Helmut Theodor Rohner | PORTRÄT

Leserbriefe

In den Leserbriefen hat der Autor jahrelang Stellung bezogen zu Fragen, die in den Medien gestellt wurden. Mit der Zeit wählte er jedoch die Themen immer stärker selber aus.

Leserbriefe 2021

Mehr auf indigene Völker hören

Im Blick auf de Klimaschutz muss sich unsere Entwicklungspolitik wesentlich ändern. Es braucht dazu einen „ganzheitlichen Blick, eine Kosmovision.“ Wer kann uns den am besten vermitteln? Die indigenen Völker. Warum? Weil sie in ihrem Leben in jahrhundertealter Praxis mit der Umwelt „mitfühlend, fürsorglich und vorausschauend“ umzugehen gewohnt sind. So sagte vor kurzem Anja Appel, die Geschäftsführerin der Koordinierungsstelle für internationale Entwicklung und Mission der Österreichischen Bischofskonferenz. Schockiert zeigte sich Appel über die zunehmende Gewalt sowohl gegen Indigene als auch gegen Menschen, die sich in Lateinamerika für Menschenrechte oder den Schutz des Regenwaldes einsetzen. Der politische Druck auf die Regierung Bolsonaro in Brasilien müsse weltweit dringend erhöht werden. Zu einer Änderung in der Politik könne im Übrigen auch das individuelle Konsumverhalten beitragen, so Appel: ein Verzicht zum Beispiel auf Produkte wie Soja oder Palmöl trage dazu bei, Abholzungen und Waldverlust in Lateinamerika zu verringern.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 1. September 2021 (Einsendedatum)


Für eine atomfreie Welt

Im August 1945 wurden zwei Atombomben über die Städte Hiroshima und Nagasaki abgeworfen. Dabei starben rund 300.000 Menschen. Bei den verschiedenen Gedenkveranstaltungen diese furchtbaren Geschehens kritisieren die Veranstalter und Teilnehmer, dass trotz eines Atomwaffenverbotsvertrags, der am 22 Jänner dieses Jahres schon von 86 Ländern unterzeichnet wurde, die Produktion und Lagerung von Atomwaffen weiter geht. Sie halten die Befolgung des Verbots für eine Überlebensstrategie der Menschheit. Außerdem stellt es uns notwendige Mittel für den Klimawandel, der Eindämmung der Pandemie und der sozialen Krise zur Verfügung. Hinter der ersten Veranstaltung dieses Jahres standen die Hiroshimagruppe Wien, Pax Christi, der internationale Versöhnungsbund und weitere Friedensbewegungen sowie verschiedene christliche Kirchen. Den Abschlusss der Veranstaltung bildete ein Laternenmarsch vom Stephansdom zur Karlskirche. Die zweite Veranstaltung fand am 9.8. um 20 Uhr bei der Friedenspagode im Wien mit einer buddhistischen Gedenkzeremonie statt. Kardinal Schönborn fragte bei einer dieser Veranstaltungen - und diese Frage sollten wir uns hinter die Ohren schreiben - „Wie können wir verantworten, Unsummen für Atomwaffen und Rüstung auszugeben, während in weiten Teilen der Welt Menschen unter Hunger, Krieg, Armut, unter den Folgen des Klimawandels und der Corona-Pandemie leiden?“

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 11. August 2021 (Einsendedatum)


Männerforschung

Bei der Sommerakademie der Katholischen Männerbewegung Österreichs kam heuer auch der Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner zu Wort. Aufgrund seiner Männerstudien empfahl er der Bewegung Reformen im Sinne von Papst Franziskus. Die Forschung kenne 4 Männertypen: traditionell, pragmatisch, unsicher und modern. Die unsicheren Männer seien die größte Gruppe, die traditionellen nehmen unter de jüngeren wieder zu, die modernen gehen zurück. Die Rollenklischees von Mann und Frau hätten sich kaum geändert. Der „traditionelle“ Mann setze auf Autorität und Macht, auf Gesetz, Strenge und Sünde, und er sei geprägt vor der Angst des sozialen Abstiegs sowie von der Angst, zu kurz zu kommen. Das Gegenbild sei Jesus, der vom Berge herabsteigt, nicht um zu richten, sondern um zu helfen und zu heilen. Papst Franziskus sei aber nicht „in der Spur“ des „traditionellen“ Mannes, er wolle eine Kirche, die bei den Leidenden ist, die die Menschen „nicht in den Gerichtssaal, sondern ins Feldlazarett führt“. Das sei dann auch keine Kirche, die ängstlich um ihre eigene Struktur kreist, sondern zu notwendigen Reformschritten bereit ist.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 7. August 2021 (Einsendedatum)


„Ganz unten beginnend“

Bisher gab es nur einen synodalen Weg, den in Deutschland. Doch der Papst wollte, dass die Bischöfe und das Kirchenvolk auf die Synode im Herbst 2023 nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch möglichst gut vorbereitet werden. Er möchte also, dass alle einzelnen Ortskirchen bis dahin (2021 und 2022) ihren eigenen Synodalen Prozess durchleben. Die italienischen Bischöfe haben beschlossen, ihren nationalen synodalen Prozess „ganz unten zu beginnen.“ Damit zeigen sie, dass sie den Papst recht gut verstanden haben, denn der Erneuerungsprozess, den er sich schon lange wünscht, geht nicht, wie in der Vergangenheit, von oben nach unten, sondern von unten nach oben.
Doch was heißt in der Kirche „ganz unten beginnend.“ Die Bischöfe lassen leider weitestgehend offen, was sie damit meinen. Ich sehe zwei Deutungsmöglichkeiten. „Ganz unten“ sind in der Kirche die gewöhnlichen Getauften, die Gläubigen. Wer hier beginnen will, muss die „Laien-“ und die Frauenfrage ernst nehmen. Noch weiter unten sind die auch in der Kirche Verachteten, Diskriminierten. Es wäre also bei Romas, Juden, Lesben, Schwulen, Atheisten, Wiederverheirateten-Geschiedenen usw. zu beginnen. Wird die italienische oder eine andere Nationalkirche den Mut dazu aufbringen?

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 13. Juli 2021 (Einsendedatum)


Zwei Frauenrechtlerinnen

Vor kurzem verstarb Italiens „Frauenrechts-Oma“ Lisa Zappitelli im Alter von 109 Jahren. Sie galt als landesweite Ikone des Einsatzes für Frauen- und Bürgerrechte und Staatspräsident Sergio Mattarella rühmte sie 2018 als „Beispiel für alle.“
In der katholischen Kirche ist es schwerer als Frauenrechtlerin Berühmtheit zu erlangen. Aber die französische Theologin Nathalie Becquart ist auf dem besten Wege dazu. In einem Webinar der Weltunion Katholischer Frauenorganisationen sagte sie vor wenigen Tagen: Eine lebendige Kirche müsse auf Fragen und Forderungen der Frauen eingehen und Frauen müssten in allen Entscheidungsgremien repräsentiert sein. Es brauche einen ständigen Dialog zwischen den Geschlechtern. Eine synodale Kirche müsse sich in den Dienst aller stellen; dies sei eine große Herausforderung. Papst Franiskus hat diese „kirchliche Frauenrechtlerin“ schon lange zu einer der „Unter-Sekretärinnen“ der Synode 2023 ernannt. Dem untertänigen Titel zum Trotz ist sie damit die erste Frau mit Stimmrecht auf einer Bischofssynode. Das hat einen unschätzbaren symbolischen Wert. Doch Papst Franziskus rät allen Lokalkirchen in den nächsten 2 Jahren einen synodalen Weg „in Bodennähe“ auszuprobieren. Wir hoffen, dass das zum Ergebnis führt, dass 2023 auf der Synode an der Seite von Nathalie Becquart eine recht beachtliche Zahl von Frauen und (nicht-geweihten) Männern das Stimmrecht erhalten werden.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 1. Juli 2021 (Einsendedatum)


Kardinal Marx und Papst Franziskus

Die beiden lieben sich gegenseitig und verstehen einander gut. Doch jetzt hat Kardinal Marx von München dem Papst seinen Rücktritt angeboten und ihn gebeten, diesen anzunehmen. Das tat der Papst jedoch nicht. Marx schrieb Franziskus einen Brief, der beinahe weltweit Aufsehen erweckte. Er wolle nicht aus Alters- oder Gesundheitsgründen zurücktreten, sondern weil er seine Verstrickung in den Skandal des Missbrauchs sehe und in Verantwortung dazu stehen wolle. Entgegen der Wirklichkeit gestehe die Kirche die strukturelle und systemische Mitschuld an diesem Skandal nicht ein und ändere sich daher nicht. Der Antwortbrief des Papstes ist sehr offen und persönlich. Er bemüht sich sehr seinen deutschen Mitbruder und dessen tiefe Motivation zu verstehen. Und doch sagt er ihm: Mache weiter als Erzbischof, selbst wenn du nicht verstehst, warum ich das von dir verlange. Es ist wahrlich schwer, zu entscheiden, worin der Unterschied in der Argumentation der beiden besteht. Vielleicht liegt er darin, dass der Papst den Kardinal daran erinnert, dass wir aus der Krise der Kirche nicht herauskommen, wenn wir das nicht in Gemeinschaft tun. Bei der Sünde mischten sich Gemeinschaftliches und Persönliches ineinander. Ähnlich muss es auch bei der Überwindung der Krise sein.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 11. Juni 2021 (Einsendedatum)


Teilhabe aller

Der Papst plant eine 3 Jahre dauernde Versammlung mit dem Thema Synodaliät. Der deutsche Theologe Thomas Söding meint dazu: „Ein Schlüssel für die Zukunft der Kirche ist es, dieses Prinzip Synodalität auf Dauer zu stellen.“ Das Prinzip Synodalität bedeutet die Teilhabe aller, nicht nur der Bischöfe, an den Beratungen und Entscheidungen. Das, meint Söding, sollte immer wieder von neuem in Erinnerung gerufen werden. Dies werde schon in der Bibel beschrieben: „Immer braucht es die versammelten Gläubigen, die…den Mund auftun und die Ärmel hochkrempeln. Immer wird gemeinsam beraten und auch gemeinsam entschieden.“ Die Synode, wie sie das heutige Kirchenrecht definiert, als Versammlung nur von Bischöfen ist auch in der langen Kirchengeschichte eine relativ junge Erscheinung. Mit anderen Worten: Wer eine synodale Kirche möchte, in der die Entscheidung aller Fragen von „Klerikern“ und „Laien“ gefällt werden, strebt nicht „eine neue Kirche“ an, sondern will etwas zurückgewinnen, was lange in der Kirche da war, dann aber durch die usurpierte Macht des Papstes und der Bischöfe aus der Kirche ausgetrieben wurde. Nach Söding sollten die Bischöfe in ihren Diözesen die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen. Und zur Synode nach Rom sollten sie mitnehmen, „was der Geist den Gemeinden sagt.“

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 3. Juni 2021 (Einsendedatum)


Österreich betet

Eine ökumenische, also eine konfessionsübergreifende Initiative plant, dass die christlichen Bewohner und Bewohnerinnen Österreichs eine Zeitlang miteinander beten. Ausgewählt wurde die Zeit von Christi Himmelfahrt (13. Mai) bs Pfingstmontag (24.Mai). Alle christlichen Pfarreien, Gemeinden, Gemeinschaften und Einzelpersonen sind zur Teilnahme und zum Mitbeten eingeladen. Als Leitfaden dient passend zum Pfingstfest der bekannte Hymnus aus dem 8. Jahrhundert „Veni Creator Spiritus“-Komm Schöpfer Geist“. Ziel des gemeinsamen Gebetes ist die Ermutigung für alle in schwerer Zeit und die Beihilfe des Heilgen Geistes für die Zukunft Österreichs. Prominente Vertreter aller Konfessionen oder Kirchen nehmen daran teil, u. a. Kardinal Ccristoph Schönborn, der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios, der Wiener evangelisch-lutherische Superintendent Mathias Geist und der Vorsitzende der Freikirchen Reinhard Kummer. Wer sich auf der Webseite der Initiative anmeldet, bekommt regelmäßige Gebetsimpulse per E-Mail und kann sich im Gebetskalender für eine oder mehrere Zeiten eintragen, um mit vielen Anderen rund um die Uhr für Österreich zu beten. Höhepunkt der Aktion ist eine über Livestream übertragene Gebetszeit am Pfingstmontag. Markus Marosch, der Koordinator der Initiative „Österreich betet gemeinsam,“erklärt zu dieser Novene “Wir gehen als Land durch zahlreiche Herausforderungen und sind davon überzeugt, dass Gott durch den Heligen Geist alles neu machen will.“

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 6. Mai 2021 (Einsendedatum)


Etwas Besonderes

Warum zieht der „Synodale Weg“ der deutschen Kirche so viel Aufmerksamkeit auf sich? Es geht dabei um zwei Besonderheiten. Die eine betrifft die Teilnehmer und Teilnehmerinnen und die andere die Ziele. Nirgend anderswo in der katholischen Kirche bemühen sich bei diesem Weg Kleriker und Laien als Gleichwertige zu verhandeln. Hier wird nicht nur so getan, als würden Bischöfe, Priester, Frauen, Männer und Jugendliche, Unverheiratete und Verheiratete „auf Augenhöhe“ miteinander reden und planen. Hier ist das wirklich so. Das geht so weit, dass einige Teilnehmer (Bischöfe u.a.) der Ansicht sind, hier werde bereits gegen die „katholische Ordnung“ verstoßen. In seinen Zielen will der „Synodale Weg“ in mehreren Punkten die Vorschriften des jetzt geltenden kirchlichen Gesetzbuches so modernisieren, dass sie der heutigen Entwicklung unserer Gesellschaft entsprechen. Am Erfolg oder Misserfolg des „Synodalen Weges“ in Deutschland entscheidet sich also z. T. die Entwicklung der gesamten Kirche und die Erneuerung oder Nicht-Erneuerung des Kirchenrechtes in naher Zukunft.

Pfr. Rohner Helmut, Dornbirn
Leserbrief, 2. Mai 2021 (Einsendedatum)


Will sie nicht modern sein?

Manche meinen: Die Kirche möchte schon modern sein, aber sie schafft es nicht. Andere meinen: Sie könnte, aber sie will nicht. Wie dem auch sei, ich freue mich immer, wenn jemand der Kirche Mut macht, die Moderne nicht zu fürchten. Bei der letzten Oneline-Tagung der Universitäten Fribourg und Salzburg tat das der Schweizer Kirchenhistoriker Mariano Delgado. Es ging ihm dabei um den Übergang zu einer neuen Epoche der Religionsvielfalt. Seit 1960, kurz vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil, hätten immer wieder Stimmen innerhalb der katholischen Kirche auf die Notwendigkeit eines Schrittes in die neue Epoche aufmerksam gemacht. Josef Ratzinger, der spätere Papst, meinte damals schon, der Schritt vom Mittelalter zur Neuzeit sei in der Kirche ausgefallen. Kardinal Carlo Martini habe 1998 kritisiert, dass die katholische Kirche seit 200 Jahren ihre Gestalt in der modernen Welt nicht gefunden habe. Das Christentum müsse, so Delgado, „zu den andern Religionen Gemeinsamkeiten suchen und Spannungen ehrlich aushalten.“ Angesichts einer immer vielfältigeren Religionsgeschichte, könne das Ziel nicht eine Einheitsreligion, sondern nur eine „Einheit in Vielfalt“ sein. Dieser Übergang erfordere der Kirche Mut ab, erst recht, da die Notwendigkeit des Wandels noch lange nicht von allen erkannt werde.

Pfr. Rohner Helmut, Hard
Leserbrief, 19. April 2021 (Einsendedatum)


Loyaler Kirchenrebell

Am 6. April starb im Alter von 93 Jahren der berühmte Schweizer Theologe Hans Küng. Er wurde im Germanicum in Rom zum Priester geweiht, als ich dort als Student ankam. Ihn störte während seines Doktorstudiums die ungerechte Behandlung der Angestellten des Kollegs. Diese hausten im Keller und durften nicht heiraten, weil sie so weniger Räume zum Wohnen brauchten. Ein mutiger Kämpfer ist Küng zeitlebens geblieben. Unzählige waren begeistert von seinen Auffassungen. Er war wirklich ein großer Theologe, der die Schwächen der Katholischen Kirche erbarmungslos aufdeckte, dieser aber immer treu und loyal blieb. Ein kleines Büchlein mit dem Titel „Unfehlbar?“ mit Fragezeichen wurde ihm zum Verhängnis. 1979 wurde ihm die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen. Doch er gründete die Stiftung „Weltethos“ und tat alles nur Erdenkliche für die Annäherung der Weltreligionen. Ein Mann mit unglaublichen Verdiensten für die Kirche und die Menschheit wäre gern rehabilitiert von und ausgesöhnt mit seiner Kirche gestorben. Doch auch unter Papst Franziskus gelang das nur auf menschlicher und seelsorglicher, nicht aber auf juristischer und amtlicher Ebene. Persönlich ist mir lieber, dass Hans Küng auch über seinen Tod hinaus ein „evangelischer“ Stachel im Fleisch der katholischen Kirche bleibt.

Pfr. Rohner Helmut, Hard
Leserbrief, 12. April 2021 (Einsendedatum)


Geht es weiter?

Die Amonas-Synode war ein Ereignis, das weltweit viele Menschen bewegte. Auch die wichtigeren Medien berichteten ausführlich davon. Auch das postsynodale Schreiben von Papst Franziskus „Querida Amazonia“ erregte die Gemüter. Bei uns war es hauptsächlich Bischof Erwin Kräutler aus Koblach, der uns ein lebendiges Bild von der Versammlung vermittelte. Doch dann ist es wieder still um dieses Thema geworden. Wir fragen uns: „Geht es wirklich weiter? Tut sich etwas?“ Zwei, die es wissen müssen, die Hauptgeschäftsführer der deutschen Hilfswerke Adveniat und Misereor, Michael Heinz und Pirmin Spiegel geben uns eine positive Antwort. Sie sind mit der Weiterentwicklung zufrieden. Da ist zunächst die kirchliche Amazonienkonferenz als eine bleibende Errungenschaft. Der zweite wichtige Schritt ist nach Ansicht der Experten die für November geplante kontinentale Kirchenversammlung in Mexiko, bei der einzelne Teile der Amazonien-Synode auf ganz Lateinamerika ausgeweitet werden sollen. Papst Franziskus hat nach der Synode gezeigt, dass er „die Türen immer weiter für die Frauen in der Kirche öffnen“ möchte. Bei der Neustrukturierung des Lateinamerikanischen Bischofsrates gehe es darum, die Synodalität in den Ortskirchen zu stärken. Nach Pirmin Spiegel hat der Amazonas-Raum eine Vorreiterolle in dieser Frage und wird sicher seine Erfahrungen in die Weltsynode 2022 über die Synodalität einbringen.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 2. März 2021 (Einsendedatum)


Endlich ein neuer Bischof

Seit Ende der 1980iger Jahre ist unsere Nachbar-Diözese Chur hoffnungslos zerstritten und zwischen Konservativen und Liberalen polarisiert. Kein Bischof konnte die Gräben überwinden. Bischof Amadee Grab ist das einigermaßen gelungen, doch unter seinem Nachfolger Vitus Huonder flammten die Konflikte wieder auf. Diese entzündeten sich meistens am Schweizer Staatskirchenrecht, das den Laien mehr Mitbestimmung gewährt als das Kirchenrecht. Die Diözese Chur hat das uralte Privileg, dass die z. Zt. 22 Priester des Domkapitels aus einem Dreiervorschlag Roms auswählen können. Dieses Mal fanden sie jedoch alle 3 Kandidaten des Vatikans für nicht wählbar und überließen dem Papst allein die Wahl. Dieser ernannte Joseph Maria Bonnemain, einen der auf der besagten Liste gestanden hatte. Mit diesem verbindet sich eine gewisse Hoffnung auf Aussöhnung, doch in 2 1/2 Jahren ist er schon 75 und muss sein Amt wahrscheinlich wieder niederlegen. Der neue Bischof rief in einer schriftlichen Erklärung zu einem gemeinsamen Weg in die Zukunft auf: “Geschwisterlichkeit und Hoffnung sind wie Medikamente, welche die Welt von heute wie Impfstoffe braucht“ erklärte er. Der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz, Bischof Gmür, sagte, Bischof Bonnemain sei ein Brückenbauer. Bischof Benno Elbs gratulierte seinem Kollegen in der Nachbarschaft recht herzlich.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 16. Februar 2021 (Einsendedatum)


Wie unser Leben gelingen kann

Schon auf der Umschlagseite versprach uns das letzte KirchenBlatt Tipps und Anregungen enes Glücksforschers. Auf den Seiten 6-7 wurde dieses Versprechen hervorragend eingelöst. Es ist erstaunlich, wie viele beachtenswerte menschliche Erfahrungen in dem kurzen Interview von Simone Rinser und Dr. Ruckriegel Platz fanden. Lesenswert und beherzigenswert. Dieselbe Nummer enthielt noch weitere Beiträge zum gleichen Thema. Und das KirchenBlatt verspricht uns in nächster Zeit noch weitere Aspekte „Gelingenden Lebens“ zu behandeln.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 12. Februar 2021 (Einsendedatum)


Zweite Seite des Vatikans

Viele von uns haben einen sehr negativen Eindruck vom Vatikan. Er hat eine stark veraltete Theologie, machte in der Vergangenheit die Erneuerer weltweit mundtot, bremst langzeitig die Reformgruppen, ist Schauplatz eines skrupellosen Machtkampfes und von teuren Finanzskandalen. Auf Anregung des Vatikans veranstalteten Ende Jänner d. J. als Vorbereitung der Papstreise in den Irak Vertreter der Muslime und der Christen einen zweitägigen Webmar über die Ursachen von religiösem Extremismus und Gewalt. Das war nicht einfach eine Initiative des mutigen Franziskus. Gleich fünf vatikanische Behörden arbeiteten an der Organisation der Versammlung mit. Und wichtig ist in diesem Zusammenhang auch noch: Das Treffen war und ist Teil einer langfristigen Strategie des Vatikans. Diese soll helfen, entsprechende Probleme zu verstehen, sie einzudämmen und Möglichkeiten für „eine Kultur des Dialogs und der Geschwisterlichkeit“ zu finden. In zahlreichen Initiativen leistet das zum Teil moderne und aufgeschlossene Personal des Vatikans seinen Beitrag zur Verbesserung der Menschheit und der Welt. Viele denken nie an diese zweite Seite des Vatikans oder wissen nichts von ihr. Es ist wichtig, sie in Betracht zu ziehen, um der Wirklichkeit des Vatikans gerecht zu werden. Bei vielen stellt sich dann allerdings die Frage: Will ich das überhaupt? Behalte ich nicht lieber meine bisherige, vorurteilsbehaftete Meinung?

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 2. Februar 2021 (Einsendedatum)


Zu KiBl 14.1.21

Fegefeuer und Ablass

Als Ministrant im Hatlerdorf konnte ich das „Fegefeuer vom Hatlerdorf“ während der Gottesdienste ausgiebig betrachten. Ein liebliches, feierliches und majestätisches Bild. Das schöngemalte Flammenmeer macht die Gläubigen nicht sich krümmend vor Schmerzen, sondern nur fromm, betend. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Bild einen Künstler in seinen Bann ziehen kann. Ich finde jedoch schade, dass hier falschen Glaubensvorstellungen von Gott und vom Übergang in das andere Leben Vorschub geleistet wird.
Der Artikel „Ablass ist ein Angebot“ (in derselben Nummer)passte da gut dazu. Da wird der Eindruck erweckt, die Lehre vom Ablass sei etwas Gutes, für moderne Christen Akzeptables und Verständliches. Das ist sie nun wirklich nicht. Die „Sündenstrafen“ meinten und meinen die Strafe Gottes, d.h. das „Fegefeuer“, nicht irgendwelche Folgen der Sünde hier auf Erden.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief fürs Kirchenblatt, 15. Jänner 2021 (Einsendedatum)


Wer ist Pater Kofi?

Pater Kofi Kodom (51) ist der in Ghana geborene Steyler, der vor 20 Jahren als Erster als Missionar nach Europa wollte. Er spricht deutsch, englisch und französisch und zwei afrikanische Sprachen, nämlich Suaheli und Twi. Wichtige Stationen seines Wirkens waren Traiskirchen, Wien und Vorarlberg. Im Erstaufnahmelager Traiskirchen betreute er anfangs hauptsächlich Neuankömmlinge. In Wien initiierte er die Schubhaftseelsorge, weil diese neben den Gottesdiensten fehlte. Als er 2015 in die Moosmahdstrasse nach Dornbirn kam, ernannten ihh die Diözese und die Caritas zum ersten Migrantenseelsorger Österreichs. Vor kurzem kehrte er nach Ghana zurück. Manches sei ihm in Österreich schwer gefallen: der „Kulturschock“, die unbekannte Sprache, die ungewohnten Speisen und die tiefen Temperaturen. Doch noch mehr setzte ihm die Fremdenfeindlichkeit und der Rassismus zu. Sein trostloses Resumée lautet: Als Afrikaner bin ich wegen meiner Rolle als Priester in Österreich akzeptiert, nicht aber als Mensch. In den Schulen, bei Diskussionen und in Vorträgen versuchte er, die Vorurteile gegenüber Fremden abzubauen. Ich frage mich manchmal, ob wir die Präsenz der Steyler Missionare bei uns genügend zu schätzen wissen. Sie haben interessante Leute mit z. T. neuartigen Aufgaben. Laut P. Kofi ist das Charisma des Steyler Ordens das an die Grenzen gehen.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 13. Jänner 2021 (Einsendedatum)


Vatikan und Deutsche

In der Jänner-Nummer der „Herder Korrespondenz“ gibt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Bätzing ein ausführliches Interview über seine Reformwünsche für die katholische Kirche: Eine andere Haltung zu den Homosexuellen im Katechismus, eine kirchliche Segnung für Paare, die nicht katholisch heiraten können, Diakonatsweihe für Frauen, offene Debatte über Priesterweihe eventuell auch für Frauen, mehr Verkündigung durch Laien, auch Frauen, in der Eucharistie, unabhängige und transparente Aufarbeitung des Missbrauchskandals, dezentralere Entscheidungen bei der Pfarr- und Diözesanentwicklung, mehr Freiraum für die Ortsbischöfe und die Ortskirchen. Dabei stellt er fest, dass im Vatikan Vorbehalte bestehen gegenüber „uns Deutschen und der Art und Weise, wie wir Dinge angehen.“ Die deutschen Bischöfe werden auch nicht rechtzeitig informiert, was am .Laufen ist und werden dann mit fertigen Papieren überrascht, in denen ihnen vorgeschrieben wird, woran sie sich halten müssen. So geschehen in letzter Zeit bei der Pfarr-Reform, bei dem Reform-Projekt „Synodaler Weg“ und bei der ökumenischen Erlaubnis zwischen Katholiken und Evangelischen in Deutschland, an der Abendmahlsfeier oder Eucharistiefeier der jeweils anderen Konfession teilnehmen zu dürfen. Diese Erlaubnis hatte Bischof Bätzing auch selbst unterschrieben, aber niemand teilte ihm, als er persönlich im Vatikan war, mit, dass der Vatikan schwere Bedenken dagegen hat.

Pfr. Helmut Rohner, Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn
Leserbrief, 3. Jänner 2021 (Einsendedatum)


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