wäre nötig. Schönrederei verhindert, dass diese Notwendigkeit überhaupt gesehen wird. Der Schaden wird sich dadurch nur noch vergrößern. Ob die Leser und Leserinnen es glauben oder nicht, ich kritisiere meine Kirche aus Liebe zu ihr und ich bin traurig, dass Kritik oft als „der Kirche schaden wollen“ interpretiert wird.

Pfr. Helmut Rohner, Im Horn 20, Dornbirn

Für und wider Kondome

Nach den neueren Informationen aus kathpress komme ich zu folgendem Schluss: Der Papst sagt die eine Hälfte: Aids lässt sich nicht allein durch Verteilen von Kondomen überwinden. Ein französischer und ein deutscher Bischof (Di Falco und Jaschke) berichten die andere Hälfte: In der Praxis sind die Kondome in bestimmten Fällen ein moralisches Muss. Nach Di Falco haben die Priester in Afrika seit 20 Jahren nie etwas anderes gesagt als: Wer Aids hat und das Ideal der Treue nicht leben kann, muss ein Kondom benützen. Und Jaschke lobt, dass Staat und Kirche in einigen Ländern Afrikas die „ABC-Methode“ benützen: A= Abstinence (Enthaltung), B= Being Faithfull (Treue), C= Condoms. Di Falco sagt richtig, der Papst könne auf Details nicht eingehen. Doch vielleicht könnte er die beiden Hälften zusammenfügen.

Pfr. Helmut Rohner, Im Horn 20, Dornbirn

Kritik als Mitverantwortung

Der Papst hat einen Brief an die Bischöfe geschickt. Gott sei es gedankt. Viele Bischöfe und Gläubige wussten nicht mehr recht, was sie von Papst Benedikt denken sollen. Eine persönliche Stellungnahme des Papstes tut gut.
Der Papst gibt nun offen zu, dass zwei Pannen seine eigentliche Absicht verdunkelt haben. Wenn wir das bedenken, könnten wir vom Papst Verständnis für seine Kritiker erwarten, selbst wenn nicht alle ganz fair waren. Er spricht jedoch von „sprungbereiter Feindseligkeit“, von Katholiken, die glaubten, „auf mich einschlagen zu müssen.“ Er fühlt sich als Zielscheibe von ohne Scheu und Zurückhaltung ausgeübtem Hass und Intoleranz. Er ortet unter den Katholiken eine falsch verstandene Freiheit.
Der Papst ist doch nicht allein für die Kirche verantwortlich. Warum sieht er dann in der Kritik einen feindseligen Angriff auf ihn und nicht eine mögliche Hilfe und ein Zeichen der aktiv wahrgenommenen Mitverantwortung?
Mir fällt ein, dass Professor Ratzinger einmal erklärte, die besten Katholiken seien nicht die, die sich total mit der Kirche identifizieren, weil diese auch die Fehler der Kirche mituntersützten. Er meinte damals, und da bin ich voll einer Meinung mit ihm: Nicht Total-, sondern Teilidentifikation mit der Kirche ist die verantwortungsvollste Haltung eines Katholiken. Als gut erkannte Entwicklungen mittragen und fördern, bei schlechten Widerstand leisten.

Pfr. Helmut Rohner, Im Horn 20, Dornbirn

Ökonomisches Denken

Es ist gut und notwendig, das wir Menschen ökonomisch denken. Doch seit langem nimmt diese Denkweise bedrohlich einseitig überhand. Ein krasses Beispiel dafür ist der Leserbrief „Schwachsinn“ von Herrn Georg Huhn. Er rät dem Staat, die Schüler zu beeinflussen, nur „wirtschaftlich sinnvolle“, d. h. „ökonomisch brauchbare“ Studien anzupeilen. Kunstgeschichte, Soziologie, Philosophie oder alte Sprachen zu studieren, scheint nach Ansicht von Herrn Huhn „völlig nutzlos“ oder sogar „Schwachsinn“ zu sein. Es ist wohl hoch an der Zeit, dass wir alle uns darum bemühen, vom rein ökonomischen Denken wieder wegzukommen. Zum Mensch-Sein gehören auch noch andere, genau so wichtige bzw. noch wichtigere Werte.

Pfr. Helmut Rohner, Im Horn 20, Dornbirn

Ohne Priester, wehe uns!

Episkopos hat in „Kirche In“ den Papstbrief zum Priesterjahr in Bezug auf die unevangelische Überhöhung des Priesters unter die Lupe genommen. Dabei führte er als Höhepunkt den Satz an: „Nach Gott ist der Priester alles!“ So sagt der Pfarrer von Ars. Und Benedikt XVI. gibt das so wörtlich weiter. Beim Selber-Lesen fand ich einen noch „stärkeren“ Satz, nämlich: „Wenn wir den Priester nicht hätten, hätten wir den Herrn nicht.“ Da bleibt mir die Sprache weg. Und ich glaube, das ist gut so.

Pfr. Helmut Rohner, Im Horn 20, Dornbirn

Zu passiv

Dr. Richard Picker hat mich und sicher viele andere wieder einmal zum Denken angeregt mit seiner Feststellung: Wir sitzen im Geburtszimmer eines neuen Zeitalters, das neben vielen Änderungen in der Weltgesellschaft in der Kirche eine Änderung der Organisationsform des Glaubenslebens bringen soll. Die für jeden Katholiken/ jede Katholikin existentielle Schwierigkeit sieht Dr. Picker darin, dass die wenigsten von uns in der Lage sind, auch nur ein Stückchen von dem durchzusetzen, was wir längst persönlich und kollektiv als richtig erkannt haben, weil die Kirchenleitung mauert. („Die Wege sind alle, so sieht es aus, blockiert.“) Diese Ohnmacht bewirkt tatsächlich sehr viel Resignation.
Nach Dr. Picker harren wir im Kreissaal mit der Gebärenden(Kirche) aus und sprechen ihr Mut zu. Dieses Bild ist mir zu passiv.
Die Kirche ist, was sie von Jesus her nicht sein sollte, streng autoritär organisiert. In einer solchen Kirche können wir von unten her nichts „durchsetzen“. Aber wir können das Wichtigste tun, was zur Zeit möglich ist, nämlich in den Köpfen und Herzen der Gläubigen den notwendigen Wandel vorbereiten. Und wir können den Bischöfen, die Angst haben, ihre lokale Verantwortung eigenständig zu verwirklichen, den Rücken stärken. Eines Tages wird das Kirchenvolk(Gläubige, Priester und Bischöfe) die diktatorische Macht Roms brechen.
Das klingt jetzt sehr revolutionär. Doch vor der Eröffnung des II. Vatikankonzils ist das schon einmal friedlich passiert. Wir müssen uns nur klar machen: Rom ist es gelungen, seine Alleinherrschaft wieder zurück zu erobern. Wir stehen zwar nicht neu am Anfang, aber in der Vorbereitung eines neuen Versuches.

Pfr. Helmut Rohner, Im Horn 20, Dornbirn

Rückgängig gemacht?

Papst Benedikt XVI. hat mit seinen Stellungnahmen schon öfters den Eindruck erweckt, er möchte das Rad der Geschichte wieder hinter das II. Vatikankonzil zurück drehen. Ist dieser Verdacht nun endgültig bestätigt, nachdem er die Bischöfe, die wegen ihres Widerstandes gegen wichtige Entscheidungen des Konzils exkommuniziert wurden, ohne dass sie ihre Ansichten geändert haben, wieder in die Kirche aufgenommen hat?

Pfr. Helmut Rohner, Im Horn 20, Dornbirn

Papst und Konzil

Die Anhänger von Erzbischof Lefebvre haben sich eindeutig gegen bestimmte Stellungnahmen des Konzils gesträubt, u.a. gegen die Religionsfreiheit, die ökumenische Öffnung gegenüber den andern Konfessionen und Religionen, die positive Haltung zur „Welt“ und die liturgische Neuorientierung. Sie wurden damals deswegen exkommuniziert. Was heißt das nun, wenn der Papst die vier von Lefebvre geweihten Bischöfe wieder in die Gemeinschaft der katholischen Kirche aufnimmt, ohne dass diese ihre Ansichten geändert haben?

Leserbrief für die VN, Pfr. Helmut Rohner, Im Horn 20, Dornbirn

Wehe den Priestern!

Frau Lydia Panhofer veröffentlichte vor kurzem in einem „Mahnruf“ in den VN die „Große Botschaft von La Salette“. Darin werden die Priester aufgrund ihrer Ehrfurchtslosigkeit und Schlechtigkeit in Bausch und Bogen „Kloaken der Unreinheit“ genannt, die die Rache Gottes herausfordern. Gott wird seinem ganzen Zorn freien Lauf lassen und in beispielloser Weise zuschlagen. Maria, die Mutter Jesu, wie wir sie aus der Bibel kennen, hat nie solche Drohungen ausgesprochen.
Warum glaubt Frau Panhofer, dass eine 1846 ausgesprochene Drohung heute noch volle Gültigkeit habe? Weil sie in den Fussstapfen von Erzbischof Lefebvre überzeugt ist, dass die katholischen Priester, abgesehen von denen der Piusbruderschaft, einen völlig falschen Weg, nämlich den Weg der „Pietätslosigkeit bei der Feier der heiligen Geheimnisse“ gegangen sind.

Leserbrief für die VN, Pfr. Helmut Rohner, Im Horn 20, Dornbirn

Ein starkes Stück

Herr Rudolf Küng leistet sich allerhand, weil er Kardinal Schönborn und Bischof Kapellari zur Jagdgesellschaft des Linkskatholizismus, zur Meute der Kirchenhasser und zu den Anti-Zolibatskämpfern rechnet. Er tut dies unter dem Titel „Die Mahnung von La Salette“. In La Salette soll ja Maria die Priester insgesamt zu „Kloaken der Unreinheit“ erklärt haben.

Pfr. Helmut Rohner, Im Horn 20, Dornbirn

Niemand hat kapituliert

Nach Ute Sassadeck hat die Plattform „Wir sind Kirche“ aufgrund tauber Ohren Roms kapituliert. Da stimmt nicht. In Österreich entstand zuerst die KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“. Sie hat sich sehr schnell internationalisiert. Dann folgte eine „Pfarrerinitiative“ und schließlich eine „Laieninitiative“. Die Ziele von allen dreien gehen in dieselbe Richtung. Abgesehen von einer (folgenlosen?) Anhörung der „Pfarrerinitiative“ bei der Glaubenskongregation hat in Rom niemand etwas erreicht. Viel Resignation ist die Folge, aber kapituliert hat noch niemand. Die Plattform „Wir sind Kirche“ gab Ende Oktober 2008 ein kräftiges Lebenszeichen mit der großen Versammlung „Damit Kirche lebt – Vom Schweigen zum Handeln.“ Rom und den Bischöfen wurde dabei gesagt: 10 Jahre Nicht-Dialog für Österreich liegen hinter uns, „wir werden nicht noch einmal 10 Jahre auf Erlaubnis warten! Macht das Konzil nicht rückgängig! Schließt euch dem Volke Gottes wieder an! Wir wenden uns gegen die Aufteilung der Kirche in zwei Stände(in Klerus und Laien)!“

Pfr. Helmut Rohner, Im Horn 20, Dornbirn

Religiöse Friedensarbeit

Es gibt vielerlei Friedensarbeit. Den Kirchen obliegt besonders die religiöse Friedensarbeit. Da liegt leider noch vieles im Argen. Sonst wäre wohl auch in der Schweiz die Abstimmung über die Minarette am 29.11.09 anders ausgegangen.
Ich traute meinen Augen nicht, als ich vor kurzem folgenden Text von kirchlicher Stelle zugeschickt bekam: „Als allgemeine grundsätzliche Regel für die Zusammenkunft von Menschen verschiedener Religionen gilt, dass auf das gemeinsame Beten - sei es von frei verfassten oder sei es von aus der Tradition ausgewählten Texten - verzichtet wird, wie es auch in Assisi gehalten wurde. Es sollte auch verzichtet werden, gemeinsam Lieder zu singen, die von den jeweiligen Glaubens-vorstellungen und Gebetstraditionen geprägt sind. Eine weitere Regel ist, dass eine Religion bei solchen Begegnungen keine Texte oder Bräuche anderer Religionen in ihre Beiträge aufnimmt,......“
Dieser unglaubliche Text stammt aus der „Arbeitshilfe“ der deutschen Bischöfe: „Leitlinien für das Gebet bei Treffen von Christen, Juden und Muslimen.“ (2. überarbeitete und aktualisierte Auflage, 24.6.2008). Statt die Angst vor den Andern zu schüren, sollten wir das Vertrauen zu ihnen aufbauen helfen. Das ist jedenfalls meine Meinung. Und sie wird von sehr vielen geteilt.

Pfr. Helmut Rohner, Im Horn 20, Dornbirn

Wir sind Kirche

Zur Erinnerung: Die Plattform „Wir sind Kirche“ ist eine gemäßigte Reformbewegung, die von Anfang an den Dialog mit den Bischöfen und mit Rom gesucht hat. Sie stellte im Jahre 1995 fünf Forderungen: 1. Geschwisterliche Kirche, 2. Gleichberechtigung der Frauen, 3. Freie Wahl zwischen Zölibat und Ehe, 4.Positive Bewertung der Sexualität, 5. Frohbotschaft statt Drohbotschaft. Statt 100.000 erhielt sie in Österreich beinahe 500.000 Unterschriften von Katholiken. Die Unterstützung war eindeutig am stärksten in Vorarlberg mit 30.327 Stimmen(10,24 % der Katholiken). Der Dialog mit den Bischöfen wurde in Salzburg hoffnungsvoll angefangen, dann aber abgebrochen.
Jetzt hören wir aus dem Vatikan(siehe Kirchenblatt vom 7.6.), dass die Bischöfe künftig das Recht haben, Mitarbeiter der Bewegung „Wir sind Kirche“ bzw. Personen, die mit deren Anliegen offen sympathisieren, aus kirchlichen Gremien auszuschließen. (Beschluss des obersten kirchlichen Gerichtshofes in Rom vom 14.3.09). Aus meiner Sicht schreien solche Verordnungen zum Himmel. Eine selbstzerstörerische Verbohrtheit Roms. Liebe Mitglieder der verschiedenen Räte in der Kirche: Wollt Ihr weiter dazu schweigen? Hat euch der Papst bei seinem Besuch in Österreich nicht gebeten, die Apostelgeschichte fortzuschreiben?

Pfr. Helmut Rohner, Im Horn 20, Dornbirn

Gezwungen freiwillig

„90 Prozent sind gegen Zölibat“ berichtete die VN am 26.3. Ich entdeckte in dem Bericht zwei Halbwahrheiten, die für die Beurteilung der Frage durchaus wichtig sind. Da hieß es: Der Zölibat, „ für den sich die derzeit 170 Vorarlberger Priester freiwillig entschieden haben.“ Wer sich zum katholischen Priester berufen fühlt hat z.Zt. leider keine freie Wahl. Er muss den Zölibat schlucken, ob er will oder nicht. Er kann diese Lebensart also nur „gezwungen freiwillig“ auf sich nehmen.
Beim Stichwort „Zölibat“ hieß es: Die Priesterweihe gilt wie die Ehe als Sakrament und daher als unverbrüchlich. Das Ehesakrament und die prinzipielle Unauflöslichkeit gehören untrennbar zusammen. Das gilt nicht für die Priesterweihe und den Zölibat. Sie sind zwei Paar Schuhe und können, wenn die Kirche will, jederzeit voneinander getrennt werden.

Pfr. Helmut Rohner, Im Horn 20, Dornbirn

Was ist möglich?

Mindestens zum 10. Mal höre ich von Kardinal Schönborn, er möchte keine Zeit verlieren mit dem Unmöglichen, sondern lieber das Mögliche tun. Das klingt nach einem sehr vernünftigen Grundsatz. Doch das Ganze hat mehrere Haken:

1. Mit welchem Recht glaubt der Kardinal bzw. die katholische Hierarchie, für alle Katholiken festlegen zu dürfen, was möglich ist und was nicht?

2. Unser Glaube sagt uns: Wir sind nicht allein am Werk. Gott steht uns zur Seite. Und in der Bibel heißt es ganz deutlich, dass für Gott nichts unmöglich sei.

3. Jesus hat uns aufgefordert, viel „Unmögliches“ anzustreben: die Geschwisterlichkeit aller, die Gewaltfreiheit, die Feindesliebe u.a.m. 4. Abraham Lincoln sagte: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir den Kampf verlieren, darf uns nicht davon abbringen, eine Sache zu unterstützen, die wir für gerecht halten. So sagten und dachten auch viele Heilige, die in ihrem Umkreis in Kirche und Gesellschaft bis dahin „Unmögliches“ möglich machten.

5. Gott wird uns sehr wohl am Ende des Lebens fragen, wo es Gutes zu tun gegeben hätte und wir uns vor unserer Verantwortung gedrückt haben mit der Feststellung, das sei nicht möglich. Auch in der Frage des Frauenpriestertums kann niemand seine Verantwortung auf den Papst abschieben. (Schon gar nicht auf einen schon gestorbenen Papst. Wer von uns weiß, ob dieser im Himmel das diesbezügliche Diskussionsverbot schon längst als schweren Fehler erkannt hat.)

Zusatz für Humorvolle: Vielleicht saß Papst Johannes Paul II. dafür einen Monat länger im Fegefeuer.

Sehr geehrter Herr Kardinal Schönborn,
auf obigen Text wünsche ich mir keine Antwort von Ihnen. Es ist mir lieber, Sie lesen meine Gedanken mit einem hinter vorgehaltener Hand versteckten Schmunzeln und nehmen sie dann doch zu Herzen.
Ich weiß, es ist verlorene Liebesmüh, mit andern Worten: es ist unmöglich aus einem Bewahrer einen Erneuerer zu machen. Aber ich habe mich nun einmal auch in diesem Fall dazu entschlossen, das Unmögliche zu versuchen.

Mit recht herzlichen Grüßen
Pfarrer Helmut Rohner

Pfr. Helmut Rohner, Im Horn 20, Dornbirn, 5.1.2009

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